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Häufiges Harnlassen: Wie Sie den Harndrang in den Griff bekommen

In letzter Zeit mussten Sie tagsüber häufiger Urin lassen. Das stört Sie nicht weiter; was Sie allerdings wirklich als lästig empfinden, ist die Tatsache, dass Sie auch nachts öfter aufstehen müssen, um die Toilette aufzusuchen. Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Häufiger Harndrang deutet häufig auf eine zugrundeliegende Erkrankung hin. Nach einer gründlichen Untersuchung können Ärzte die Ursachen in den meisten Fällen herausfinden und in den Griff bekommen. Dann kann Ihre zugrundeliegende gesundheitliche Störung behandelt werden und Ihre Gewohnheiten bezüglich des Harnlassens können sich wieder normalisieren.

Die Häufigkeit der Toilettenbesuche hat viele Erscheinungsformen

Manche Menschen müssen hauptsächlich in der Nacht häufiger Urin lassen. Vermehrtes nächtliches Wasserlassen wird als Nykturie bezeichnet. Für andere Menschen wiederum ist es Teil eines anderen gesundheitlichen Problems, zum Beispiel des Harndrangs oder der gesteigerten Blasenaktivität. Diese Menschen verspüren regelmäßig und plötzlich den starken Drang, Wasser zu lassen. Zum Harndrang kann in manchen Fällen zusätzlich eine Harninkontinenz kommen – also ein ungewollter Harnabgang.

Die Symptome sind unterschiedlich: Es kann sein, dass einfach nur die Häufigkeit der Toilettenbesuche zunimmt; oder die Häufigkeit nimmt zu, aber die Menge des pro Toilettenbesuchs abgegebenen Urins wird geringer. Häufiges Wasserlassen kann auch die Folge einer übermäßig großen Harnproduktion Ihres Körpers sein (Polyurie).

Häufiger Harndrang: Die Ursachen können vielfältig sein

Zu den weiter verbreiteten Ursachen für häufiges Urinlassen zählen:

  • Harnwegsinfektion – Dazu zählen bakterielle Infektionen der Blase oder der Harnröhre (Urethra) – das ist die Röhre, die Urin aus der Blase nach Außen transportiert. Zu den Symptomen zählen Schmerzen beim Wasserlassen, ein übelriechender Urin, Fieber und Schmerzen im Beckenbereich.
  • Nebenwirkung eines Medikaments – Diuretika sind unter anderem Wirkstoffe, die die Häufigkeit des Wasserlassens erhöhen.
  • Altersbedingte Veränderungen – Die Schwächung der Blasen-, Harnröhren- und Beckenbodenmuskulatur kann dazu führen, dass das Fassungsvermögen der Blase abnimmt. Sie kann aber auch die Fähigkeit zum Einhalten des Urins oder zum vollständigen Entleeren der Blase beeinflussen.
  • Prostataprobleme – Bei Männern führt eine vergrößerte oder entzündete Prostata oft zu Harndrang und häufigem Urinlassen, das gilt insbesondere nachts.
  • Strahlentherapie – Die Strahlenbehandlung von Tumoren in der Nähe der Blase – beispielsweise bei Mast-darm- oder Schambeinkrebs – kann die Blasenwand schädigen. In den meisten Fällen verschwindet der dabei entstehende Harndrang, und die Häufigkeit des Wasserlassen nimmt innerhalb von einigen Wochen bis hin zu einem Jahr wieder ab.
  • Probleme mit der Blase – Wenn Blasenprobleme auftreten, sollten insbesondere Raucher unbedingt einen Arzt aufsuchen. Häufiges Urinieren oder Harndrang können ein frühes Symptom für Blasenkrebs sein. Blasensteine oder eine Blasenentzündung (interstitielle Cystitis) können ebenso zu häufigem Wasserlassen führen, allerdings verursachen sie häufig auch andere Symptome wie Schmerzen im Becken und Schmerzen beim Urinlassen.
  • Diabetes – Wenn überschüssiger Zucker (Glukose) aus dem Blut in den Urin abgegeben wird, entzieht das den Geweben des Körpers Wasser. Folglich müssen Sie dann häufiger zur Toilette gehen. Sie fühlen sich dabei ausgetrocknet und durstig.
  • Nierenerkrankungen – Wenn Sie an einer Erkrankung leiden, die die Nierentätigkeit herabsetzt, kann das auch die Fähigkeit der Niere beeinflussen, den Urin zu konzentrieren. Folglich steigt die Menge an produziertem Urin an.
  • Herzinsuffizienz – Ein schwaches Herz kann das Blut nicht effizient durch den Körper pumpen, es bilden sich Wasseransammlungen in den Geweben (Ödeme). Die Nieren müssen dann schwer dafür arbeiten, dass die überschüssige Flüssigkeit ausgeschieden wird. Das führt dazu, dass große Mengen an Urin produziert werden und Sie häufig Wasser lassen müssen, insbesondere dann, wenn Sie liegen.
  • Gewohnheiten – Im Verlauf der Zeit entwickeln viele Menschen, die zum Beispiel immer dann zur Toilette gehen, wenn sie nach Hause kommen, einen Reflex. Das heißt sie verspüren schon Harndrang, wenn sie ihr zuhause nur sehen.

Die beste Behandlungsmethode für häufiges Harnlassen ist es, die dafür verantwortliche Grunderkrankung anzugehen. Zusätzlich gibt es einige Medikamente, die dabei helfen können, die Blase oder die Harnröhre zu entspannen, um auf diese Art die Zahl der Toilettengänge zu reduzieren.

Vibrationstraining stärkt den Beckenboden

Eine Harninkontinenz kann z. B. durch eine Schwäche des Schließmuskels und bei Frauen durch eine Gebärmuttersenkung bedingt sein. Mediziner sprechen dann von einer Stress- oder Belastungsinkontinenz“. Dagegen liegt einer Dranginkontinenz“ eine überaktive Blasenmuskulatur zugrunde (Reizblase). Eine sehr erfolgreiche Methode gegen Stressinkontinenz ist das Beckenbodentraining. An der Universität Göttingen haben Mediziner diese gymnastischen Übungen durch ein so genanntes Vibrationstraining ergänzt.

Dabei stehen die Patienten auf einer Art Wippe, die von einem Motor angetrieben wird. Sie hebt und senkt sich sehr schnell, aber lediglich um einige Millimeter. Die Patienten spüren das als eine leichte Vibration. Die Muskulatur reagiert dabei unwillkürlich und versucht, diese Bewegung auszugleichen.

Pro Minute kommt es dabei im Bereich des Beckenbodens zu fast 1.800 Muskelkontraktionen. Regelmäßig angewandt, ist das ein perfektes Training für Ihre Beckenbodenmuskeln. In Göttingen wurden im Jahr 2003 im Rahmen einer Studie 90 Frauen, die an Stressinkontinenz litten, mit der Kombination aus Vibrations- und Beckenbodentraining behandelt (12 Wochen lang; jeweils 2-mal wöchentlich).

Zuerst standen sie 8 Minuten auf der Vibrationsplatte, dann wurde 30 Minuten lang ein herkömmliches Beckenbodentraining durchgeführt. 4 von 5 Patientinnen konnten so vollkommen geheilt werden. Beim herkömmlichen Training liegt diese Rate lediglich bei 2 von 5.

In diesen Fällen dürfen Sie das Vibrationstraining nicht anwenden:

  • Schwangerschaft
  • frische Thrombosen
  • Sehnenerkrankungen
  • Herzschwäche, koronare Herzkrankheit, Angina pectoris

Mittlerweile verfügen viele Krankengymnasten oder Ärzte über die entsprechenden Geräte (z. B. Galileo 2000). Die Behandlung wird nicht von den Krankenkassen übernommen und kostet pro Trainingseinheit zwischen 10 und 20 . Alternativ können Sie auch ein Gerät für die Anwendung zu Hause kaufen (Kosten ab 2.000 preisgünstiger sind gebrauchte Geräte).

Gel-Injektionen: Ein ambulanter Eingriff verengt die Harnröhre

Einen ganz anderen Ansatz zur Heilung der Harninkontinenz bietet das so genannte Zuidex-System. Dabei werden in einer ambulanten Operation feine Injektionsnadeln durch den Harnleiter vorgeschoben. Dann wird an vier ringförmig angeordneten Punkten ein Gel in die Wand der Harnröhre injiziert. So wird die Harnröhre von einer kleinen ringförmigen Wulst verengt, und der Harn kann z. B. beim Niesen oder beim Sport besser zurückgehalten werden.

Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung vorgenommen und dauert lediglich 15 Minuten. Die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Kosten zu tragen. Daher müssen Sie diese Frage vorher mit Ihrem Kassensachbearbeiter klären. Die Erfolgsrate liegt mit dieser Methode zwischen 70 und 80 %. Nachteil der Methode: Das Implantat muss nach etwa 4 Jahren erneuert werden. Seltene Nebenwirkungen sind kurzfristige Schmerzen beim Wasserlassen und Schwellungen im Genitalbereich.

Daher sollten sie gut abwägen, für welche Methode Sie sich entscheiden. In eher leichteren Fällen ist das Vibrationstraining auf jeden Fall die bessere Wahl. Wenn Sie dagegen an sehr starken Beschwerden leiden, wäre die kleine Operation erwägenswert. Allerdings sollten Sie es auch wegen der guten Erfolge des Vibrationstrainings zuerst mit diesem nebenwirkungsfreien Verfahren versuchen.

Verreisen trotz Blasenschwäche kein Problem

Das ist der pure Horror pur für viele: Stundenlange Staus auf der Autobahn – und keine Toilette in der Nähe! Endlose Schlangen vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen – und die Blase drückt! Gerade für Menschen mit Blasenschwäche wird die Reise in den Urlaub meist zur Qual. Statt sich entspannt auf Sonne, Strand und Meer zu freuen, kreist bei ihnen alles um die Frage: Wo ist die nächste Toilette?

Doch seien Sie beruhigt: Auch Menschen mit Blasenschwäche können verreisen, und zwar theoretisch fast überall hin. Dabei helfen ihnen moderne auslaufsichere Einlagen oder Pants. Mit ihnen ist vieles möglich, was noch vor Kurzem undenkbar war – vom Ritt auf dem Elefanten bis zur Segelpartie auf dem Mittelmeer, vom Aufstieg in alpine Höhen bis zum Badeurlaub im sonnigen Süden. Dabei müssen Sie sich natürlich anpassen an das, was Sie sich vornehmen wollen. Wenn Sie eine ausgedehnte Safari weit ab von allen sanitären Einrichtungen planen, dann brauchen Sie Einlagen mit höherer Saugleistung, als wenn Sie sich bevorzugt in der Nähe Ihres Hotels aufhalten – immer in Reichweite der Toilette.

Stressfreier reisen Sie, wenn Sie sich im Flugzeug oder in der Bahn einen Sitzplatz in der Nähe der Toilette reservieren. Und natürlich geht nichts ohne Notfallköfferchen mit ausreichend Einlagen oder Pants. Außerdem gehören Waschlappen und Ersatzunterwäsche zur Sicherheit ins Handgepäck.

Wenn Sie unter Blasenschwäche leiden, müssen Sie Ihre Ferien besonders sorgfältig planen und vor der Abreise folgende Fragen klären:

  • Wie viele Einlagen oder Pants brauche ich?
  • Kann ich die Hilfsmittel auf dem Flug mitnehmen?
  • Wie kann ich sie transportieren?
  • Kann ich am Urlaubsort Einlagen oder Pants kaufen?
  • Bekomme ich die gleiche Qualität wie zu Hause?
  • Was kosten die Einlagen dort?
  • Erstattet mir meine Krankenkasse diese Ausgaben?

Am besten klären Sie das vorab, denn manche Kassen liefern die gewohnten Hilfsmittel sogar bis an den Urlaubsort.

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Alte Kommentare
  • Julia schrieb am 28.05.2010, 18:00 Uhr

    Hallo, ich bin 17 Jahre alt und leide seit 2 Jahren an einer Reizblase. Jedoch konnten mir die Ärzte und Urologen mit keinem Medikament helfen. Ich bin ratlos, ich weiß nicht warum ich plötzlich dieses Blasenproblem bekommen habe, da ich völlig gesund bin. Ich muss vermehrt am Tag, aber häufiger nachts Wasser lassen. Ich würde mich auf eine Antwort freuen. Liebe Grüße Julia

    • Christa Schier antwortete am 30.05.2010, 18:56 Uhr

      Liebe Julia! Besorge Dir Granufink Blase es hilft Dir. Gruß Christa!

    • Caro antwortete am 23.01.2012, 20:36 Uhr

      Hallo Julia Wio oft musst du tagsüber wasserlassen? Grüße, Caro

  • Julia schrieb am 24.01.2012, 13:54 Uhr

    Ich bin mittlerweile 19 und habe immer noch eine Reizblase. Aber habe neulich mit einer psychotherapeutischen Behandlung begonnen, um meine Reizblase in den Griff zu bekommen.

    • Herbert castor antwortete am 12.09.2014, 09:47 Uhr

      ich muss häufig nachts wasser lassen