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Aortenaneurysma und seine Behandlung

Ein abdominales Aortenaneurysma ist keine Erkrankung, von der man täglich hört. Zwei wissenschaftliche Studien der Mayo Clinic dokumentieren jedoch einen Anstieg von Aneurysmen um das Dreifache über die letzten 40 Jahre hinweg. Diesen Anstieg kann man wahrscheinlich zum Teil auf die starke Zunahme des Rauchens seit dem Zweiten Weltkrieg zurückführen. Darüber hinaus tritt diese Form des Aneurysmas mit zunehmender Lebenserwartung der Menschen häufiger auf.

Etwa 15.000 Amerikaner sterben jährlich an einem Durchbruch eines abdominalen Aortenaneurysmas. Im Verhältnis zu der halben Million Herzinfarkttoten im Jahr ist die Anzahl der Todesfälle infolge von Aneurysma gering. Die Vorstellung, dass ein abdominales Aneurysma aufbricht und zum plötzlichen Tod führt, ist beängstigend. Bei frühzeitiger Diagnose beseitigt eine Operation diese verborgene Gefahr in 95 Prozent der Fälle.

Ein Aneurysma ist eine geschwächte Arterie

Ein Aneurysma stellt eine Ausweitung oder sackförmige Ausbuchtung einer Arterienwand dar. Es tritt üblicherweise auf, wenn cholesterinhaltige Fettablagerungen (Arteriosklerose) die Arterienwand schwächen oder beschädigen. Andere Faktoren tragen ebenfalls zu einer Schwächung der Arterienwand bei:

  • hoher Blutdruck
  • Rauchen
  • männliches Geschlecht
  • Alter über 55 Jahre
  • abdominales Aneurysma in der Familie

Ließ die Elastizität erst einmal nach, kann der Druck des Herzschlags dazu führen, dass sich eine Arterie allmählich dehnt und ausweitet. Das abdominale Aneurysma kommt in dergroßen Körperschlagader (Aorta) vor. Üblicherweise entwickelt sich das Aneurysma unterhalb der Stelle, wo die Aorta sich verzweigt, um die Nieren mit Blut zu versorgen, sowie oberhalb der Stelle, wo sie sich teilt, um das Becken und die Beine mit Blut zu versorgen.

Aneurysmen: Symptome sind leicht zu übersehen

Aortenaneurysmen können schwierig zu entdecken sein. Sie erweitern sich typischerweise nur langsam und verursachen meist keine Symptome. Häufig beginnen sie als kleine Beule und bleiben dann in diesem Zustand, oder sie erweitern sich im Laufe der Jahre langsam. Mit der Bildung des Aneurysmas lagern sich Blutgerinnsel auf der ausgebuchteten Wand ab. Diese Blutgerinnsel verursachen jedoch gewöhnlich keine zusätzlichen Probleme.

Es ist möglich, dass sich Ihre Aorta erweitert und Sie Folgendes spüren:

  • Ein pulsierendes Gefühl im Bereich des Bauchnabels,
  • Schmerzen oder Druckempfindlichkeit in Ihrem Bauch,
  • Rückenschmerzen.

Je größer das Aortenaneurysma, desto größer das Risiko für einen Riss. Ein Durchbruch ist immer ein Notfall, der einer sofortigen Operation bedarf. Zu den Symptomen eines Risses gehören:

  • Plötzliche, intensive und anhaltende Bauchschmerzen, die möglicherweise in Rücken oder Beine ausstrahlen
  • Schwitzen
  • Schwindel
  • Rasender Puls
  • Bewusstlosigkeit

In den meisten Fällen werden Aortenaneurysmen zufällig durch diagnostische Verfahren wie Röntgen, Ultraschall- oder Computer-Tomographie (CT) entdeckt, mit denen etwas anderes untersucht werden soll, oder während einer Routineuntersuchung. Ihr Arzt kann das Aneurysma ertasten oder das Geräusch des turbulent strömenden Blutes aufnehmen, indem er Brust oder Bauch mit einem Stethoskop abhorcht. Wenn ein Aneurysma vermutet wird, können Bild gebende Verfahren, also Röntgen, Ultraschall oder CT, zum Einsatz kommen.

Je größer, desto gefährlicher

Wenn Ihr Arzt bei Ihnen ein Aneurysma findet, dann besteht kein Grund zur Panik. Ist es kleiner als 5 cm, sollten Sie es lediglich einmal pro Jahr kontrollieren. Darüber hinaus sollte sich vor allem der Blutdruck normalisieren und Sie sollten alles meiden, was den Prozess der Arteriosklerose vorantreibt. Der Durchmesser der abdominalen Aorta liegt im Normalfall zwischen 2 und 2,5 cm. Kleine Aneurysmen (kleiner als5 cm) brechen in seltenen Fällen auf.

Wenn die Erweiterung 5 cm übersteigt (bei Frauen eventuell weniger, weil ihre Aorta dünner ist), ist eine Operation notwendig. Das Risiko eines Reißens liegt dann bei etwa 1 Prozent pro Jahr. Sollte das Aneurysma bereits 7 cm groß sein, sind es schon 20 Prozent. Wie bei jedem Aneurysma besteht die Gefahr, dass sich in dem abdominalen Aortenaneurysma ein Leck ergibt und es so zu einer lebensbedrohenden Blutung kommt. Bei einigen wenigen Menschen kommt es zu Rückenschmerzen, wenn sich das Aneurysma vergrößert. Die meisten abdominalen Aortenaneurysmen verlaufen jedoch„still”: sie wachsen langsam und ohne Symptome heran.

Wenn bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für ein Aneurysma vorliegt

Durch eine gründliche ärztliche Untersuchung entdeckt man 70 bis 80 Prozent der abdominalen Aortenaneurysmen. Mit einem Stethoskop hört der Arzt den Bauch ab, um Geräusche von Blutturbulenzen über der veränderten Oberfläche der Aorta festzustellen. Ein leichter Druck auf den Bauch stellt fest, ob eine pulsierende Masse vorliegt.

Bei Übergewicht sinkt die Genauigkeit des Untersuchungsergebnisses, wodurch üblicherweise weitere Untersuchungen erforderlich sind. Um ein genaueres Testergebnis zu erhalten, führt der Arzt gegebenenfalls eine Ultraschalluntersuchung durch. Routinemäßige Überprüfungen auf Aortenaneurysmen mittels Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (NMR) sind im Normalfall nicht nötig und stehen in keinerlei Relation zu den Kosten.

Die offene Operation

Eine Operation ist nötig, wenn der Durchmesser eines Aneurysmas sich auf mindestens 5 cm ausdehnt. Die Operation besteht aus einem Schnitt in die Bauchdecke, um die Aorta zu öffnen und die abgelagerten Fette und das Cholesterin zu entfernen. Nach der Entfernung überbrückt der Chirurg den aneurysmatischen Gefäßabschnitt durch ein biegsames Rohr (Gefäßprothese), das er an die benachbarten Gefäßenden näht. Die Genesung dauert bei der gewählten Operation etwa sechs Wochen einschließlich eines 7- bis 10-tägigen stationären Aufenthalts. Eine Notoperation eines ruptierten Aortenaneurysmas ist weniger erfolgreich: 62 Prozent der Betroffenen sterben auf dem Weg ins Krankenhaus. Von den Operierten überleben 50 Prozent.

In jüngster Zeit führt man an einigen Kliniken dasselbe Verfahren mit einem kleinen Einschnitt durch (Minimaleinschnitt-Aortenoperation). Die Vorteile dieser Variante bestehen im kürzeren Krankenhausaufenthalt und in der schnelleren Abheilung.

Die endovaskuläre Reparatur

Als Alternative zur Bauchoperation zählt die Mayo Clinic zu den wenigen medizinischen Zentren, die ein neues Verfahren erforschen. Man bezeichnet es als endovaskuläre Operation. Bei diesem Verfahren operiert der Chirurg die Ausweitung von innen. Dabei schiebt man ein zusammengeklapptes Transplantat von der Oberschenkelarterie des Beins aufwärts in die krankhaft veränderte Arterie, um das Transplantat dann mit Metallröhrchen (Stents) zu fixieren. Ähnlich der Ballon-Angioplastie bläst der Chirurg das Transplantat dann auf, um den normalen Blutfluss wiederherzustellen. Für ältere Patienten und solche mit hohem Risiko kann sich diese Methode besser eignen.

Etwa 10 Prozent der Patienten mit dieser Methode unterziehen sich später weiteren Eingriffen. Bei Brustaneurysmen (thorakaische Aortenaneurysmen) setzte man das endovaskuläre Verfahren erst vor kurzem ein. Verglichen mit der Operation in der Bauchhöhle ist die Standardoperation einer Aussackung im Brustbereich mit einem viel höheren Sterberisiko und einem Lähmungsrisiko behaftet. Eine Reihe von Geräten zur Risikominimierung wird untersucht.

Schnelle Erholung möglich

Eine Studie der Universität Padua aus dem Jahr 2003 an 30 Patienten verglich die endovaskuläre Operation mit dem bisher üblichen chirurgischen Eingriff. Das Ergebnis: Die Patienten mit einem Stent erholten sich nach dem Eingriff deutlich schneller. Sie konnten das Krankenhaus im Schnitt bereits nach vier Tagen verlassen. Im Gegensatz dazu blieben die Patienten nach einer offenen Operation etwa sieben Tage in stationärer Versorgung.

Welche Art der Operation für Sie am günstigsten ist, besprechen Sie mit Ihrem Arzt. Bei so gravierenden Eingriffen ist es auf jeden Fall ratsam, sich einezweite Meinung einzuholen.

Aneurysmen besser frühzeitig erkennen als zu spät

Das Ziel der Behandlung ist, das Aufplatzen des Aneurysmas zu vermeiden. Vorsorge und frühzeitiges Erkennen sind der Schlüssel. Falls Sie einen oder mehrere Risikofaktoren haben (Alter über 55, Rauchen, hoher Blutdruck), sind regelmäßige Kontrollen durch Ihren Arzt sinnvoll, um diese Krankheit frühzeitig zu erkennen. Einige Faktoren beeinflussen die Behandlung eines abdominalen Aortenaneurysmas:

  • Lage
  • Größe
  • Wachstumsgeschwindigkeit
  • Allgemeiner Gesundheitszustand

In den meisten Fällen ist es nicht notwendig, kleinere Aneurysmen zu operieren. In diesen Fällen wendet der Arzt häufig eine regelmäßige Überwachung mit Bild gebenden Verfahren an, um die Größe der Aussackung zu kontrollieren. Eine Reparatur kleiner Aneurysmen zieht er in Betracht, wenn diese Störungen häufig in Ihrer Familie auftritt oder wenn die Aussackung schnell wächst.

Entscheidung hängt von vielen Faktoren ab

Neben der Überwachung der Ausweitung ist eine Senkung des Blutdruckes sehr wichtig. Zusätzliche Vorsorgemaßnahmen beinhalten Gewichtskontrolle, gesunde Cholesterinwerte durch ausgewogene Ernährung und eventuelle Medikamente sowie ein sofortiger Rauch-Stop. Aerobe Übungen wie Gehen oder Radfahren gelten ebenfalls als vorteilhaft. Wenn Ihr Aneurysma größer als 5,5 cm ist, raten Experten der Mayo Clinic davon ab, schwere Gewichte (größer als 2 bis 5 kg) zu heben. Zurzeit untersuchen Forscher, ob bestimmte Wirkstoffe das Wachstum der Aussackung verlangsamen.

Aneurysmen zwischen 5 und 5,5 cm fallen in eine Grauzone, was die Notwendigkeit einer Reparatur angeht. Eine Reparatur ist vor allem ratsam, wenn Mitglieder Ihrer Familie Aneurysmen aufweisen. Typischerweise empfiehlt sich eine Reparatur aber ab einer Größe von 5,5 cm empfohlen. Die Art des Eingriffes hängt vom Alter des Patienten, seinem Gesundheitszustand, medizinischen Risikofaktoren und der Anatomie seiner Blutgefäße ab.

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