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Schützen Sie Ihre Ohren! So erhalten Sie Ihr ­Hörvermögen möglichst lange

Gut zu hören ist für die meisten Menschen so selbstverständlich, dass sie über ihre Ohren und deren Hörfähigkeit gar nicht weiter nachdenken. Wenn das Hörvermögen dann aber plötzlich nachlässt, ist das ein großer Schock. Ich erkläre Ihnen, welche Arten der Schwerhörigkeit es gibt, ob und wie man sie behandeln kann, und wie Sie Ihr Hörvermögen so gut wie möglich schützen.

Ohren© Piotr Marcinski - Fotolia

Machen Sie bitte einmal folgenden Selbstversuch: Halten Sie sich mit den Händen die Ohren zu, oder benutzen Sie Ohropax. Ein komisches, ungutes Gefühl ist es, so von der Umgebung abgeschirmt zu sein. Ein Gefühl, das Sie sicherlich nicht Tag für Tag erleben möchten. Dennoch geht es vielen Menschen so, die im Laufe ihres Lebens schwerhörig werden. Meist wird dies als Alterserscheinung an- und hingenommen.

Wie Schwerhörigkeit entstehen kann

Da das menschliche Ohr eines der kompliziertesten Organe ist, kann es natürlich auch in vielen Bereichen zu einem Schaden kommen, der Ihr Hörvermögen beeinträchtigt. Daher ist die Ursache für eine Schwerhörigkeit nicht pauschal zu benennen. Mögliche Auslöser sind:

  • Eine gestörte Weiterleitung des Schalls von der Ohrmuschel zum Innenohr. Bei dieser so genannten Schallleitungsschwerhörigkeit funktioniert das Innenohr immer noch ganz normal. Es kommt hier nur weniger Schall an. Dementsprechend hören Sie als Betroffener alles leiser. Grund dafür: Der Gehörkanal ist verstopft. Das kann durch so einfache Gründe wie Ohrenschmalz oder Fremdkörper im Gehörkanal ausgelöst werden. Wird der Fremdkörper beseitigt, funktioniert auch Ihr Gehör wieder. Ebenso können aber Zys­ten, Tumore, chronische Mittelohrentzündung oder Trommelfellschäden für die gestörte Schallweiterleitung verantwortlich sein.
  • Eine Schädigung der Rezeptoren im Innenohr, die Schall verarbeiten. Bei dieser Schallempfindungsstörung kann es sich um eine Altersschwerhörigkeit handeln, die im Laufe der Jahre auftritt. Dann nimmt die Funktion des Hörnervs und der entsprechenden Zellen im Gehirn ab. Zudem sind immer mehr Haarzellen im Innenohr nicht mehr funktionsfähig. All dies führt zum schlechteren Hören. Der Grund für diese Rezeptorschädigung ist zu viel Lärm. Daher sind auch mehr und mehr jüngere Menschen heute von diesem Hörverlust betroffen. Krankheiten wie Mumps, Multiple Sklerose oder einige Medikamente können diese Form der Schwerhörigkeit ebenfalls auslösen.
  • Ein verhärteter Steigbügel im Innenohr. Diese Art der Schwerhörigkeit wird Otosklerose genannt. Hierbei kann nur noch ein geringer Teil des Schalls auf die Innenohrflüssigkeit übertragen werden. Die Auslöser für diese Verhärtung des Steigbügels sind noch nicht wirklich geklärt. Es wird vermutet, dass eine Störung im Abbau des  Hormons Östrogen eine Rolle spielt. Ein verhärteter Steigbügel kann auch Folge einer Masern-Erkrankung sein. Zudem besteht ein Vererbungsrisiko von 20 %.
  • Rauchen. Raucher haben ein um bis zu 70 % höheres Risiko, schwerhörig zu werden. Das Risiko steigt mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten pro Tag.

So kann Ihr HNO-Arzt ein geschädigtes Gehör erkennen

Wenn Sie merken, dass sich Ihr Hörvermögen verschlechtert, sollten Sie auf jeden Fall sofort zu einem Hals-Nasen-Ohrenarzt gehen. Dieser kann erkennen, woher die Gehörminderung kommt. Dazu führt er verschiedene Tests durch:

  • Im Raum werden bestimmte Worte geflüstert. So kann man erkennen, wie weit und genau Sie noch hören.
  • Mit einer Stimmgabel wird in mehreren Untersuchungen die Schallleitung Ihrer Ohren überprüft.
  • Beim Audimeter-Hörtest werden Ihnen Geräusche, Wörter und Töne in unterschiedlicher Höhe und Lautstärke über Kopfhörer vorgespielt. Sie müssen dann angeben, was Sie wann gehört haben. So stellt der HNO-Arzt fest, welche Hörschwelle Sie haben, also welche Lautstärke Sie noch wahrnehmen. Diese kann bei unterschiedlichen Tonhöhen unterschiedlich laut sein.
  • Bei so genannten objektiven Tests wird geprüft, wie das Ohr auf Reize reagiert. Der Arzt kann messen, inwieweit sich die Haarzellen zusammenziehen. Möglich ist auch eine Druckmessung im Mittelohr, wenn Über- oder Unterdruck erzeugt wird. Dieses Verfahren ist dann wichtig, wenn man Schäden am Trommelfell ausschließen will.

Bei Schwerhörigkeit bleibt meist nur das Hörgerät als Lösung

Bis heute ist es leider noch nicht möglich, Schwerhörigkeiten, die im Innenohr entstehen, zu heilen. Weder Operationen noch medikamentöse Behandlungen sind hier erfolgreich. Wenn Sie an einer solchen Schwerhörigkeit leiden, bleibt Ihnen nur, dass der Hörschaden durch ein Hörgerät so weit wie möglich behoben wird. Es gibt hier verschiedene Technologien. Welches Hörgerät für Sie und Ihre persönliche Situation geeignet ist, lässt sich pauschal nicht sagen. Sie müssen dies beim Hörgeräte-Akustiker ausprobieren.

Eine neue OP-Methode hilft bei Otosklerose

Wenn Sie dagegen unter einer Otosklerose leiden, also unter einer Schwerhörigkeit, die durch eine Versteifung des Steigbügels ausgelöst wird, haben Sie gute Chancen, dass Sie Ihr Hörvermögen verbessern können. Möglich ist dies durch eine Laser-Operation, die in den meisten Fällen Erfolg hat.

Die Methode findet seit rund fünf Jahren Anwendung, vor allem in großen Uni-Kliniken. Früher wurde der Steigbügel mit einem Skalpell entfernt. Heute werden mit dem Laser nur die beiden Schenkel des Steigbügels entfernt. Dann bohrt der Laser ein kleines Loch in die Fußplatte des Steigbügels. Hier wird dann eine Prothese eingesetzt, die die Schwingungen im Ohr wieder störungsfrei überträgt.

Im Gegensatz zur alten Operationsmethode verläuft die Laser-Behandlung weitgehend ohne Komplikationen. Fast alle Menschen, die so behandelt werden, sind nach dem Eingriff wieder in der Lage, deutlich besser zu hören. Es bleibt allerdings ein einprozentiges Risiko, durch eine Verletzung des Innenohrs komplett taub zu werden.

So schützen Sie Ihr Gehör

Um die Hörfähigkeit so lange wie möglich zu bewahren und Operationen oder Hörgeräte zu vermeiden, sollten Sie Ihre Ohren pflegen. Damit meine ich nicht, sie regelmäßig mit Wattestäbchen zu säubern – im Gegenteil.

  • Verzichten Sie auf Wattestäbchen & Co. Gerade diese Reinigungsmethoden, die doch saubere Ohren versprechen, können für eine Hörminderung sorgen. Wenn Sie Glück haben, ist sie reparabel. Sie entfernen mit diesen Werkzeugen das überschüssige Ohrenschmalz nicht, sondern stoßen es tiefer ins Ohr hinein. Hier verdichtet es sich und bildet einen Pfropf, der Sie schlechter hören lässt. Der HNO-Arzt kann diesen Pfropf entfernen.
  • Verwenden Sie Ohropax. Lärm gehört zu unserem Leben dazu – wir nehmen ihn kaum noch wahr. Auf Dauer aber schädigt er Ihr Gehör. Schützen Sie sich daher auch bei lauten Alltagstätigkeiten. Verwenden Sie Gehörschutz, wenn Sie mit Bohrmaschinen und ähnlichen Werkzeugen heimwerkern. Auch beim Rasenmähen sollten Sie auf Ohropax zurückgreifen.
  • Musik – bitte nur gemäßigt. Es sind keinesfalls nur junge Menschen, die Musik gerne etwas lauter hören. Drehen Sie die Musik zu Hause nicht über Zimmerlautstärke auf. Und halten Sie bei einem Konzert – wenn möglich – Abstand zu den Lautsprechern. Oder nutzen Sie einen Gehörschutz, wie zum Beispiel Ohropax. Das sollten Sie auch tun, wenn Sie selbst ein lautes Instrument spielen, zum Beispiel Trompete oder Schlagzeug.
  • Vorsicht bei Kopfhörern! Gerade die kleinen Modelle, die direkt in die Ohren gesteckt werden, können gefährlich für Ihr Gehör werden. Verzichten Sie daher auf diese kleinen Knopfhörer. Die klassischen gepolsterten Ohrhörer sehen zwar längst nicht so gut und unauffällig aus, schaden aber deutlich weniger. Drehen Sie die Abspielgeräte generell nie bis zum Anschlag auf.
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Dr. Michael Spitzbart
Über den Autor Dr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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