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5 Maßnahmen, wie Sie einem Hörsturz vorbeugen

Bei einem Hörsturz handelt es sich um eine plötzliche und ohne erkennbaren Anlass auftretende Hörminderung. Das kann eine komplette Ertaubung oder auch eine mehr oder weniger ausgeprägte Schwerhörigkeit sein. Das Innenohr ist dabei in seiner Funktion gestört. Im Gegensatz zur sogenannten Schalleitungsstörung, die im äußeren Ohr oder im Mittelohr entsteht, wird bei einem Hörsturz von einer Schallempfindungsschwerhörigkeit gesprochen. Der Hörsturz ist die häufigste Funktionsstörung des Innenohres. Er scheint sich zu einer Zivilisationskrankheit zu entwickeln. Es wird geschätzt, dass in Deutschland pro Jahr etwa 16.000 Menschen einen plötzlichen Hörverlust erleiden. Am häufigsten tritt er zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf. Frauen und Männer sind genauso häufig betroffen.

Das sind die Ursachen und die Risiken eines Hörsturzes

Eindeutig konnten die Ursachen für einen Hörsturz bisher noch nicht geklärt werden. Vermutet wird eine Durchblutungsstörung des Innenohrs, oft als Folge einer Virusinfektion. Dort befinden sich die für das Hören zuständigen Sinneszellen, die sogenannten Haarzellen. Kleine Blutgefäße versorgen die Haarzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Kommt es in einem dieser Blutgefäße zu einer Mangeldurchblutung, werden die Haarzellen geschädigt und funktionieren nicht mehr richtig. Hörverlust ist die Folge. Eine mögliche Ursache sind auch kleine Blutgerinnsel, die die Blutgefäße verschließen. Das geschieht ähnlich wie bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Man spricht deshalb auch von einem Innenohrinfarkt.

Gefährdet sind insbesondere zwei Personengruppen:

  • Menschen, die die Risikofaktoren für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt haben – also diejenigen, die unter Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder einer Fettstoffwechselstörung leiden -, sind auch in hohem Maße gefährdet, einen Hörsturz zu erleben. Raucher gehören ebenfalls in diese Gruppe.
  • Manche Menschen, die vermehrtem Stress ausgesetzt sind, die sich häufig überfordert fühlen und sich dagegen nicht wehren, gehören zu der zweiten Gruppe, die gefährdet ist, einen plötzlichen Hörverlust zu erleiden. Diese Menschen haben eine Persönlichkeitsstruktur, die durch Zuverlässigkeit, Ehrgeiz, Pflichtbewusstsein und überkorrektes Verhalten gekennzeichnet ist. Gerade durch diese Eigenschaften entwickeln sich sehr leicht Überforderungssituationen. Gleichzeitig fehlt diesen Menschen häufig das Selbstvertrauen und der Selbstschutz, sich gegen körperliche oder seelische Überlastungen zu wehren.

Auch im Rahmen von starken Blutdruckschwankungen, insbesondere einem plötzlichen Abfall des Blutdrucks, können Sie einen Hörsturz erleiden. Das kann z. B. im Zusammenhang mit einer Herzmuskelschwäche vorkommen. Es gibt weitere Faktoren, die einen Hörsturz begünstigen, so zum Beispiel Virusinfektionen, Autoimmunerkrankungen oder Tumoren.

Das sind die typischen Symptome eines Hörsturzes

Ein Hörsturz ist gekennzeichnet durch ein Fehlen von Vorboten. Die im Folgenden beschriebenen Symptome treten plötzlich und ohne erkennbaren Anlass auf.

  • Hörverlust: Er kann ein Ohr, selten aber auch beide Ohren betreffen. Der Schweregrad der Hörminderung ist unterschiedlich. Er reicht von leichten Fällen mit einer geringgradigen Schwerhörigkeit bis hin zur vollständigen Taubheit.
  • Druckgefühl: Betroffene berichten häufig von einem dumpfen Druckgefühl, so als hätten sie Watte im Ohr.
  • Tinnitus: Begleitend treten sehr oft hochfrequente Ohrgeräusche auf.
  • Schwindel: Auch Schwindel sowie das Gefühl der Unsicherheit und Benommenheit können vorkommen.

So können Sie einer Hörschädigung vorbeugen

In unserer lärmüberfluteten Zeit wird es immer wichtiger, das Gehör vor dauerhaften Reizen und Belästigungen zu schützen. Zur Vorbeugung von Schäden am Innenohr, wie z. B. einem Hörsturz, sollten Sie folgende vorbeugende Verhaltensweisen beherzigen:

  • Vermeiden Sie eine permanente Reizüberflutung. Lassen Sie nicht die ganze Zeit im Hintergrund das Radio oder den Fernseher laufen.
  • Vermeiden Sie extreme Lautstärken, wie beim Gebrauch von Kopfhörern oder beim Besuchen von Diskotheken und Konzerten.
  • Haben Sie berufsbedingt permanent mit Lärm und lauten Geräuschen zu tun, sollten Sie unbedingt die Lärmschutzrichtlinien einhalten und z. B. schützende Kopfhörer tragen.
  • Erlernen Sie Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Meditation. Dadurch wird Ihnen geholfen, Konfliktsituationen besser zu bewältigen und Stress zu vermeiden.
  • Achten Sie auf Ihre Blutfette. Alle Faktoren, die eine Verdickung des Blutes begünstigen, können auch zur Auslösung eines Hörsturzes führen. Das gilt insbesondere für erhöhte Blutfette. Ernähren Sie sich deshalb ballaststoffreich mit viel Obst und Gemüse und vermeiden Sie Lebensmittel mit einem hohen Fettanteil. Bewegen Sie sich regelmäßig – täglich ein wenig Ausdauersport hilft schon. Gehören Sie zu den Risikopatienten, sollten Sie Ihren Cholesterinspiegel kontrollieren lassen. Verzichten Sie auf Tabakkonsum, denn Nikotin schädigt Ihre Blutgefäße.

So wird ein Hörsturz therapiert

Handelt es sich um einen vollständigen Hörverlust, muss sofort eine stationäre Aufnahme erfolgen. In den meis ten anderen Fällen ist jedoch eine ambulante Behandlung beim HNO-Facharzt möglich. Sie sollte in jedem Fall in den ersten 24 Stunden beginnen. Die Therapiemaßnahmen beim Hörsturz dienen der Erweiterung der Blutgefäße und der Verbesserung der Fließeigenschaften des Blutes. Dadurch wird die Durchblutung im Innenohr wiederhergestellt.

In bestimmten Fällen wird Cortison eingesetzt. Es wirkt gegen die Schwellung und Entzündung, zu der es bei einem Hörsturz im Ohr kommt. Die Therapie erfolgt oft mittels Infusionen. Diese werden über zehn bis 14 Tage verabreicht. Ganz wichtig bei der Therapie: Der Betroffene muss zur Ruhe kommen. Das bedeutet: Lassen Sie sich krankschreiben, gehen Sie nicht zur Arbeit und setzen Sie nicht den gewohnten Alltag fort.

Die Heilungschancen bei einer Hörsturztherapie sind abhängig von ihrem rechtzeitigen Beginn. Die Therapieerfolge werden mit bis zu 90 % angegeben.

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Alte Kommentare
  • Brunhilde Salomon schrieb am 12.10.2010, 20:03 Uhr

    Leider wird die Therapie beim HNO nicht mehr von den gesetzlichen Kassen bezahlt. Schade, denn mir haben die Infusionen immer geholfen.

  • Dierck H Liebscher schrieb am 12.10.2010, 20:12 Uhr

    Sehr geehrte Frau Dr. Kalkert, warum erwähnen Sie nicht Magnesium zur Prophylaxe und Therapie? Die Risikogruppen haben Sie richtig benannt; - Menschen, die die Risikofaktoren für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt haben - also diejenigen, die unter Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes oder einer Fettstoffwechselstörung leiden – sowie Menschen, die vermehrtem Stress ausgesetzt sind, die sich häufig überfordert fühlen und sich dagegen nicht wehren. Für all diese Risikogruppen könnte man mit Mg das Risiko senken, indem der individuelle, genetisch-bedingte optimale Mg-Bedarf berücksichtigt würde. Mit freundlichen Grüßen Dierck-H.Liebscher