Hühnereier: Ihr Osterei trägt nun einen Stempel, doch das Huhn bleibt weiter abgestempelt
Täglich Gesund
vom 15.03.2005 16:00 Uhr
GNL5356
Mittlerweile steht auf jedem Hühnerei, woher es stammt. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sich die Lebensbedingungen für die Legehennen verbessert haben. Worauf Sie beim Eierkauf achten sollten, wenn Sie Eier von "glücklichen" Hühnern essen wollen.
Der verbindliche Eierstempel sagt Ihnen, ob Sie das Ei eines frei laufenden Huhnes in der Hand halten oder das einer armen Käfighenne. Wie die Tiere gehalten werden, erfahren Sie durch eine Ziffer auf dem Ei:
- 0 = Bio-Huhn
- 1 = Freiland
- 2 = Bodenhaltung
- 3 = Käfighuhn
Der Stempel weist auch aus, in welchem Land ("de" steht für Deutschland beispielsweise) und in welchem Stall das Ei gelegt wurde. Mit diesem Code können Sie wenig anfangen, er ist für die Lebensmittelkontrolleure gedacht. Der Stempel kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Legehennen in Deutschland nach wie vor arme Schweine sind. Etwa 34 Millionen Hühner leben derzeit noch unter den oft angeprangerten Bedingungen in Käfigen. Wenn es nach ihren Haltern geht, soll dies auch so bleiben. Die Zeitschrift "natur & kosmos" berichtet über eine Studie, mit der die "Hühnerbarone" beweisen wollen, wie gut es dem Kleinvieh in den Legebatterien doch geht. Sie seien dort am besten aufgehoben, sicher vor ihren eigenen kannibalistischen Umtrieben und der feindlichen Umwelt. Draußen in ihrer natürlichen Umgebung seien sie dem Wetter ausgesetzt und liefen Gefahr, wilden Tieren zu begegnen. Diese Studienergebnisse wurden sogleich heftig angegriffen. Die Testhühner seien allesamt Turbohühner gewesen – bekannt für ihre Nervosität, Aggressivität und Kränklichkeit – und damit wahrscheinlich seit Hühnergenerationen reine Käfigtiere. Diese armen Wesen seien so verhaltensgestört und krankheitsanfällig, dass sie in einer natürlichen Umgebung ohnehin niemals zurecht kämen.
Eier von "glücklichen" Hühnern stammen meist aus dem Ausland
Von 2007 an sollen Legebatterien in Deutschland verboten sein. Damit soll nicht nur der Tierschutz gewährleistet, sondern auch die gesundheitliche Unbedenklichkeit und geschmackliche Qualität der Hühnereier verbessert werden. Dieser Entscheidung hatte der Bundesrat bereits vor mehr als 2 Jahren zugestimmt. Doch inzwischen haben sich die Mehrheiten im Bundesrat geändert und das Gezerre um die Käfigkreatur hat erneut begonnen. Der Ausgang ist ungewiss, auch wenn Ministerin Künast weiterhin das Aus für die Legebatterien durchsetzen möchte und uns als Verbrauchern das nur recht sein kann.
In der Schweiz sind die Legehühner bereits seit 12 Jahren glücklicher dran. Damals wurde bei den Eidgenossen die Käfighaltung zugunsten von Volièren oder Freilaufgehegen abgeschafft. Mit großem Erfolg, wie "natur & kosmos" berichtet: Die Schweizer Konsumenten essen fast nur noch Eier von Volièren- oder Freilandhühnern. Importierte Käfigeier haben bei ihnen keine Chance mehr. Die Hühner entwickeln sich draußen besser und gesünder.Wenn sie laufen, flattern, hüpfen, scharren und im Sand baden können, haben sie ein stabileres Immunsystem, festere Knochen und keine Käfigerkrankungen wie beispielsweise eine Fettleber. Können sie ihre Eier dann auch noch in ordentliche Nester legen, wie es sich für ein anständiges Huhn gehört, danken sie es sogar mit einer höheren Legeleistung. Eier von Volièren-Hühnern sind kaum teurer als Käfigeier, denn diese Volièren sind sogar für eine tierfreundlichere Massenhaltung geeignet. Allerdings müssen sich die Hühnerhalter mit diesen Hühnern besser auskennen und ihnen mehr Zeit widmen. Die meisten deutschen Verbraucher haben sich inzwischen ebenfalls für frei gelegte Frühstückseier entschieden. Doch stammen diese meist aus anderen Ländern wie den Niederlanden, Dänemark, Frankreich oder Österreich. Hiesige Käfigeier landen meist als Flüssigei in der Lebensmittelindustrie und kommen in fertigen Nahrungsmitteln auf den Tisch.
Was ist am Hühnerei so wertvoll?
Ein Ei enthält:
- biologisch wertvolles Eiweiß, das sehr gut verdaulich ist – der menschliche Körper kann dieses Eiweiß zu fast 100 Prozent verwerten. Der Eiweißgehalt ist im Eigelb höher als im Eiklar.
- Fett, das im Eiklar nur in Spuren, im Eidotter dagegen reichlich vorhanden ist.
- die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Vitamin A ist das wichtigste Vitamin im Ei. Es sorgt dafür, dass Ihr Auge elastisch bleibt, sich die Iris gut an Helligkeit und Dunkelheit anpasst und Sie nachts etwas sehen können.
- die wasserlöslichen B-Vitamine. Vitamin B1 wird im Kohlenhydratstoffwechsel benötigt und ist wichtig für unsere Nervenzellen. Vitamin B2 wirkt unter anderem im Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel und ist wichtig für die Zellatmung.
- die Mineralstoffe Kalzium, Phosphor und Eisen im Eigelb, Natrium und Kalium im Eiklar.
- Cholesterin, das sich ausschließlich im Eigelb befindet.
Wie viele Eier pro Woche sind empfehlenswert?
Hühnereier sind wegen ihres Cholesteringehalts in Verruf geraten. Doch Cholesterin erfüllt wichtige Aufgaben im Organismus:
- als Baustein jeder Körperzelle,
- als Basis für die Bildung von Hormonen und Vitamin D,
- als Grundstoff für die Gallensäuren, die wir für die Fettverdauung brauchen.
Der Körper bildet selbst Cholesterin und ist nicht unbedingt auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen. Der Cholesterinspiegel im Blut wird beim gesunden Menschen durch einen besonderen Mechanismus reguliert. Dieser sorgt dafür, dass der Cholesterinspiegel unabhängig von der Aufnahme von Cholesterin gleich bleibt. Gesunde Menschen dürfen durchaus auch mehr Eier verspeisen. Bei manchen Menschen funktioniert dieser Mechanismus jedoch nicht, was unterschiedliche Ursachen haben kann. Die Folge kann ein erhöhter Cholesterinspiegel sein. Ein zu hoher Cholesterinspiegel gilt als Risikofaktor für die Arteriosklerose. Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte die tägliche Zufuhr 300 mg Cholesterin nicht überschreiten. Ein Hühnerei der Größe M enthält 230 mg Cholesterin. Man sagt deshalb, 3 Eier pro Woche seien in Ordnung. Aber auch ein Ei am Tag ist für Gesunde vertretbar. Allerdings sollten hierbei auch "versteckte" Eier in Kuchen, Nudeln und Desserts mitgezählt werden.
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