MenüMenü

Otosklerose: Vorzeitiger Hörverlust ist behandelbar

von unseren Experten der Mayo-Klinik

Seit kurzem haben Sie Probleme, andere Menschen am Telefon zu verstehen. Und jetzt, wo Sie darüber nachdenken, fällt Ihnen ein, dass sich Ihr Ehepartner häufiger darüber beschwert, dass Sie den Fernseher zu laut eingestellt hätten. Hörverlust ist ein weitverbreitetes Problem, das viele Ursachen haben kann. Eine davon kann eine Otosklerose sein – das ist ein abnormales Wachstum des Knochengewebes im Mittelohr. Es führt dazu, dass bestimmte Strukturen im Ohr unbeweglich werden; es kommt zum Hörverlust.

Normalerweise schreitet dieser Prozess über Jahre hinweg fort, bis Sie den Hörverlust bemerken. Otosklerose ist behandelbar und führt nur in seltenen Fällen zu einem kompletten Hörverlust. Die Vibrationen, die die ankommenden Schallwellen auf dem Trommelfell erzeugen, werden von den 3 kleinen Gehörknöchelchen des Mittelohrs aufgenommen: Hammer (Malleus), Amboss (Uncus) und Steigbügel (Stapes) transportieren das Schallsignal weiter ins Innenohr. Gehörspezialisten unterscheiden 2 verschiedene Arten von Hörverlust. Der eine betrifft die Schallempfindung (sensoneuralen Hörverlust) und der andere die Schallleitung. Der sensoneurale Hörverlust, zu dem auch beispielsweise alters- oder lärmbedingter Hörverlust zählen, kommt häufiger bei Erwachsenen vor. Dabei sind die Haarzellen oder die Nerven des Innenohrs geschädigt.

Dieser Schaden ist irreversibel, das heißt, er kann weder durch Medikamente noch durch eine Operation behoben werden. Ein die Schallleitung betreffender Hörschaden liegt dann vor, wenn die winzigen Gehörknöchelchen des Mittelohrs nicht mehr frei beweglich sind. Diese Störung ist behebbar. Durch die Einnahme von Medikamenten oder eine Operation können die Betroffenen ihre Hörfähigkeit wieder erlangen.

Die Otosklerose ist auf eine Störung der Schallleitung zurückzuführen. Mediziner gehen davon aus, dass es sich um eine genetisch bedingte Störung handelt. Sie tritt normalerweise im jungen Erwachsenenalter auf, obwohl sie auch bei älteren Erwachsenen vorkommen kann. Bei weniger als 1 % der Bevölkerung treten diese Symptome auf. Über die Ursache der Otosklerose wissen die Hörspezialisten wenig. Tritt die Krankheit auf, so kommt es zu einem schnellen Knochenauf- oder -umbau der winzigen Gehörknöchelchen. Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf werden die Knochen dicker als normal. Dieses anormale Knochenwachstum legt den Steigbügel lahm, der an den Eingang des Inneren Ohrs (das so genannte ovale Fenster) angrenzt. Folglich können die Schallwellen das Innere Ohr nicht mehr erreichen. Meist sind beide Ohren betroffen. Ein langsam fortschreitender Hörverlust ist das markanteste Symptom der Otosklerose. Einige Betroffene hören ein Klingeln im Ohr (Tinnitus). Gelegentlich verspüren sie auch Schwindel oder sie haben Gleichgewichtsprobleme.

Ihr Ohrenarzt hat folgende Behandlungsmöglichkeiten:

Abwarten und Beobachten – Diese Strategie wird Ihnen eventuell dann vorgeschlagen, wenn der Hörverlust schwach und nur in einem Ohr wahrnehmbar ist.

Hörhilfen -Hörhilfen arbeiten in der Regel sehr effektiv. Daher sind sie auch meist die erste Behandlungsoption die Ärzte ihren Patienten vorschlagen. Hörhilfen können das Schallsignal so verstärken, dass es stark genug ist, die Starrheit der Mittelohrknochen zu überwinden.

Operation – Bei Patienten, die nicht bereit sind, eine Hörhilfe zu tragen oder bei denen der Hörverlust gravierend ist, kann eine Operation, die so genannte Stapedektomie, helfen.

Bei diesem Eingriff wird der obere Teil des Steigbügels durch den Ohrkanal hindurch entfernt und durch eine Prothese ersetzt. In den verbleibenden Teil des Steigbügels wird eine Öffnung gemacht, in die eine kleine, kolbenförmige Prothese eingeführt wird. Sie besteht aus Knochen, Knorpel oder Kunststoff. Sie wird durch einen Draht mit dem Amboss verbunden. Dann wird um die Prothese ein kleines, hinter dem Ohr entnommenes, Gewebestück verpflanzt, um die Öffnung zu verschließen. Die Prothese kann dann die Schallwellen auf das Innere Ohr übertragen. Zur Behandlung einer Otosklerose stehen den Chirurgen außer der Stapedesplastik auch andere Operationstechniken zu Verfügung.

Normalerweise erlangen 9 von 10 operierten Patienten praktisch ihre Hörfähigkeit wieder zurück. Sie brauchen keine Hörhilfen mehr. Den verbleibenden 10 %, bei denen die Operation nicht erfolgreich verlaufen ist, kann außer mit einer Hörhilfe nicht weiter geholfen werden. Das Risiko eines totalen Hörverlusts an dem operierten Ohr oder von Gleichgewichtsproblemen oder Schwindel liegt nach der Operation bei 1 % bis 2 %. Weniger häufig wird die Otosklerose mit Medikamenten behandelt, die den Knochenstoffwechsel stabilisieren. Diese Therapie ist dann sinnvoll, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wurde und schnell fortschreitet. Mehr zu diesem Thema lesen Sie auch hier:

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten