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Was Sie gegen krankheits- und altersbedingte Schwerhörigkeit tun können

von Dr. Dietmar Kowertz, Chefredakteur von „Benefit“, dem exklusiven Ratgeber für Ihr Geld, Ihre Gesundheit und Ihren Erfolg

Wundert sich Ihr Partner, weshalb Sie den Fernseher neuerdings immer so laut stellen? Fragen Sie sich, weshalb Ihre Tochter am Telefon in letzter Zeit immer so leise spricht? Vielleicht liegt’s ja an Ihrer nachlassenden Hörleistung. Jeder Dritte über 60 und 40 bis 60 Prozent aller über 75-Jährigen sind davon betroffen. Aber was sind die Ursachen, Diagnosemethoden und Therapieformen der Schwerhörigkeit? Das wollte ich von Professor Suman Golla wissen, einem Spezialisten auf dem Gebiet der Ohrenheilkunde.

Was kann Schwerhörigkeit verursachen?

Prof. Golla: Schwerhörigkeit kann von Schäden am äußeren, mittleren und inneren Ohr verursacht werden. Ursachen können überstandene schwere oder häufige Erkrankungen der Gehörgänge sein, aber auch Verletzungen, Lärmschädigungen, Nebenwirkungen von Arzneimitteln, Tinnitus, Erkrankungen des Immunsystems oder des Stoffwechsels und Krebs sein. Nicht zuletzt kann Schwerhörigkeit altersbedingt sein, denn wie alle Zellen des Organismus degenerieren auch die Zellen und Nerven unseres Hörsystems.

Welche Faktoren steigern das Risiko einer altersbedingten Schwerhörigkeit?

Prof. Golla: Das können die bereits erwähnten Vorerkrankungen sein, aber auch Otosklerosis, eine Stoffwechselkrankheit, die die Gehörknöchelchen verkalken und somit versteifen lässt, oder die Ménière-Krankheit, die mit plötzlichem Drehschwindel und Erbrechen einhergeht und durch einen Stau von Gewebsflüssigkeit im Innenohr ausgelöst wird, oder eine chronisch gewordene Mittelohrentzündung. Daneben spielen der genetische Hintergrund sowie der allgemeine Gesundheitszustand eine Rolle. Neuere Studien zeigen, dass neben Diabetes auch hoher Blutdruck dafür verantwortlich sein kann.

Gibt es Medikamente, die dafür bekannt sind, dass sie als Nebenwirkung Schwerhörigkeit auslösen können?

Prof. Golla: Ja, in Verdacht stehen eine bestimmte Sorte Antibiotika, die Aminoglycoside (z.B. Gentamicin), sowie ein Chemotherapeutikum namens Cisplatin.

Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es?

Prof. Golla: Wenn Sie Ihren Ohrenarzt aufsuchen, wird er zunächst Ihre Ohrmuschel, den äußeren und inneren Anteil Ihres Gehörgangs sowie das Trommelfell inspizieren. So stellt er sicher, dass keine Fremdkörper oder Entzündungen die Ursache sind. In einer speziellen Kabine wird er ein Audiogramm erstellen, d.h., mithilfe verschieden lauter Töne unterschiedlicher Tonhöhe wird er feststellen, ab welcher Lautstärke und bei welchen Frequenzen Ihr Gehör streikt. Ein Worterkennungstest kann sich anschließen, mit dem gemessen wird, welche Wörter, die Ihnen vorgespielt werden, sie nicht nur hören, sondern auch tatsächlich verstehen. Denn wenn die Nerven, die die Schallwellen in Informationen umsetzen, geschädigt sind, können Sie zwar hören, aber bei der Weiterleitung werden diese Informationen durcheinander gebracht bzw. verstümmelt.

Wie wird der Hörverlust gemessen?

Prof. Golla: Wie die Lautstärke in Dezibel (dB). Ein Patient, der erst ab 70 Dezibel (entspricht einer lauten Unterhaltung) etwas hört, ist schwer hörgeschädigt, jemand, der noch 20 dB (entspricht Flüstern) wahrnimmt, hat nur geringe Hörschäden.

Kann Ohrenschmalz eine Rolle spielen?

Prof. Golla: Ohrenschmalz kann, wenn es mit zunehmendem Alter immer zäher wird, einen regelrechten Pfropfen im Ohr bilden und so den Hörkanal verstopfen. Der Wachspfropfen kann vom Arzt leicht entfernt werden, z.B. mit einem kleinen Sauggerät oder durch Ausspülen mit warmem Wasser.

Soll man, um diesen Wachspfropfen zu verhindern, seine Ohren regelmäßig mit einem Baumwollstäbchen reinigen?

Prof. Golla: Normalerweise verflüssigt sich das Wachs in der Nacht und entsorgt sich somit selbst. Wattestäbchen sollten auf keinen Fall verwendet werden. Da sie gerade und unflexibel sind, passen sie sich dem gewundenen Gehörgang nicht an, sondern schieben das Wachs bis vor das Trommelfell. Dort beginnt es in Verbindung mit Watteresten und Feuchtigkeit zu quellen und verursacht so Schwerhörigkeit und mitunter starke Ohrenschmerzen. Zudem schützt das Wachs den Gehörgang vor Bakterien. Besser ist es daher, Sie unterstützen den Selbstreinigungseffekt, indem Sie alle 2 bis 3 Wochen einen oder zwei Tropfen Öl (Oliven- oder Mandelöl) in jeden Gehörgang träufeln.

Welche Hilfsmittel gibt es gegen Schwerhörigkeit?

Prof. Golla: Früher hatten viele Patienten Probleme mit Geräten, die wie ein Mikrofon mit Verstärker funktionierten und gnadenlos alle ankommenden Geräusche verstärkten. Außerdem fingen die Geräte manchmal unvermittelt an, laut und schmerzhaft zu pfeifen. Heute lassen sich Hörgeräte dank Digitaltechnik so einstellen, dass sie z.B. nur ein bestimmtes Frequenzspektrum verstärken, etwa die hohen Töne – und die tiefen nicht. Dadurch sind die Hörhilfen heute sehr viel komfortabler. Zudem sind sie so klein, dass sie im Gehörgang selbst Platz finden und von außen kaum wahrnehmbar sind. Am besten ist es, wenn Sie das Hörgerät vor dem Kauf eine Zeit lang ausprobieren können. Gute Hörgeräte-Akustiker bieten ihren Kunden diese Möglichkeit.

Was raten Sie: Wie oft sollte man sein Hörvermögen prüfen lassen?

Prof. Golla: Ab dem 50. Lebensjahr einmal pro Jahr und zusätzlich immer dann, wenn sie Ohrgeräusche wahrnehmen, eine Hörverschlechterung bemerken oder unter Gleichgewichtsstörungen oder Schwindelgefühlen leiden.

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