Ihre Bio-Uhr ist ziemlich genau eingestellt
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 24.01.2008 06:00 Uhr
GNL5356
Wenn Sie sich einmal genau beobachten, werden Sie merken, dass Ihr Körper seinen eigenen Rhythmus hat, der nicht immer mit dem übereinstimmt, was Sie ihm aufzwingen wollen. An einen anderen Rhythmus gewöhnt er sich nur widerwillig. Das wird besonders an Wochenenden oder in den Ferien deutlich, wenn Sie zur gewohnten Zeit aufwachen, obwohl Sie eigentlich länger schlafen könnten.
Besonders zu schaffen macht die Biouhr all jenen, die nachts oder im Schichtdienst arbeiten müssen: Ärzten, Krankenschwestern, Fabrikarbeitern, Taxifahrern, Piloten und Stewardessen etwa. Ihre Arbeitszeiten wechseln so oft, dass sie keinen festen Rhythmus mehr haben. Das ist Super-Stress für Ihre innere Uhr, die dadurch völlig aus dem Takt gerät. Langfristig führt es dazu, dass sich die Betroffenen ständig müde oder überdreht fühlen, dass sie nervös sind und nicht schlafen können, dass sie Magenprobleme oder Menstruationsstörungen bekommen. Bei besonders empfindlichen Menschen können sich sogar Herz-Rhythmus-Störungen einstellen.
Ihre Bio-Uhr hat keinen zufälligen, sondern einen ganz ausgeklügelten Tages- und Nacht-Rhythmus. Ihre Leistungskurve verläuft, das haben Chronobiologen (also die Wissenschaftler, die sich mit unseren inneren Abläufen beschäftigen) herausgefunden, bei allen Menschen in etwa nach dem gleichen Rhythmus ab – auch wenn die Uhr nicht bei allen Menschen auf die Sekunde genau tickt:
- Nach der nächtlichen Ruhepause beginnt der Körper am frühen Morgen zu arbeiten. Das Herz schlägt wieder kräftiger, das Blut fließt schneller.
- Gegen zehn Uhr morgens ist das erste Tief erreicht – laut Statistik passieren um diese Zeit die meisten Arbeitsunfälle.
- Nach dem Mittagessen gegen 14 Uhr braucht der Körper wieder eine Pause. Zehn Minuten Mittagsschlaf reichen schon aus, um Sie zu erfrischen.
- Am Abend und in der Nacht arbeiten alle Organe im Körper – mit Ausnahme der Leber – mit halber Kraft, um sich auszuruhen und für den nächsten Tag mit neuer Energie aufzutanken.
- Der nächtliche Tiefpunkt stellt sich etwa gegen drei Uhr nachts ein. Aufmerksamkeit und Konzentration sind schlafen gegangen. Nachtarbeiter machen jetzt die meisten Fehler. Das Risiko für Verletzungen und Unfälle steigt.
Für alles gibt es eine richtige Zeit
Die innere Uhr tickt nicht genau 24 Stunden wie unsere äußeren Uhren, sondern etwa 25 Stunden. Erst durch äußere Einflüsse wird sie auf die 24 Stunden eingestimmt. Der wichtigste äußere Taktgeber ist das Tageslicht, dem Ihre Tages- und Nachtphasen folgen. Die innere Uhr richtet sich aber auch nach der eigenen sozialen Umgebung, nach persönlichen Gewohnheiten, den Beziehungen zu anderen Menschen. Wir spüren einfach, wann Feierabend ist, wann Zeit zu arbeiten, zum gemeinsamen Essen, für den Partner, die Familie, die Freunde und das Hobby. Darauf stimmen wir unsere eigenen Bedürfnisse und äußeren Zeitläufe ab.
Ideal und am besten für Ihre Gesundheit ist es, wenn der innere und der äußere Tagesrhythmus möglichst deckungsgleich sind. Denn dann können Sie Ihr Leben leben, ohne ständig gegen die innere Uhr kämpfen zu müssen. Wer seinen Rhythmus missachtet, riskiert langfristig Störungen der Gesundheit sowie seelische Verstimmung bis hin zur Depression.
Unsere Schulmediziner nehmen die Bio-Uhr in der Regel leider gar nicht zur Kenntnis
Was aber besonders wichtig wäre, da Diagnosen zu unterschiedlichen Tageszeiten ebenso verschieden ausfallen können wie das Schmerzempfinden unterschiedlich ausgeprägt ist oder Medikamente zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich wirken.
Nehmen Sie Medikamente zur richtigen Tageszeit ein, können sie wesentlich effektiver und teils mit kleineren Mengen heilen. Allein bei Asthmapatienten, die mit Kortison behandelt werden, lässt sich die Dosis auf sieben Achtel reduzieren, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt eingenommen werden. Abends arbeiten die Lungen auf Hochtouren, jetzt wirken hier Medikamente besonders gut. Aspirin soll abends am besten wirken. Allergiker brauchen zur Nacht eine höhere Dosis ihrer Medikamente als tagsüber. Durch das zeitgenaue Einnehmen von Medikamenten ließen sich infolgedessen auch die möglichen Nebenwirkungen reduzieren.