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So bringen Sie störende Ohrgeräusche bei Tinnitus zum Schweigen

Das Pfeifen und Zischen hören nur Sie selbst. Dennoch wichtig zu wissen: Einen Tinnitus bildet man sich niemals ein. Ein Hörtest beim HNO-Arzt deckt seine Tonhöhe und Lautstärke auf.

Tinnitus mit Hörverlust ist oft eine Begleiterscheinung von:

  • Lärmschäden/Knalltrauma, besonders der Dauerbeschallung durch überlaute Musik; die Folge ist ein sehr hoher Piepton
  • Hörsturz (plötzlicher Hörverlust), häufig die Folge von Stress
  • zunehmender Schwerhörigkeit; der Tinnitus hat die Tonhöhe des Hörverlusts

Tinnitus ohne Hörverlust tritt beispielsweise auf bei

  • Halswirbelsäulenproblemen (Schleudertrauma, Abnutzungserscheinungen, Muskelverspannungen)
  • Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose)
  • hohem oder niedrigem Blutdruck
  • Stressbelastungen/belastenden Lebensereignissen (Angst, Wut, Trauer)
  • Depressionen, Angsterkrankungen; der Tinnitus kann Begleitsymptom oder Ursache für die seelische Erkrankung sein

Wann zum Arzt?

Gehen Sie in jedem Fall zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt, wenn die Ohrgeräusche länger als 24 Stunden andauern. Einen neu aufgetretenen Tinnitus kann Ihr Arzt noch am besten behandeln, sodass er wieder verschwindet.

Viele Betroffene machen sich Sorgen, die Ohrgeräusche könnten das Gehör schädigen. Doch diese Sorge ist unbegründet. Schwerhörigkeit tritt zwar häufig zusammen mit einem Tinnitus im Ohr auf, dann jedoch als Folge eines Hörsturzes, einer Lärmschädigung oder Altersschwerhörigkeit.

So können Sie das Ohrensausen lindern

Die beiden wichtigsten Maßnahmen gegen Tinnitus sieht man zurzeit in einer Umprogrammierung des Hörzentrums im Gehirn und in einer Verbesserung der Durchblutung des Innenohrs selbst. Da Stress eine der Hauptursachen für die Ohrgeräusche ist, sollten Sie sich wann immer es geht, entspannen. Techniken wie das Autogene Training oder Yoga sind dazu besonders empfehlenswert.

Die positive Wirkung von Ginkgo biloba

Zu den am häufigsten verordneten Medikamenten bei Tinnitus gehören Präparate mit Ginkgo biloba. Immerhin acht kontrollierte Studien konnten eine deutliche Minderung der Ohrgeräusche durch die Extrakte nachweisen. Diese positive Auswirkung wird dadurch erklärt, dass die Ginkgo-Flavonoide die Durchblutung und damit auch die Sauerstoffversorgung der feinen Kapillaren im Innenohr verbessern. Gleichzeitig scheinen die Ginkgo-Extrakte die Vernetzung der Nervenzellen und die Signalverarbeitung im Gehirn dort zu verbessern, wo die Phantomgeräusche entstehen.

Alle Anwendungsbeobachtungen zeigten allerdings deutlich, dass Ginkgo besser bei akutem als bei chronischem Tinnitus half. Ein Wundermittel ist Ginkgo sicher nicht, ein Versuch mit einem entsprechenden Präparat kann Ihnen jedoch nicht schaden.

Vitamin B12 beruhigt überreizte Nervenzellen

Ein Mangel an Vitalstoffen kann nicht nur die Heilung des Tinnitus verhindern, sondern sogar Ursache für die Geräusche sein. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen spielt hier besonders das auch als Nervenvitamin bekannte Vitamin B12 eine wichtige Rolle. Es schützt die empfindlichen Haarsinneszellen und versorgt sie mit Energie.

Dass hier ein direkter Zusammenhang zum Tinnitus besteht, zeigte eine türkische Studie aus dem Jahr 2013. Sie konnte nachweisen, dass bei Studienteilnehmern mit einem Mangel an Vitamin B12 die Weiterleitung von Tönen aus dem Ohr zum Gehirn gestört ist. Hochdosierte B12-Präparate, die Sie durchaus in Eigenregie anwenden können, erhalten Sie in jedem Drogeriemarkt.

Summen Sie den Tinnitus einfach weg

Damit die quälenden Geräusche endgültig verschwinden, muss das Gehirn umtrainiert werden. Forscher des Deutschen Zentrums für Musiktherapie (DZM) in Heidelberg haben dazu eine innovative Therapie entwickelt, bei der die Patientenselbst aktiv werden können, indem sie summen. Beim Summen werden automatisch auch immer Obertöne getroffen, die in ihrer Frequenz den Tinnitus-Tönen sehr ähnlich sind.

Wie gut das funktioniert, haben Forscher der Saar-Universität in Homburg in einer Studie auf die Probe gestellt. 61 Tinnitus-Patienten und gesunde Vergleichsteilnehmer erhielten ein fünftägiges Intensivtraining in der „Summ-Therapie“. Was sich dadurch im Gehirn veränderte zeigten anschließend Bilder mittels Magnetresonanztomographie (MRT). Bei allen Teilnehmern hatten sich durch die Therapie Gehirnstrukturen verändert. Bei den Tinnitus-Patienten waren die Denkzellen, die den Höreindruck vermitteln sichtbar nachgewachsen. Das positive Ergebnis davon: 80 Prozent der Patienten empfanden den Tinnitus nicht mehr als quälend, bei acht Prozent war er sogar ganz verschwunden.

Zukunftsmusik: Ein Gel gegen die Phantom-Töne

Forscher der Universitätskliniken Antwerpen (Belgien) haben mit erstaunlichem Erfolg ein neu entwickeltes Gel in einer Studie getestet. Es zeigte sich dabei, dass bei 42 Prozent der Tinnitus-Patienten schon nach einer dreitägigen Behandlung die Ohrgeräusche um die Hälfte reduziert waren. Das einmal täglich ins Ohr eingespritzte Gel enthält einen Wirkstoff (AM-101), das die Rezeptoren eines Nervenbotenstoffs (Glutamat) im Innenohr blockiert. Dieser Neurotransmitter ist für die Geräuschübertragung von den Haarsinneszellen im Ohr zum Gehirn verantwortlich.

Das Studienergebnis war so eindrucksvoll, dass jetzt auch in 15 Kliniken und Praxen in Deutschland Studien mit diesem Gel durchgeführt werden, damit es als Arzneimittel zugelassen werden kann.

Auf einen Blick: Möglichkeiten gegen Tinnitus

Geben Sie die Hoffnung nicht auf. In den meisten Fällen verliert ein Tinnitus mit der Zeit an Intensität. Hierzu können Sie aktiv beitragen. Berücksichtigen Sie zum Beispiel folgende Verhaltensregeln:

  • Vermeiden Sie in der Akutphase jeden Stress. Scheuen Sie sich nicht, Ihren Arzt um eine Krankschreibung zu bitten.
  • Setzten Sie auf regelmäßige, entspannende Bewegung: Spazierengehen, Walking, Radfahren – natürlich ohne Kopfhörer und Handy. Das befreit Ihren Körper von Stressbelastungen. Vermeiden Sie aber große körperliche Anstrengungen und Wettkampfsituationen beim Sport.
  • Erlernen Sie Entspannungsmethoden wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga, Qigong oder Tai-Chi. Kurse bietet Ihre Krankenkasse an.
  • Versuchen Sie, positiv zu denken. Stress ist zum einem Teil selbstgemacht.
  • Meiden Sie Lärm und sehr laute Musik oder tragen Sie einen Gehörschutz.
  • Ziehen Sie sich nicht von Ihren Mitmenschen zurück. Jede Form von Ablenkung tut Ihnen gut. Fördern Sie Ihre familiären und freundschaftlichen Beziehungen. Öffnen Sie Ihre Ohren nach außen. Das lenkt Sie von dem inneren Geräusch ab.
  • Ignorieren Sie die Ohrgeräusche nach Möglichkeit. Wenn Sie ständig lauschen, ob der Tinnitus noch da ist, fördert das den chronischen Verlauf. Hören Sie auf sich, aber horchen Sie nicht in sich hinein.
  • Tragen Sie ein Hörgerät, wenn Sie unter einem stärkeren Hörverlust leiden.
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Über den Autor Beate Rossbach

Dies ist das Profil von Beate Rossbach, Chefredakteurin von „Naturmedizin Aktuell“ und „Natur & Gesundheit“. Lesen Sie hier alles über sie:

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