Ihr Gehirn kann normal laute Geräusche nicht mehr leise “stellen”
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 13. August 2010, 06:00 Uhr
GNL5356
Bei einer Hyperakussis kommt es zu einem fehlenden Lautheitsausgleich, dem so genannten Recruitment. Leises wird nicht mehr gut verstanden, Lautes nicht mehr genügend abgeschwächt. Allein medizinisch lässt sich die Hyperakussis nicht behandeln. Denn entscheidend ist, was das Gehirn aus den Geräuschen macht: Ebenso wie beim Tinnitus sitzt das Problem im limbischen System, dem Gefühlszentrum des Gehirns. Es bewertet die Geräusche negativ und verhindert so, dass sie einfach überhört werden. Das macht das Gehirn nämlich normalerweise, indem es aus den Geräuschen, die auf uns einströmen, die für uns wichtigen herauspickt und die anderen herunterfährt, so dass sie uns zum Teil gar nicht bewusst werden. Das Gehirn ignoriert sie einfach. Bei Hyperakussis funktioniert das nicht. Deshalb müssen die Betroffenen wieder lernen, mit den normalen Geräuschen zu leben. Sie sollen ihren natürlichen Geräuschfilter im Gehirn wieder aktivieren.
Der Übergang von einzelnen Geräuschen, die jemand als unangenehm empfindet, zu einer dauerhaften Beeinträchtigung ist fließend. HNO-Facharzt und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Naturheilbundes Dr. Karl-Heinz Friese: "Krankhaft wird es dann, wenn das ganze Leben darauf ausgerichtet ist. Hierzu zählt, dass man ständig Watte im Ohr trägt, gegen Nachbarn wegen Lärmbelästigung prozessiert, keine Kinder duldet, weil diese schreien oder zu Hause bleibt, um den Straßenlärm zu umgehen."