Arteriosklerose: Behandlungsmethoden
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Ballons, Bohrer, Stützen und Laserstrahlen. Diese seltsame Kombination hat nichts mit Parties, lempnern oder Science-Fiction-Filmen zu tun. Diese Begriffe haben jedoch eines gemeinsam: Es handelt sich um verschiedene Behandlungsmethoden für verengte bzw. verschlossene Arterien infolge einer Atherosklerose.
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Die meisten dieser Techniken wurden innerhalb der letzten 10 Jahre entwickelt. Wenn Sie an einer Atherosklerose leiden, bieten sich Ihnen ständig verbessernde Alternativen zu einer Operation an.
Eine stille, jedoch ernsthafte Erkrankung
Die Atherosklerose zeichnet sich vor allem durch eine Ansammlung von cholesterinhaltigen Fettablagerungen (Plaques) an den Innenwänden der Arterien aus. Mit zunehmender Plaquesbildung verengt sich der Hohlraum der Arterien und beeinträchtigt die Blutströmung. Wenn davon die koronaren Blutgefäße (Herzkranzgefäße) betroffen sind, kann es zum Auftreten von charakteristischen Brustschmerzen kommen (Angina pectoris).
Durch die Plaquesbildung werden die Innenwände der Gefäße uneben und rauh. Ein Riß (Ruptur) in den Plaques kann auch die Bildung eines Blutgerinnsels hervorrufen. Behindert ein solcher Thrombus die Blutströmung zum Herzmuskel (Myokard), kann dies zum Herzinfarkt führen.
Jahrzehntelang war bei verengten Koronargefäßen eine Operation am offenen Herzen erforderlich. Um die Blutströmung um die verschlossene Stelle zu lenken, wird eine Arterie oder Vene aus einem anderen Teil des Körpers als „Umleitung“ (Bypass) auf die verschlossene Arterie genäht.
Ein kreiselförmiger Bohrer mit bis zu 200.000 Umdrehungen in der Minute ist eines der Schneideinstrumente, mit denen bei verengten bzw. verschlossenen Arterien cholesterinhaltige Fettablagerungen (Plaques) entfernt werden. Bei der Ballonangioplastie werden die Plaques abgeflacht und die Arterienwand geweitet. Ein Stent wird oft eingesetzt, um zu verhindern, daß sich die Arterie nach der Dehnung erneut verengt.
Eine Bypass-Operation ist jedoch ein großer Eingriff. Er ist mit hohen Kosten verbunden und erfordert einen Krankenhausaufenthalt zwischen 5 und 10 Tagen sowie eine Genesungszeit von mindestens 3 bis 4 Wochen zuhause. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre begannen Ärzte, neue Techniken als Alternative zur Operation einzusetzen.
Ballons zur Abflachung der Plaques
Bei der Ballonangioplastie führt der Arzt zunächst ein langes, schmales, hohles Röhrchen (Katheter) durch einen feinen Schnitt an der Ellenbeuge oder in der Leiste in eine Arterie ein. Mit Hilfe von Röntgenaufnahmen, die auf einen Videoschirm übertragen werden, führt der Arzt den Katheter durch die Arterie, bis dieser an der verschlossenen bzw. teilverschlossenen Stelle angekommen ist.
Danach wird ein noch dünnerer Katheter, an dessen Spitze sich ein winziger, nicht aufgeblasener Ballon befindet, in den ersten Katheter geschoben. Vom Inneren des Katheters wird ein Führungsdraht durch die verschlossene Stelle hindurch bewegt, um dem Ballon einen Weg zu ebnen.
Durch das Aufblasen des Ballons werden die Plaques abgeflacht und die Arterienwand gedehnt, wodurch der Weg für die Blutströmung wieder frei wird. Anschließend werden die Katheter entfernt.
Die Angioplastie verläuft in 90% der Fälle erfolgreich. Sie hat jedoch ihre Grenzen:
Die Arterien verengen sich wieder - In etwa einem Drittel der Fälle verengt sich die behandelte Stelle innerhalb von sechs Monaten erneut. Wenn der Ballon aufgeblasen wird, können die Plaques aufreißen, während sie beiseitegeschoben werden. Die verbleibenden unebenen Ränder können zur Bildung neuer Plaques führen.
Eine erneute Verengung kann auch die Folge eines elastischen Zurückweichens sein, wenn die gedehnten Arterien allmählich wieder ihre ursprüngliche Form annehmen. Auch kann sie durch eine Gewebewucherung infolge einer Verletzung durch die Ballonangioplastie verursacht sein.
Wenn die erneute Verengung Beschwerden hervorruft, muß die Arterie nochmals erweitert (dilatiert) werden.
Sie ist nur für bestimmte Arterienverengungen die beste Lösung – Die Ballonangioplastie kann zwar auch bei völligem Gefäßverschluß eingesetzt werden, sie eignet sich jedoch am besten für Verengungen, die nicht komplett und zu stark, zu ausgebreitet sind und noch keine ungünstigen Formen aufweisen.
Mit der Arteriektomie werden die Plaques ausgeschält - Anstatt die Plaques abzuflachen und beiseite zu schieben, werden sie bei der Arteriektomie tatsächlich entfernt.
Wie bei der Ballonangioplastie führt der Arzt auch hier einen Katheter in die Arterie und schiebt diesen bis zur verengten Stelle. Anschließend wird ein zweiter, mit einem Schneideinstrument ausgestatteter Katheter hineingeführt.
Innerhalb der letzten Jahre seit der Einführung der Arteriektomie wurden verschiedene Schneideinstrumente entwickelt:
Direktionelle Arteriektomie – Der zweite Katheter ist hohl und hat eine Öffnung an der Längsseite. Befindet sich die Öffnung über der blockierten Stelle, werden die Plaques mit einer sich im Katheter bewegenden Schneideklinge entfernt.
Diese Art der Arteriektomie ist bei neuen Verengungen, die auf einen kleinen Bereich begrenzt sind, am erfolgreichsten.
Rotierendes Messer – Ein Bohrer am Ende des Katheters rotiert mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200.000 Umdrehungen pro Minute und schleift auf diese Weise die Plaques schichtweise ab. Dieses Messer scheint bei verhärteten (verkalkten) bzw. unregelmäßig ausgebildeten Plaques am erfolgreichsten zu sein.
Extraktion – Hier sind am vorderen Ende des Katheters Schneideklingen befestigt. Die Plaques werden durch diese Klingen abgetrennt und durch Absaugung entfernt.
Die Arteriektomie dauert in der Regel eine bis vier Stunden. Währenddessen muß der mit dem Schneideinstrument ausgestattete Katheter eventuell mehrmals herausgezogen und wieder neu eingesetzt werden, bis der Verschluß vollständig entfernt ist.
Nach der Behandlung ist die Oberfläche der Arterienwand oft breiter und glatter als nach einer Ballonangioplastie. In seltenen Fällen wird bei diesem Verfahren die Gefäßwand verletzt.
Aufgrund der Art, der Lage und der Form der bei Ihnen vorliegenden Arterienverengung empfiehlt Ihnen Ihr Kardiologe eine Endarteriektomie (sog. Ausschälplastik) anstatt einer Angioplastie. Die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Verengung ist bei beiden Behandlungsmethoden ungefähr gleich, so daß diese Alternativen zur Ballondilatation nur mit großer Zurückhaltung eingesetzt werden.
Stents zur Stützung der Gefäßwände
Die Behandlung atherosklerotischer Gefäßverengungen mit Angioplastieverfahren ist trotz der Einführung neuer Techniken begrenzt, da in etwa 30% der Fälle die Arterien ihre ursprüngliche Form annehmen und sich erneut verengen. Eine Lösung könnte der Einsatz von Stents sein, einer Art Stütze, um die Innenwände der Arterien offenzuhalten.
Die Stents sind klein, sie haben etwa die Größe der Feder eines Kugelschreibers. In den USA wurden sie 1992 von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) für den Einsatz bei Notfällen zugelassen, wenn eine Ballonangioplastie fehlgeschlagen war. Stents wurden als Notbehelfsmaßnahme eingesetzt, um eine Bypass-Operation zu einem späteren Zeitpunkt vornehmen zu können. In Europa werden sie seit Ende der 80er Jahre bzw. seit Beginn der 90er Jahre verwendet.
Nach einer Ballonangioplastie oder einer Endarteriektomie wird ein Stent durch einen Katheter an die Stelle geführt, die vorher behandelt wurde. Der Stent hält die Arterie offen. Es gibt selbstexpandierende Stents und andere, die mit Hilfe eines Ballons aufgedehnt werden.
Der Stent heftet sich in die innerste Zellschicht der Arterienwand. Eine dünne Schicht von geronnenem Blut bildet sich über der Innenfläche des Stents und fördert so die Heilung.
Die Bildung von Thromben kann jedoch zum Problem werden. Eventuell müssen blutverdünnende Mittel (Antikoagulanzien) eingenommen werden, um die Blutgerinnselbildung zu hemmen. Je nach Art des Medikamentes müssen Sie eventuell länger als nur 1 bis 2 Tage im Krankenhaus bleiben, wie es nach einer Ballonangioplastie oder einer Arteriektomie allein nötig wäre.
Laserstrahlen zerstören die Plaques
Bei der Lasertherapie wird Hitze oder Licht benutzt, um die Plaquesschichten zu zerstören. Zur Behandlung von Herzkranzgefäßen wurde sie Ende der 80er Jahre erstmals eingesetzt.
Seitdem hat sich die Lasertherapie als Kombinationstherapie zusammen mit der Ballonangioplastie zur Behandlung bei völligem Gefäßverschluß weiterentwickelt. Mit Hilfe eines Laserstrahls wird eine entsprechend große Öffnung in die verschlossene Stelle gebrannt, so daß der Kardiologe einen Ballon einführen und die Arterie erweiten kann.
Keine perfekte Alternative
Trotz der hohen Erfolgsraten sind weder die Ballonangioplastie noch die Arteriektomie oder die Stents perfekt. Während und nach jeder dieser Therapieformen besteht ein geringes Herzinfarktrisiko.
Eine erneute Verengung der Arterien kann Folgebehandlungen erforderlich machen. In 1 bis 2% der Fälle ist eine Bypass-Notoperation nötig, wenn die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt.
Um den Erfolg der einzelnen Verfahren zu erhöhen, kann Ihr Kardiologe die verschiedenen Behandlungsmethoden kombinieren. Zukünftige Verbesserungen können dem Patienten eine noch größere Auswahl bieten, wie etwa metallfreie, bioabsorbierbare Stents, die das Risiko der Thrombenbildung verringern können.