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Morgendlichen Husten sollten Sie nicht als harmlos abtun

von Dr. Dietmar Kowertz, Chefredakteur von "Benefit"

Werden Sie morgens von quälendem Husten geschüttelt, haben Sie Schmerzen in der Lunge und häufig Atemnot? Dann sollten Sie diese Symptome nicht Ihrem Alter oder einer vorübergehenden Erkältung zuschreiben, sondern einen Arzt aufsuchen. Möglicherweise leiden Sie ja an COPD. COPD, das ist die Abkürzung für "Chronic Obstructive Pulmonary Disease" oder auf deutsch "chronisch obstruktive Bronchitis".

Unter dieser wenig bekannten Krankheit leiden in Deutschland zwischen 3 und 5 Millionen Menschen. Vor allem betroffen sind über 50-Jährige und Raucher. COPD ist weltweit die vierthäufigste Todesursache. Viele Menschen leiden darunter, ohne es zu wissen, oder sehen die Symptome als normal an, was besonders fatal ist. Denn je früher man COPD diagnostiziert, desto besser kann man den Krankheitsverlauf kontrollieren und lindern. Wird COPD über Jahre verschleppt oder nicht erkannt, hat dies für den Patienten eine starke Verminderung der Lebensqualität und nicht selten eine verringerte Lebenserwartung zu Folge.

Was versteht man unter COPD?

COPD ist ein Sammelbegriff für zwei zusammen auftretende Krankheitsbilder. Zum einen für die chronische atemwegsverengende Lungenerkrankung. Zum anderen für das Lungenemphysem. Meist beginnt es mit einer chronischen Bronchitis, in deren Folge dann Atemnot entsteht. Diese wird durch eine Verkrampfung der Bronchial-Muskulatur und ein Anschwellen der Bronchialschleimhaut mit übermäßiger Schleimproduktion hervorgerufen. Das Lungenemphysem ist eine nicht rückbildungsfähige Überblähung der Lunge, die zu einer Einschränkung der Lungenfunktion führt. In der Folge kann es zu einer Zerstörung von Lungen- und deren Stützgewebe kommen. Die Lunge kann sich nicht mehr genügend zusammenziehen. Dadurch wird das Ausatmen erschwert.

Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Hauptrisikofaktor ist das Rauchen. Das ständige Inhalieren von Schadstoffen zwingt die Bronchien zu Abwehrreaktionen wie Verengung, Schleimproduktion und Schleimhautverdickung. Mit dem Absterben der Flimmerhärchen kann der Schleim nicht mehr abtransportiert werden, der Husten wird stärker. Zusätzliche Risikofaktoren sind wiederholte Atemwegserkrankungen, Allergien, Alkoholkonsum und Mangelernährung. Nicht jeder Raucher erkrankt freilich an COPD, aber 9 von 10 COPD-Kranken sind oder waren Raucher.

So stellt Ihr Arzt die Diagnose.

Wenn Sie mit den beschriebenen Symptomen Ihren Arzt aufsuchen, wird er Sie zunächst nach Ihrer Krankengeschichte und Ihrem Lebensstil befragen sowie Lunge und Herz abhören. Dann wird er mit speziellen Messinstrumenten Ihre maximale Atemstromstärke und Ihr Lungenvolumen messen. Je geringer die ausgeatmete Luftmenge pro Sekunde, desto weiter ist die Erkrankung fortgeschritten. Sind zusätzliche Untersuchungen zur Abklärung des Befundes erforderlich, z.B. Röntgen der Lunge oder eine Kernspintomographie, werden Sie möglicherweise an einen Lungenfacharzt überwiesen. Dies ist besonders wichtig, um die COPD eindeutig vom Bronchialasthma zu unterscheiden, da die Symptome zwar ähnlich sind, aber unterschiedliche Behandlung erfordern.

Was Ihnen gegen COPD hilft.

Wie bei allen chronischen Erkrankungen ist eine restlose Heilung zwar nicht möglich, jedoch lässt sich der Leidensdruck durch entsprechende Behandlung und Lebensweise erheblich lindern. Wer raucht, sollte als Erstes damit aufhören. Bei der leichten Erkrankungsform wird die Inhalation bronchienerweiternder Medikamente empfohlen. Bei der mittelschweren Form werden zusätzlich Medikamente mit dem Auszug des aus den Blättern des schwarzen Tees gewonnenen Wirkstoffs Theophyllin eingesetzt. Bei der schweren Form kommen Kortisonpräparate zum Einsatz. In ganz schweren Fällen kann auch eine Operation erforderlich sein. Dabei wird ein Teil des geschädigten Lungengewebes entfernt. Selten wird eine Lungentransplantation in Betracht kommen.

COPD-Patienten wird eine regelmäßige Grippeschutzimpfung empfohlen, denn jede Infektion ist für die vorgeschädigten Atmungsorgane gefährlich. Auch als Patient können Sie mit geeigneten Maßnahmen den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Dazu gehören regelmäßiges körperliches Training (fragen Sie bitte vorher Ihren Arzt), ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (macht den Schleim dünnflüssiger) sowie das Vermeiden blähender Nahrungsmittel.

Achten Sie auf Ihr Gewicht. Jedes Pfund zuviel bedeutet für Ihren Körper und Ihre Lungen eine höhere Belastung. Vermeiden Sie, Staub und Rauch einzuatmen. Gehen Sie Gerüchen und Düften ebenso aus dem Weg wie Stress.

Stärken Sie Ihre Abwehrkräfte. Dazu gehören viel Bewegung, gesunde Ernährung und genügend Schlaf. Und wenn Sie trotzdem eine Infektion erwischt hat: Nicht mit Hausmitteln behandeln, sondern sofort ärztlichen Rat einholen. Falls Sie unter Atemnot leiden, lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder einem spezialisierten Atemtherapeuten besondere Atemtechniken zeigen, z.B. die Zwerchfellatmung oder die so genannte Lippenbremse.

Fazit: COPD ist eine verbreitete und weiter auf dem Vormarsch befindliche Erkrankung der Atmungsorgane. Gefährlich wird sie vor allem dadurch, dass sie oft über Jahre hinweg als "Raucherhusten" abgetan und nicht erkannt wird. Deshalb ist die Früherkennung besonders wichtig. Wenn Sie die geschilderten Symptome bei sich beobachten: Zögern Sie nicht, Ihren Hausarzt zu konsultieren. Besser, Sie gehen einmal zu viel als zu wenig zum Arzt!

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