IN FORM: Der nationale Abspeckplan?
Dr. Regina Kalkert in Täglich Gesund
vom 5. Oktober 2009, 16:00 Uhr
GNL5356
Im Juni 2008 war es soweit: In Berlin wurde die gemeinsame Initiative IN FORM vorgestellt. Bundesgesundheitsministerin und Bundesernährungsminister ziehen an einem Strang zum Wohle der Bevölkerung. Ziel ist es, Übergewicht und ernährungsbedingte Erkrankungen bis zum Jahr 2020 deutlich zu reduzieren. Kann Ihnen solch eine Initiative helfen, z. B. Ihr Übergewicht loszuwerden?
Es geht nicht um Reglementierungen und Verbote, sondern um Anreize, Motivation und Strukturen, so sagte es damals Minister Seehofer. Und das ist dringend notwendig, denn in Deutschland sind rund 37 Millionen Erwachsene und ca. 2 Millionen Kinder übergewichtig oder sogar adipös. 1,4 Millionen meist junge Menschen leiden unter einer Essstörung, die bekannteste davon ist die Magersucht. Die Kosten, die durch die Folgekrankheiten entstehen, liegen bei etwa 70 Milliarden Euro im Jahr. Das sind Zahlen, die erschrecken und nachdenklich machen! Die Initiative will auch den demografischen Wandel berücksichtigen. Immer mehr Menschen werden immer älter. Umso wichtiger ist es, dass sie dabei gesund und fit bleiben.
Das sind die Pläne und Pro jekte des Aktionsplans IN FORM
30 Millionen Euro sollen in den nächs ten drei Jahren eingesetzt werden für eine nachhaltige Verbesserung des Bewegungs- und Ernährungsverhaltens. Dadurch eine höhere Lebensqualität und gesteigerte Leistungsfähigkeit sowohl im privaten Bereich als auch in der Freizeit erreicht werden. Die Krankheiten, die durch einen ungesunden Lebensstil entstehen, sollen dadurch deutlich zurückgehen.
Hierzu zählen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Gicht oder auch Krankheiten der Wirbelsäule und Gelenke, die durch Übergewicht und Bewegungsmangel entstehen.
Das sind einige der geplanten Maßnahmen
- In Kindertagesstätten, Schulen und Betrieben soll über einen gesunden Lebensstil aufgeklärt werden.
- Gleichzeitig soll durch einheitliche Standards die Qualität von Außer-Haus-Verpflegung, auf die immer mehr Menschen in Mensen und Kantinen angewiesen sind, erhöht werden.
- Süßwarenwerbung soll eingeschränkt werden und sich nicht mehr direkt an Kinder richten.
- Die Modebranche soll davon überzeugt werden, auf dünne Models zu verzichten.
- Für den PC, das Lieblingsspielzeug Nummer 1, sollen bewegungsfördernde Computerspiele entwickelt werden.
- In den Schulen läuft das Pilotprojekt ,,Schulobstprogramm" an.
- Bereits angelaufene Projekte sollen weiterentwickelt werden: ,,Tut mir gut" für Kinder, ,,Gut drauf" für Jugendliche, ,,Gesundes Alter" für die Senioren oder auch die Initiative ,,Leben hat Gewicht" zum Thema Ess störungen.
- Kompetenzzentren für Bewegungsförderung sollen erprobt werden.
Sie werden kritisch einwenden: Pläne über Pläne, aber sind da nicht auch viele Alibimaßnahmen dabei? Klingt das nicht nach Augenwischerei? Broschüren, Konferenzen, Arbeitsgruppen? Wo sind die wirksamen Maßnahmen? Wo sind staatliche Aktivitäten und gesetzliche Vorgaben? Wo ist etwa das Verbot der Werbung für alkoholische Getränke? Warum gibt es nicht bald das Fach ,,Ernährung" in unseren Schulen? Der Aktionsplan erscheint Ihnen zu Recht unverbindlich und wenig konkret.
Aber: Das ist der positive Effekt von IN FORM
Endlich ist auch von politischer Seite erkannt worden, dass bezüglich Lebensstil und Ernährung eine Trendwende in Deutschland notwendig ist. Das ist auch aufgrund der demografischen Entwicklung äußerst wichtig. Wir werden immer dicker und unbeweglicher und wir werden immer ,,ungesünder". Je häufiger dieses Thema in die Medien kommt und je häufiger solche Aktionen gestartet werden, umso größer ist die Chance, dass irgendwann auch der Letzte begreift, dass die Zeiten von Pommes, Bratwurst und Bier vorbei sein sollten.
Starten Sie Ihre private Gesundheitskampagne
Sie sehen: Auf konkrete Maßnahmen von Seiten der Politik muss man weiterhin warten. Vertun Sie aber keine wertvolle Zeit: Bringen Sie sich selbst IN FORM! Fast jeder Zweite in Deutschland trägt zu viel Gewicht mit sich herum. Wenn auch Sie dazugehören, lesen Sie die folgenden Tipps aufmerksam durch. Es sind alltagstaugliche Tipps, um wieder ein gesundes Essverhalten zu erlernen und dadurch Gewicht zu reduzieren.
- Essen Sie nur zu festen Zeiten, dann aber mit Genuss. Wer nach dem Essen gerne noch nascht, sollte sich einfach die Zähne putzen. Der frische Geschmack im Mund bremst jedes Verlangen auf etwas Süßes.
- Essen Sie sich satt zu den Hauptmahlzeiten. Bevorzugen Sie Nahrungsmittel, die gut sättigen, aber nicht so viele Kalorien haben, wie z. B. Vollkornprodukte oder mageres Fleisch. Versuchen Sie wieder, Ihr natürliches Sättigungsgefühl zurückzubekommen nach Jahren der Überernährung.
- Essen Sie bewusst und langsam. Dann essen Sie automatisch weniger und merken schneller, wenn Sie satt sind.
- Gehen Sie niemals hungrig einkaufen. So mancher Einkaufswagen ist nur deshalb so voll, weil sein Besitzer mit großem Hunger durch die Gänge des Supermarktes eilt. Ist das Nahrungsmittel dann einmal im Kühlschrank angekommen, wird es auch gegessen.
- Versuchen Sie nicht, sich etwas völlig zu verbieten. Je radikaler Sie sich eine ,,ungesunde Lieblingsspeise" vorenthalten, umso größer wird das Verlangen danach bis Sie schließlich nachgeben und dann hemmungslos naschen. Gönnen Sie sich lieber, gewissermaßen als Belohnung, gelegentlich eine kleine Sünde.
- Ändern Sie ungesunde Gewohnheiten. Muss die Butter fingerdick unter den fetten Käse geschmiert werden? Müssen zwei Stück Zucker in eine Tasse Kaffee und zu jedem Kuchen noch Sahne? Oder schmeckt es auch anders? Überlegen Sie, wo sich solche Gewohnheiten eingeschlichen haben, und wo Sie sie ändern können.
- Kombinieren Sie Diät mit Sport, dann gelingt das Abnehmen leichter. Für den absoluten Bewegungsmuffel reichen hier schon regelmäßige Spaziergänge.
- Setzen Sie sich realistische Ziele. ,,In zwei Wochen zur Bikinifigur!" gehört nicht dazu. Wer auf zu viel verzichten muss, hält oft nicht lange durch. Außerdem stellt sich dann der berühmte Jo-Jo-Effekt sehr schnell ein, d. h., Sie haben die Pfunde genauso schnell wieder auf Ihren Hüften, wie Sie sie abgenommen haben.
Fazit: Die Bundesregierung setzt bei ihrem Aktionsplan auf freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft, das wird nicht funktionieren! Setzen Sie lieber auf sich, aktivieren Sie Ihr Potenzial, registrieren Sie Ihre Defizite in Bezug auf Körpergewicht und Bewegungsmangel, und werden Sie selbst aktiv im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür braucht man keine Arbeitsgruppe und auch keine Broschüre!
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Horst Küver (05.10. 2009 18:06 Uhr):
Man kann ruhig viel gute Butter und Sahne essen, denn gutes Fett macht nicht fett, das lernen die Ärzte eigentlich schon im ersten Semester. Dafür sollte man lieber darauf achten, dass der Kuchen mit Vollkornmehl gebacken ist.
Antworten - Kommentar von Gertrud Meininger (05.10. 2009 18:54 Uhr):
Mit Interesse lese ich gern alle Gewichtreduzierungs-Programme und die dazu gegebenen guten Ratschläge. Leider wird immer nur darauf hingewiesen, dass man durch eigene Initiative und Disziplin das Gewicht nach Belieben reduzieren kann. Leider ist das in vielen Fällen nicht so. Trotz Bewegung, Sport, Spaziergänge an der frischen Luft, diszipliniertem Essen, keine Süßigkeiten usw. viel Gemüse und Obst, natürlichem Kochen nehme ich nicht ab. Die guten Ratschläge nützen mir nichts. Ich suche eine vernünftige Lösung. Was kann ich tun? G. Meininger
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