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Tinnitus: Gingko biloba sorgt für Ruhe im Ohr

Bei Tinnitus gibt es bislang keine Heilung. Eine Linderung bietet nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen vor allem eine multidisziplinäre Betreuung mit einer Kombination von kognitiver Verhaltenstherapie und Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT).

Die Spezialtherapie hat sich einer herkömmlichen Behandlung (Beratung, evtl. Hörgerät und Rausch-Generator) als überlegen erwiesen. Dies war bei leichtem und schwerem Tinnitus der Fall, wie niederländische Wissenschaftler im Ärztefachblatt „Lancet“ berichteten.

So wirkt Ginkgo auf das Nervensystem

Das aus der Alzheimer- und Demenz-Therapie bekannte Ginkgo biloba kann eine Tinnitus-Therapie unterstützen. Neue Forschungsarbeiten zeigen, dass Tinnitus durch krankhafte Lern- und Anpassungsvorgänge im Gehirn entsteht. Tinnitus werde „gelernt“, sagt etwa der Tinnitus-Forscher Professor Christo Pantev von der Universität Münster. Allerdings könne Tinnitus „verlernt“ werden. Die gleichen Mechanismen, die dem krankhaften „Erlernen“ zugrundeliegen, können genutzt werden, um dem Tinnitus entgegenzuwirken. Moderne Therapien zielen darauf ab, unter anderem dieses „Verlernen“ zu fördern.

Die Inhaltsstoffe des Ginkgo-Spezialextrakts EGb 761® (Tebonin®) können eine solche Therapie medikamentös unterstützen. Sie wirken laut mehrerer experimenteller Daten auf mehrere Mechanismen, die Lernvorgängen zugrundeliegen. Dazu gehört etwa auf die Neubildung von Synapsen (Kontaktstellen), über die Nervenzellen mittels Botenstoffen miteinander kommunizieren.

Signifikante Wirksamkeit in klinischen Studien

Der Hals-Nasen-Ohren-Spezialist Privatdozent Dr. Dieter Schneider vom Universitätsklinikum Würzburg und seine Mitarbeiter beschäftigten sich mit dem Tinnitus. In einer Pilotstudie berichteten Patienten mit chronischem Tinnitus bei normalem Audiogramm nach achtwöchiger Behandlung mit Gingko nicht nur eine subjektive Besserung. Messbare, krankhaft veränderte Parameter normalisierten sich während der Therapie mit dem Pflanzenextrakt. Laut Schneider besitzen die zentralnervösen Effekte einen therapeutischen Nutzen für die Patienten. Dies belegten acht Placebo-kontrollierte Studien bei verschiedenen Tinnitus-Formen. Alle acht Studien mit dem Spezialextrakt Gingko wiesen eine signifikante Wirksamkeit im Vergleich zu einem Scheinmedikament nach.

Chronischer Tinnitus stellt ein komplexes und schwierig zu behandelndes Krankheitsbild dar. Eine ausschließlich medikamentöse Therapie habe sehr begrenzte Erfolgsaussichten. Das äußerte Schneider beim Kongress der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2012 in Mainz. Als unterstützender Baustein in einem multimodalen Therapiekonzept biete sich der Einsatz eines Medikamentes wie etwa des Ginkgo-Extraktes an.

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