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Blasenkrebs: Behandlung

Krebs auf der Schleimhautschicht der Blase ist am leichtesten zu behandeln. Man nennt ihn auch oberflächliches Karzinom. Rund drei Viertel aller Blasenkrebse entdeckt man in diesem Frühstadium und die Überlebensrate beträgt mehr als 90 Prozent. Allerdings fällt beim oberflächlichen Blasenkrebs die Rezidivrate (Rate des Wiederauftretens) recht hoch aus. Die Behandlung gestaltet sich schwieriger und die Überlebensrate vermindert sich, wenn sich der Krebs über die Schleimhautschicht in das tiefere Gewebe der Blase hinaus ausgebreitet hat.

Wenn der Blasenkrebs diagnostiziert und klassifiziert ist, diskutieren Sie mit Ihrem Arzt die Art der Behandlung. Dabei kommen folgende Möglichkeiten in Betracht:

  • Entfernung des Tumors (Transurethrale Resektion, TUR)
  • Intravesikale Therapie (Lokale Chemotherapie innerhalb der Harnblase)
  • Systemische Chemotherapie (den ganzen Körper betreffend)

TUR und intravesikale Therapie

Bei der TUR führt Ihr Arzt unter Verwendung eines Blasenspiegels Instrumente in die Blase ein. Mit deren Hilfe schneidet er den Tumor heraus, verbrennt ihn oder zerstört ihn durch Laserstrahlen. Diese Methode wendet man üblicherweise als Anfangsbehandlung bei oberflächlichen Tumoren an.

Bei derintravesikalen Therapie leitet der Arzt mittels eines Katheters leitet eine Flüssigkeit mit Wirkstoffen zur Bekämpfung der Krebszellen in die Blase. Im Normalfall behalten die Patienten diese Flüssigkeit für eine oder zwei Stunden in der Blase. Die intravesikale Therapie setzt man bei einigen Formen von Blasenkrebs als alleinige Therapie ein.

Mögliche Nebenwirkungen

In den meisten Fällen verwendet man die intravesikale Therapie nach einer TUR als zusätzliche Maßnahme, um Krebszellen zu zerstören. Ein gängiges Behandlungsschema der intravesikalen Therapie ist ein Zyklus von sechs Wochen mit einer Behandlung pro Woche. Die Lösung enthält in der Regel Chemotherapeutika oder eine Lebendkultur von vorher geschwächten Bakterien, die das Immunsystem zum Abtöten der Krebszellen anregen (Immuntherapie).

Die Wirkstoffe der Chemotherapie (Mitomycin oder Thiotepa) und die immuntherapeutische Bakterienkultur (Bacillus Calmette-Guerin, BCG) reizen die Blase. Das verursacht unter Umständen Schmerzen beim Urinlassen oder Blut im Urin. Manche Patienten verspüren Übelkeit oder sie bekommen Fieber. Die Wahl der für Sie effektivsten intravesikalen Flüssigkeit hängt von Ihrer medizinischen Situation ab.

Effektivste Behandlungsform mit dem größten Risiko

Im Allgemeinen wendet man dieBCG-Therapie, die effektivste intravesikale Behandlungsform, auch am häufigsten an. Allerdings beinhaltet diese Behandlungsform gleichzeitig das größte Risiko für mögliche vorübergehende Nebenwirkungen. Wenn der Patient sowohl die intravesikale Chemotherapie als auch die Immuntherapie nicht verträgt oder diese nicht anschlagen, gibt es die Möglichkeit, mit dem Wirkstoff Interferon alpha-2b (Intron A) intravesikal zu behandeln. Das Interferon kann der Arzt alleine oder in Kombination mit anderen Substanzen verabreichen.

Interferon alpha-2b wirkt in der Regel nicht so effektiv wie eine Chemo- oder Immuntherapie, es hat aber weniger Nebenwirkungen. Wenn der Krebs tief in die Blasenwand eingedrungen ist oder über die Blase hinaus gestreut hat, injiziert man die Chemotherapeutika ins Blut, sodass sie nahezu jeden Teil des Körpers erreichen. Die systemisch wirkende Chemotherapie verordnet man vor oder nach der Blasenentfernung. Sie trägt zur Abtötung der verbliebenen Krebszellen bei, wohin auch immer sie gestreut sind.

Blasenrekonstruktion: Wie der Harntrakt wieder aufgebaut wird

Invasiver Blasenkrebs ist der Hauptgrund dafür, dass bei Patienten die Harnblase komplett oder teilweise entfernt werden muss. Nach Angaben des Robert Koch Instituts erkranken in Deutschland jedes Jahr rund 26.000 Menschen an Blasenkrebs. Männer sind davon etwa 3-mal häufiger betroffen als Frauen. Der Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Harnblasenkrebs ist der Tabakkonsum. In vielen Fällen ist die Entfernung der Blase (Zystektomie) die beste Voraussetzung für längeres Überleben oder eine mögliche Heilung. Doch selbst, wenn der Krebs besiegt ist: Wie soll man ohne Blase Urin ausscheiden?

Wie Ihre Blase ersetzt wird

Während der Zystektomie beginnt der Urologe, einen Weg für die Urinabführung zu formen, kurz nachdem die Blase und oft noch weiteres Gewebe entfernt worden sind. Für ältere Erwachsene gibt es vor allem 2 Möglichkeiten, einen neuen Harntrakt zu konstruieren:

  • Neoblase – Diese Möglichkeit des Ersatzes wird von einigen Patienten bevorzugt, weil er der normalen Funktionsweise der Blase am meisten ähnelt. Für die Neoblase werden etwa 50 cm Ihres Dünndarms verwendet, aus dem – einschließlich der zugehörigen Blutgefäße – ein Beutel als Ersatz für die Blase gefertigt wird. Die Harnleiter (Ureter), die den Urin aus der Niere in Ihre alte Blase abgeleitet haben, werden nun an die Neoblase angeschlossen. Dann wird die Harnröhre (Urethra), durch die der Harn den Körper verlässt, am Boden der neuen Blase angeschlossen. Obwohl Sie mit einer Neoblase auf normalen Weg Wasser lassen können, sind die Nerven nicht angeschlossen, die normalerweise anzeigen würden, wenn die Blase voll ist, und die bei der Blasenentleerung die Muskeln steuern. Stattdessen werden Sie in regelmäßigen Intervallen die Blase entleeren müssen, indem Sie Ihre Bauchmuskeln in einer bestimmten Weise anspannen. Die meisten Patienten mit einer Neoblase können über Tag und während der Nacht den Harn halten. Falls Inkontinenz vorkommt, tritt sie häufiger nachts als am Tag auf. Auf lange Sicht müssen weniger als 10% der Betroffenen mit einer Neoblase Harn mit einem Katheter abführen, den sie selbst einführen.
  • Conduit – Bei dieser Methode wird ein kleines Stück Darm verwendet, um Ihre Harnleiter mit einer künstlichen Öffnung (Stoma) an Ihrem Unterleib zu verbinden. Von außen wird ein kleiner Beutel an diese Öffnung angeschlossen. In diesen fließt der Harn sofort aus ihren Nieren hinein. Man entleert diesen Beutel mehrmals täglich. Für den Abend gibt es größere Beutel, sodass Sie die Nacht durchschlafen können.

Eine der wichtigsten Ursachen für Komplikationen und verzögerte Genesung ist nicht die Blasenentfernung selbst, sondern die Konstruktion eines Darmabschnitts, um eine neue Ableitung für den Harn zu fertigen. Die meisten Menschen, deren Harnblase ersetzt wurde, bekommen keine Darmkomplikationen. Wenn ein Darmabschnitt ausgeschaltet wird, bestehen allerdings folgende Risiken:

  • langsame Erholung des Darms nach der Entfernung,
  • Undichtigkeit an den Stellen, wo der Darm neu verbunden wird,
  • Verstopfung des Darms oder Bildung von Narbengewebe, das den Darm verengt; beide Komplikationen bedürfen unter Umständen weiterer Operationen,
  • Probleme bei der Nahrungsverwertung über den verbleibenden Darm,
  • Durchfälle, die üblicherweise nach einiger Zeit verschwinden.

Zukunftsmusik: Harnblasen aus der Retorte

Es mag sich ein bisschen utopisch anhören, aber eine Gruppe von Forschern hat kürzlich die erste Studie über die Verwendung von Harnblasen beim Menschen veröffentlicht, die im Labor als Gewebekultur gezüchtet wurden. Die Forscher hatten bestimmte Zellen aus den Blasen von Kindern entnommen. Die Blasen wiesen eine angeborene Funktionsstörung auf. Über etwa 8 Wochen hinweg brachten die Forscher die entnommenen Zellen dazu, sich zu vermehren und eine blasenförmige Struktur zu bilden, gestützt von einem kleinen Gerüst aus biologisch abbaubarem Material.

Die neuen Blasen wurden den Kindern implantiert. Bei Nachuntersuchungen in den folgenden 4 Jahren erwiesen sich die Harnblasen aus dem Gewebelabor als ebenso wirksam wie Neoblasen – allerdings ohne die Komplikationen, die mit dem Einsatz der Neoblasen einhergehen, wenn Teile des Darms für die Rekonstruktion verwendet werden. Noch gibt es jedoch viele Hürden, die zu überwinden sind, bevor diese Technik bei Erwachsenen angewendet werden kann, deren Blasen wegen Krebs entfernt werden mussten. Außerdem gibt es noch keine Möglichkeit, Nerven an die Blase aus dem Gewebelabor anzuschließen, die den Füllstand der Blase anzeigen oder das Wasserlassen steuern.

Es wird noch ein Jahrzehnt oder länger dauern, bis künstliche Harnblasen aus dem Gewebelabor breit angewendet werden. Doch sie könnten eines Tages zum Schlüssel bei der Wiederherstellung der Blasenfunktion werden. Bevor sie eine realistischere Option sind, bleibt die Neoblase der so genannte Goldstandard, also die beste Möglichkeit, eine Harnblase zu ersetzen.

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