Heilen mit natürlichen Stoffen: Alternative zur Schulmedizin
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Suchen sie manchmal einen Ersatz für chemisch hergestellte Medikamente? Vielleicht sind Sie schon einmal auf diese Weise behandelt worden, ohne es zu wissen: Homöopathische Arzneimittel sind mittlerweile eine weit verbreitete Alternative zur Schulmedizin.
Eine repräsentative Umfrage des Marplan-Institutes stellte schon 1995 fest, dass 72 % aller Bundesbürger etwas von homöopathischen Arzneimitteln halten. Dieses Patienteninteresse schlägt sich auch im Verhalten der Therapeuten nieder. Eine von der „Ärztlichen Allgemeinen“ in Auftrag gegebene Umfrage unter Allgemeinärzten und Internisten ergab, dass 76,9 % dieser Ärzte homöopathische Mittel „sehr oft, oft, oder gelegentlich“ verschreiben.
Dabei stehen besonders einfache Alltagskrankheiten im Vordergrund; denn homöopathische Arzneimittel eignen sich besonders gut bei Erkältungen, rheumatischen Erkrankungen, Erschöpfungs- und Unruhezuständen.
Der Begriff „Homöopathie“ stammt aus der griechischen Sprache und bedeutet „ähnliches Leiden“. Damit ist gemeint, dass in der Homöopathie eine Erkrankung mit einer kleinen Menge eines Naturstoffs behandelt wird, die am gesunden Menschen, in größerer Dosis verabreicht, zu ähnlichen Symptomen führen würde für eine bestimmte Erkrankung charakteristisch sind. Diese sogenannte „Ähnlichkeitsregel“ (lat. Similia similibus curentur) bildet eines der drei Grundprinzipien der Homöopathie.
Natürliche Stoffe, extrem potenziert
Homöopathische Arzneimittel basieren auf natürlichen Stoffen in extremer Verdünnung (Potenzen) und kommen dadurch dem wachsenden Widerwillen vieler Patienten gegenüber chemischen Präparaten entgegen. Die Therapie selbst wird als nicht bedrohlich empfunden und verkörpert daher in geradezu idealer Weise eine „sanfte“ Arznei. Die wichtigsten Merkmale der Homöopathie sind die gezielte Arzneimittelwahl mit Hilfe der Ähnlichkeitsregel, die sich nach individuellen Krankheitszeichen und Persönlichkeitsmerkmalen des Patienten richtet, sowie die Verwendung der Arzneimittel in potenzierter Form.
Das Ähnlichkeitsprinzip als Grundlage
Als Geburtsjahr der Homöopathie gilt das Jahr 1796. Damals formulierte der Arzt, Chemiker und Apotheker Samuel Hahnemann (1755-1843) das Ähnlichkeitsprinzip. Er ging der Sache auf den Grund, arbeitete das Ähnlichkeitsprinzip grundlegend aus, erprobte es klinisch, praktizierte es und veröffentlichte es schließlich 1810 in seinem „Organon der Heilkunst“, das bis heute ein Standardwerk für homöopathisch arbeitende Therapeuten geblieben ist. Nun, mehr als 200 Jahre später, gewinnt die Homöopathie weltweit kontinuierlich an Bedeutung und findet immer mehr Anhänger.
Hahnemann selbst war übrigens der Meinung, dass nicht die Materie, sondern eine „geistartige“ Wirkung der Arznei am Werke ist. Die natürliche Krankheit wird also gleichsam von einer künstlichen – ähnlichen – Krankheit überlagert, wodurch die Selbstheilungskräfte des Organismus motiviert werden.
Bei richtiger Arzneimittelwahl stellte Hahnemann häufig zuerst eine Verschlechterung der Krankheitssymptomatik fest, ehe die angestrebte Heilung eintrat. Um diese so genannte Erstreaktion, auch Erstverschlimmerung genannt, so gering wie möglich zu halten, verringerte er die Dosen seiner homöopathischen Arzneimittel bei flüssigen Stoffen durch stufenweises Verschütteln mit Alkohol im Verhältnis 1:100 oder durch Verreibung mit Milchzucker im gleichen Verhältnis bei festen Substanzen.
Zu seiner großen Überraschung nahm die Wirksamkeit der Arzneimittel mit zunehmender Verdünnung noch zu. Daher bezeichnete er diese später als Potenzen (lat. potentia = Kraft).
Homöopathie ist aktive Selbstheilung für Ihren Körper
Die Homöopathie geht davon aus, dass Krankheitssymptome nicht die Krankheit selbst sind, sondern Reaktionen auf Störursachen, die zeigen, dass der Körper selbsttätig wieder das Gleichgewicht herstellen will. Die Homöopathie versucht also nicht, die Symptome zu unterdrücken, sondern die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Homöopathie ist somit aktive Hilfe zur Selbsthilfe des Körpers.
Homöopathie kann überall dort wirken, wo die körpereigene Regulation noch erhalten ist und damit grundsätzlich eine Möglichkeit zur Selbstheilung besteht.
Einschränkend aber gilt, dass sich eine homöopathische Therapie dann verbietet, wenn ein operativer oder intensivmedizinischer Eingriff notwendig ist. Das gleiche gilt auch für einen Zusammenbruch der körpereigenen Regulation, wie beispielsweise bei einem Nierenversagen, bei dem eine Dialyse (Blutwäsche) angezeigt ist.
So untersucht Sie ein hömoöpathischer Therapeut
In der Homöopathie gibt es nicht „die Krankheit“, sondern immer nur den „kranken Menschen“. Daher ist es grundlegend, ein Gesamtbild des kranken Menschen zu erhalten. An erster Stelle steht immer eine ausführliche Befragung des Patienten, die Erstanamnese. In der Homöopathie sind besonders die Symptome wertvoll, die gerade diesen Patienten von allen anderen mit der gleichen Krankheit unterscheiden und die damit seine Individualität betonen. Die Symptome müssen nicht unbedingt typisch für diese Krankheit sein.
Der homöopathische Therapeut fragt besonders intensiv nach psychischen Symptomen des Patienten. Bei den körperlichen Symptomen ist vor allen Dingen die Qualität interessant, wie z. B. ob es sich um einen stechenden, hämmernden oder klopfenden Schmerz handelt. Auch die Reaktionen auf Umwelteinflüsse sind wichtig und zeigen individuelle Besonderheiten des Patienten: tritt eine Verbesserung oder Verschlechterung der Krankheit eher durch Ruhe oder durch Bewegung ein, wie wirken sich Kälte bzw. Wärme aus, haben Berührung und Druck einen Einfluss?
Wichtige Faktoren in der Homöopathie sind auch die Auslöser einer Erkrankung, also solche Ereignisse, die dem späteren Krankheitszustand unmittelbar vorausgingen. Dabei kann es sich um Stürze, Gehirnerschütterungen, körperliche Anstrengungen, aber auch um Demütigungen, Ärger, Trauer usw. handeln.
Abgefragt werden außerdem sogenannte Allgemeinsymptome wie z. B. das Schlafverhalten, Vorliebe oder Abneigung für bestimmte Speisen, Träume, Sexualverhalten usw.
Auf diese Art und Weise gewinnt der homöopathische Therapeut das Bild eines individuellen Patienten; der Schulmediziner ist hingegen in erster Linie am Bild der Erkrankung interessiert.
Jeder Patient wird individuell behandelt
Um festzustellen, welche Beschwerden und Krankheiten ein Arzneimittel erzeugen und damit auch heilen kann, werden die homöopathischen Arzneimittel an gesunden Menschen geprüft. Die Ergebnisse werden zusammen mit toxikologischen und klinischen Beobachtungen geordnet und veröffentlicht. So entstehen die sogenannten „Arzneimittelbilder“, eine umfassende Beschreibung der Wirkung jedes einzelnen Arzneimittels, fast wie ein „Steckbrief“.
Das individuelle Krankheitsbild des Patienten wird nun mit den dokumentierten Arzneimitteln verglichen, um das Mittel zu finden, das einen möglichst ähnlichen Krankheitszustand erzeugen kann. Eine homöopathische Behandlung kann für den Therapeuten sehr zeitintensiv sein und ein umfangreiches Literaturstudium für jeden einzelnen Patienten erfordern. Oft werden daher Hilfsmittel wie ein Symptomenverzeichnis (Repertorium) benutzt.
Heilen mit Einzel- und Komplexmitteln
Bei den homöopathischen Arzneimitteln unterscheidet man zwischen den mehr als tausend so genannten Ein-Wirkstoff-Präparaten, den „Einzelmitteln“, und den Komplexmitteln. Komplexmittel sind harmonisch aufeinander abgestimmte Präparate, die mehrere bei einem Anwendungsgebiet wirksame Einzelmittel enthalten. Homöopathische Komplexmittel werden meist als Tropfen oder Tabletten in der Apotheke angeboten.
Komplexmittel können die häufig zeitraubende Untersuchung des Patienten abkürzen und die im Einzelfall komplizierte Mittelwahl vereinfachen. Sie orientieren sich, ähnlich wie in der sogenannten Schulmedizin mehr an der Diagnose und dem allgemeinen Krankheitsbild, wirken aber nicht schlechter als Einzelmittel.