Hyposensibilisierung: Schlagen Sie mit der SLIT-Therapie der Allergie ein Schnippchen
Dr. Michael Spitzbart in Täglich Gesund
vom 18.03.2008 16:00 Uhr
GNL5356
Schon seit 15 Jahren gibt es eine wirkliche Alternative zur Desensibilisierung: die so genannte SLITTherapie. SLIT steht für Sublinguale Immun Therapie – eine Hyposensibilisierung in Tropfenform. Sie haben noch nie etwas von dieser Art der Behandlung gehört? Und das, obwohl Sie als Allergiker Ihren Arzt immer wieder fragen, ob es nicht neue Behandlungsmöglichkeiten gibt? Das ist kein Wunder. Denn erst jetzt gewinnt diese Therapie wirklich an Bedeutung, weil die ersten Langzeitstudien über 10 Jahre abgeschlossen sind – und das mit sehr gutem Ergebnis. Heute wissen wir, dass die Häufigkeit von Asthma- und Allergieanfällen auch 10 Jahre nach einer Behandlung mit der SLIT-Therapie deutlich geringer ist und sich die Methode damit als wirklich langfristig effektiv erwiesen hat.
Mit nur einigen Tropfen gegen die Allergie
Eine SLIT-Therapie bietet sich bei unterschiedlichen Allergien an. Sie ist möglich bei
- Heuschnupfen,
- Hausstaub- und
- Tierallergien.
Wenn Sie sich entscheiden, eine SLIT-Therapie zu machen, wird bei Ihnen noch einmal ein ganz genauer Allergie-Test durchgeführt. Aus diesem Test, aber auch aus Ihrer persönlichen Erfahrung kann Ihr Allergologe ableiten, auf welche Allergene Sie besonders stark reagieren.
Anhand dieser Informationen stellt er Ihnen eine Allergenlösung zusammen. Ein bis drei Allergene können auf diese Art behandelt werden. Sie bekommen eine Tropf-Flasche mit der Allergen-Lösung mit nach Hause. Drei Jahre lang tropfen Sie sich nun dreimal pro Woche die Allergenlösung unter die Zunge – die Dauer der Therapie ist also vergleichbar mit der einer klassischen Desensibilisierung. Nach Abschluss dieser Therapie haben Sie große Chancen, immun gegen die Allergie- Erreger zu sein.
Einfach in der Durchführung – das ist der große Vorteil
Der Vorteil der SLIT liegt darin, dass sie so einfach anzuwenden ist. Es macht schon einen Unterschied, ob Sie sich 3 Jahre lang im Rahmen einer Desensibilisierung für einen zweifelhaften Erfolg Spritzen geben lassen, oder ob Sie einfach nach dem Zähneputzen noch ein paar Tropfen nehmen. Und gerade wenn Sie eine Phobie vor Spritzen haben, aber auch für Kinder ist diese Therapie sehr gut geeignet.
So wirkt die SLIT-Therapie
Wissenschaftler der Universität Bonn konnten nachweisen, dass die Immunsystem-Zellen, die sich in der Mundschleimhaut befinden, eine schwächere Reaktion auf Allergene zeigen und daher eine nicht so große Abwehrreaktion ausgelöst wird. Treffen Allergene auf die Zellen in der Mundschleimhaut, wird das Immunsystem nicht sofort alarmiert. Vielmehr werden bestimmte Botenstoffe ausgeschüttet, das Interleukin-10 und der Tumornekrosefaktor-beta. Diese beiden Stoffe verhindern, dass im Körper große Mengen des IgE ausgeschüttet werden – allergische Reaktionen können so nicht stattfinden.
Da bei der SLIT die Allergene über die Mundschleimhaut in den Körper gelangen, wird das Immunsystem quasi sanft abgehärtet – nach und nach schwächen sich die allergischen Reaktionen auch bei Aufnahme der Allergene über die Nasenschleimhaut ab.
Nebenwirkungen? Fehlanzeige!
Die SLIT-Therapie erwies sich in den Langzeitstudien der letzten 10 Jahre als äußerst nebenwirkungsarm. Bei nur wenigen Patienten kam es zu einem leichten Jucken während der Einnahme der Tropfen, ansonsten klagte keiner über Beschwerden. Und die SLIT hat noch einen Vorteil gegenüber der klassischen Desensibilisierung: Werden Ihnen Spritzen verabreicht, kann es zu allergischen Schocks kommen. Aus diesem Grund wird heute mit einer sehr geringen Menge des Allergens angefangen; die Dosis, die gespritzt wird, wird dann nach und nach vergrößert. Dies muss in einem sehr strengen Zeitrahmen passieren – deshalb dürfen auch die Pausen zwischen den einzelnen Spritzen nicht zu groß sein. Bei der SLIT ist das nicht nötig. Auch wenn der Wirkstoff gleich bei der ersten Einnahme schon hoch dosiert ist, kommt es nicht zu Komplikationen.