MenüMenü

Eine Blutvergiftung endet oft tödlich! So beugen Sie vor und erkennen die Symptome

In Deutschland sterben mehr Menschen an einer Blutvergiftung als an einem Herzinfarkt! Diese alarmierende Tatsache veröffentlichte jetzt die Deutsche Sepsis Gesellschaft in Jena. Deren Gründer, Professor Konrad Reinhart, hält die Blutvergiftung „für die weltweit älteste, tödlichste und am meisten unterschätzte Erkrankung“.

Nach Untersuchungen der Gesellschaft erkranken in Deutschland jedes Jahr zwischen 125.000 und 300.000 Patienten an einer Blutvergiftung, medizinisch Sepsis genannt.

Schlimmer noch: Die Sterblichkeit ist mit 40.000 bis 80.000 Toten pro Jahr erschreckend hoch. Ich habe Ihnen hier Ursachen, Diagnosemöglichkeiten und Therapieformen zusammengestellt.

Blutvergiftung: Die Ursachen

Eine Blutvergiftung kann immer dann auftreten, wenn es den körpereigenen Abwehrkräften nicht gelingt, eine Infektion auf deren Entstehungsort einzugrenzen und zu besiegen. Wird sie dann nicht sofort erkannt und behandelt, überschwemmen die Krankheitserreger (Bakterien, Viren oder Pilze) innerhalb von wenigen Stunden den ganzen Organismus.

Die Stoffwechselprodukte der Erreger führen schließlich zu einer Verdickung des Blutes und lassen lebenswichtige Organe absterben. Der Patient erleidet einen septischen Schock mit Kreislaufkollaps und inneren Blutungen.

Das Heimtückische an dieser Krankheit: Im Frühstadium kommt sie wie eine ganz normale Erkältung daher, verbunden mit Mattigkeit, Fieber, Übelkeit, manchmal auch Schüttelfrost. Daher ist es nicht verwunderlich, dass diese unspezifischen unspezifischen Symptome von Hausärzten oft nicht richtig gedeutet und viele Patienten deshalb zu spät ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Am häufigsten – in fast jedem zweiten Fall – tritt eine Blutvergiftung in Folge einer Lungenentzündung auf. Mit Abstand folgen als Ursache Bakterien im Blut durch Infektionen der Harnwege und Geschlechtsorgane, Mandelentzündungen oder aber durch Hautverletzungen, die man sich beim Sport oder bei der Arbeit zugezogen hat.

Blutvergiftung führt zu „Kernschmelze“ im Immunsystem

Bei jeder Blutverunreinigung besteht die Möglichkeit einer Überreaktion. In diesem Fall geht die Immunabwehr zum massiven Großangriff über. Die Körperabwehr greift alle Krankheitserreger gleichzeitig an.

Mediziner sehen diese Taktik als brisant an, da die Abwehr den eigentlichen Infektionsherd nicht effektiver bekämpft. Das eigentliche Problem liegt darin, dass das Immunsystem immer weiter Abwehrzellen und Botenstoffe produziert.

Dann kommt es unter Umständen zu einer Kettenreaktion, die in etwa mit einer Kernschmelze vergleichbar ist: Der Körper sendet weiterhin den Befehl zur Produktion von Antikörpern und Botenstoffen. Diese Reaktion heizt sich so weit auf, bis die Stoffwechselprozesse außer Kontrolle geraten. Dann kommt es möglicherweise zu einem spontanen Abfall des Blutdrucks, wodurch der Körper Gewebe und Organe unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Fällt der Blutdruck dadurch erneut ab, sprechen Mediziner von einem septischen Schock. Tritt darauf ein Versagen der lebenswichtigen Organe wie Lunge, Herz, Leber oder Nieren ein, bezeichnet man diesen Zustand als schwere Sepsis.

So gehen Sie mit einer Sepsis um

Selbst können Sie leider nicht so viel unternehmen: Wenn Sie den Verdacht haben, Sie könnten sich – etwa bei der Gartenarbeit – eine Blutvergiftung zugezogen haben, sollten Sie also rasch handeln und sich in eine Klinik begeben. Anhand einer Blutprobe kann dort festgestellt werden, ob es sich wirklich um eine Sepsis handelt. Dann kann eine gezielte Behandlung mit modernen Medikamenten erfolgen. Das ist in diesem Fall unerlässlich.

Vorbeugen können Sie, indem Sie die Hautverletzungen, die Sie sich zuziehen, mit einem Wunddesinfektionsmittel aus der Apotheke desinfizieren und steril abdecken. Neue Wundauflagen und Verbände machen sich beispielsweise die keimabtötende Eigenschaft des Silbers zunutze. Sie eignen sich zur Infektionsprophylaxe bei akuten Wunden. Größere Wunden sollten Sie jedoch unbedingt fachmännisch versorgen lassen.

Übrigens: Der blau-violette Streifen, der sich nach einer Verletzung an Armen oder Beinen hochschlängelt, ist nicht unbedingt ein Zeichen für eine Blutvergiftung. Er ist meist auf eine Entzündung der Lymphgefäße zurückzuführen, die ebenfalls ärztlich behandelt werden muss.

Diagnose und Behandlung

Wenn Sie die Symptome rechtzeitig erkennen und richtig deuten, kann jedes Krankenhauslabor heute eine Sepsis anhand Ihrer Blutprobe von anderen Krankheiten abgrenzen und sicher erkennen. Allen medizinischen Fortschritten zum Trotz sind die Ärzte aber oft machtlos, wenn die Sepsis erst einmal ein bestimmtes Stadium erreicht hat. Denn die Antibiotika töten zwar die Erreger ab, nicht aber deren Giftstoffe.

Neben Antibiotika stehen erst seit kurzer Zeit Verfahren und Medikamente zur Verfügung, die dazu beitragen, dass mehr Patienten mit schwerer Sepsis überleben.

Es sind dies zum Beispiel bestimmte Beatmungsstrategien, Nierenersatzverfahren, frühzeitige hämodynamische Optimierung (= laufende Überwachung und Einstellung von Blutdruck und Blutchemie) sowie Insulingaben. Seit kurzem gibt es mit dem so genannten Aktivierten Protein C ein spezielles Sepsis-Medikament, das die Überlebenschancen deutlich erhöht. Auch Hydrokortison kann helfen.

Die Behandlung der Sepsis ist allerdings nach wie vor eine komplexe Angelegenheit und wird meist von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich gehandhabt. Einheitliche Therapiestandards gibt es bislang nicht. Neben dem rechtzeitigen Erkennen kommt auch der Vorbeugung eine wesentliche Bedeutung zu.

So sollten Sie vermeiden, dass eine Wunde infiziert und damit zum Tor für Krankheitserreger wird.

Daran können Sie eine Blutvergiftung erkennen

  • Fieber, manchmal mit Schüttelfrost
  • beschleunigte Atmung, beschleunigter Herzschlag
  • abfallender Blutdruck
  • Mattigkeit, verbunden mit Gesichtsblässe
  • Übelkeit
  • Kreislaufschwäche, Schwindelgefühl
  • Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen

Der dunkel-violette Streifen, der an Armen oder Beinen auftritt und länger und länger wird, gilt vielen noch immer als untrügliches Zeichen einer beginnenden Blutvergiftung. Er ist jedoch kein zuverlässiges Erkennungsmerkmal. Es handelt sich hierbei vielmehr um die Lymphgefäßentzündung (Lymphangitis), die oft von kleinen Verletzungen an Händen oder Füßen hervorgerufen wird.

Sie kann sehr schmerzhaft verlaufen (Fieber, Kopfschmerzen, Herzrasen) und muss mit Antibiotika behandelt werden. Bei Nichtbehandlung können daraus gefährliche Phlegmone und Nekrosen hervorgehen.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten