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Erythropoetin gegen Erschöpfung durch Blutarmut

Sie leiden an einer chronischen Niereninsuffizienz und verspüren neuerdings eine extreme Erschöpfung. Sie fragen sich, ob Sie nun mit einer Dialyse beginnen müssen. Doch Ihr Arzt sagt, das Problem sei ein schwerer Mangel an roten Blutkörperchen (Anämie). Außerdem betont er, dass dieser Zustand mithilfe eines speziellen Wirkstoffs behoben werden kann, der die Produktion und Reifung Ihrer roten Blutkörperchen ankurbelt.

Speziell entwickelte Medikamente, die eine solche Funktion übernehmen, sind relativ teuer. Aber ihr Einsatz kann in bestimmten Situationen äußerst effektiv sein.

Wie das Blut den Sauerstoff transportiert

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) entstehen im Knochenmark. Sie sind der Schlüssel zum Sauerstofftransport von der Lunge in die fernsten Gewebeschichten. Die Erythrozyten enthalten den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, der den Sauerstoff vorübergehend bindet, im Gewebe entlässt und das Kohlendioxid wieder abtransportiert.

Die Produktion und Reifung der roten Blutkörperchen wird durch ein natürliches Hormon namens Erythropoetin – auch Epo genannt – stimuliert. Ihre Nieren produzieren über 90% des körpereigenen Erythropoetins (einen kleinen Teil bildet die Leber). Da rote Blutkörperchen beim gesunden Menschen eine Lebensdauer von nur etwa 120 Tagen haben, müssen sie kontinuierlich neu produziert werden. Die Nieren stellen deshalb immer eine bestimmte Menge an Erythropoetin her. Diese Menge ist vom Sauerstoffgehalt des Blutes abhängig. Der Hormonspiegel unterliegt tageszeitlichen Schwankungen – mit einem Minimum am Morgen und einem Maximum gegen 24 Uhr.

Wenn Sie aus irgendeinem Grund zuwenig natürliches Epo im Blut haben, sinkt die Zahl der Erythrozyten, sodass eine schwere Anämie (Blutarmut) daraus resultieren kann. Eine Anämie verringert die Verfügbarkeit von Sauerstoff in Ihrem Körper. Die Folge ist Erschöpfung – und die kann so stark sein, dass selbst normale, tägliche Aktivitäten fast unmöglich durchzuführen sind.

Vor der Einführung von künstlich hergestelltem EPO galten Bluttransfusionen als Mittel der Wahl bei Blutarmut. Da diese Behandlung aber die Gefahr von Infektionen und Unverträglichkeitsreaktionen barg, wurde nach alternativen Therapien gesucht.

In den späten 80er Jahren wurde eine synthetische Epo-Variante entwickelt: das Epoetin. Dieses Medikament ist teuer und lässt sich spritzen. Je nach Dosierung und Verabreichungsplan kann eine Spritze viele Hundert Euro kosten. Diese Kosten werden aber meist von den Krankenkassen übernommen, wenn die allgemeinen Therapierichtlinien eingehalten werden und eine Zulassung für das Anwendungsgebiet besteht.

Verschreibungspflichtiges Epoetin ist in Deutschland erhältlich als Epoetin Alfa (Erypo®), Epoetin Beta (NeoRecormon®) und als länger wirkendes Medikament aus derselben Gruppe als Darbepoetin (Aranesp®).

Manchmal ist nur Eisenmangel die Ursache

Bei vielen Menschen beruht die Blutarmut auf einem Eisenmangel. Ausgelöst wird dieser Mangel meist durch innere Blutungen, zum Beispiel aus einem Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür. Neben der Beseitigung bzw. Behandlung der Blutungsquelle hilft in diesen Fällen keine Epo-Gabe, sondern der Zusatz von Eisenionen zur Nahrung. Eine schwere Anämie auf Grund zu geringer Epo-Produktion erfordert eine Spezialbehandlung.

Eine Anämie definiert sich durch die Hämoglobinwerte. Liegen diese bei oder unter 10 Gramm pro Deziliter (g/dl), gilt die Blutarmut als schwer. Im Vergleich dazu liegen die Normalwerte für Männer bei 13,5 g/dl und für Frauen bei 12 g/dl. Eine schwere Anämie kann mit chronischen Erkrankungen, fortgeschrittener Niereninsuffizienz, Nierenversagen, einigen Krebsarten und Chemotherapien verbunden sein.

Die Behandlung einer schweren Anämie hängt von der Ursache ab und wie gut der Patient Epoetin verträgt. Das Ziel bei der Therapie mit Epoetin ist, den Hämoglobingehalt auf nicht mehr als 12 g/dl zu erhöhen. Daher wird der Gehalt des roten Blutfarbstoffs sorgfältig überprüft, während das Medikament gegeben wird, und Dosierungen je nach Zielgröße angepasst.

Obwohl Epoetin immer wieder von Sportlern zur Leistungssteigerung eingenommen wird, ist Epoetin für diesen Zweck nicht zugelassen. Es wird von den meisten Sportorganisationen sogar als Dopingmittel eingestuft, nachdem es zu Todesfällen kam, die durch die unsachgemäße Verwendung als Leistungssteigerer und eine dadurch bedingte Überhöhung des Hämoglobingehalts verursacht wurden.

Wann Epo die Lebensqualität verbessert

Die Wirkung einer angemessenen Epoetin-Behandlung macht sich meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen bemerkbar. Die Erschöpfung geht zurück und ein allgemeines, körperliches Wohlgefühl ist häufig. Obwohl Epoetin den Bedarf an Bluttransfusionen nicht vollständig ersetzen kann, ist es eine sichere Alternative und verringert die erforderliche Häufigkeit von Bluttransfusionen. Außerdem treten bei richtiger Handhabung nur wenige Nebenwirkungen auf.

Für Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder Nierenversagen bedeutet der Einsatz von Epoetin ein verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine größere Lebenserwartung. Für Krebspatienten und solche unter Chemotherapie verändert Epoetin die Lebenserwartung nicht. Jedoch kann das Medikament die Lebensqualität entsprechend verbessern.

Chronische Krankheiten können Anämie auslösen

Infektionen, Entzündungen sowie Krebs können die Produktion der roten Blutzellen im Knochenmark stören und daher zur Anämie führen. Nierenerkrankungen oder Nierenversagen können ebenfalls eine Anämie auslösen. Die Niere produziert ein Hormon namens Erythropoetin, welches das Knochenmark zur Bildung roter Blutzellen anregt. Ein Mangel an Erythropoetin kann zu einer Verminderung der roten Blutzellen führen.

Da die Anämie bei chronischen Krankheiten im Allgemeinen leichtgradig ist und sich langsam entwickelt, ist sie meist symptomlos. Wenn Symptome auftreten, sind sie meist eher die Folge der Krankheit selbst als der Anämie.

Es gibt keine spezielle Behandlung für diese Form der Anämie. In der Regel wird die zugrunde liegende Erkrankung behandelt.

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