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Gehörgangsentzündung - frühzeitige Erkennung ist wichtig!

Lassen Sie sich bei Verdacht auf eine Gehörgangsentzündung frühzeitig behandeln

Denn Sie könnten eine äußere Gehörgangsentzündung haben (Otitis externa). Die meisten davon verschwinden mit der richtigen Behandlung. Aber unbehandelt können sie lebensbedrohlich sein. Schmerzen und Missempfindungen am Ohr rechtfertigen einen Arztbesuch. Dabei werden das Ohr, das Gesicht und der Kopf untersucht, möglicherweise auch das Gehör.

Arzt untersucht Ohr einer Frau - Nahaufnahme© Jürgen Fälchle – Fotolia

Wenn Sie eine äußere Gehörgangsentzündung (Otitis externa) haben, wird wahrscheinlich der Gehörgang mittels einer Saugvorrichtung oder einer watteumhüllten Sonde gereinigt. Oftmals werden antibiotische Ohrentropfen verschrieben. Manchmal enthalten die Tropfen auch Kortikosteroide zur Behandlung der Ohrentzündung.

Gegebenenfalls wird ein Antibiotikum verschrieben, wenn eine Schwellung des äußeren Ohrs, in der Umgebung des Ohrs oder in nahe gelegenen Lymphknoten auftritt. Frei verkäufliche oder verschreibungspflichtige, entzündungshemmende Mittel wie Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®), Ibuprofen (z. B. Aktren®) oder Naproxen (z. B. Proxen®) könnten zur Schmerzlinderung notwendig werden.

Eventuell empfiehlt Ihnen der Arzt, Ihre Ohren für 7 bis 10 Tage trocken zu halten. Normalerweise ist nach 3 bis 4 Tagen eine Besserung zu bemerken. Die invasive äußere Gehörgangsentzündung benötigt häufig intravenöse Antibiotika und einen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt.

Manchmal wird ein operativer Eingriff zur Entfernung von abgestorbenem oder infiziertem Gewebe notwendig. Danach müssen möglicherweise Antibiotika, intravenös oder in Tablettenform, über längere Zeit weiter verabreicht werden.

Ohrenschmalz hat eine wichtige Funktion

Unter normalen Umständen hält das Ohrenwachs (Ohrenschmalz, Cerumen) Wasser von der Oberfläche des äußeren Gehörgangs ab, und es hält den richtigen pH-Wert (Säure-Basen-Gleichgewicht) aufrecht, um ein Bakterienwachstum zu verhindern. Wird jedoch dieses Gleichgewicht gestört, kann es zu Irritation und Schmerz durch eine äußere Gehörgangsenzündung kommen.

Das Eindringen von Bakterien sollte verhindert werden

Die äußere Gehörgangsenzündung (Otitis externa) kann in jedem Lebensalter auftreten. Sie kann durch eine Pilz- oder Virusinfektion bedingt sein. Am häufigsten aber ist die bakterielle Infektion. Bakterien können sich ausbreiten bei:

  • exzessiver Feuchtigkeit im Gehörgang– Wiederholter Kontakt mit Wasser kann zum Verlust von Ohrenwachs führen. Die Haut des ungeschützten Gehörgangs wird gereizt. Das normale pH-Gleichgewicht wird gestört und ermöglicht Bakterien das Wachstum. Der Gebrauch eines Hörgeräts kann die Bildung von Feuchtigkeit im Gehörgang fördern.
  • Verletzung oder Reizung der Haut des äußeren Gehörgangs– Das Kratzen im Gehörgang oder die Entfernung von Wachs mit behelfsmäßigen Instrumenten (wie z. B. Haarnadeln) kann die Haut verletzen und dadurch Bakterien eine Eintrittspforte bieten – oder sogar das Trommelfell schädigen. Der Versuch, den Gehörgang mit Wattestäbchen zu reinigen, kann den gegenteiligen Effekt haben – das Hineindrücken von überschüssigem Wachs und abgestorbenen Zellen oder das Verursachen von Verletzungen.

Gelegentlich ruft ein infizierter Haarfollikel eine Reizung hervor

Chronische Hauterkrankungen oder Allergien – Hauterkrankungen wie Ekzem und Seborrhoe (sehr fettige Haut) können Bakterien ein Eindringen erleichtern. Allergien gegen Haarfarben oder Haarsprays können die Haut reizen und zu Infektionen führen.

Anzeichen und Symptome einer Infektion des äußeren Gehörgangs sind u. a. Jucken im Gehörgang, Ohrenschmerzen, Schmerzen beim Berühren des äußeren Ohrs, das Ausfließen von Sekret oder Hörminderung.

Gelegentlich entwickelt sich eine schwere und aggressive Infektion – die invasive Otitis externa. Sie ist häufiger bei Personen mit Diabetes, besonders bei älteren Personen. Auch Personen mit einem geschwächten Immunsystem haben ein größeres Risiko.

Die Infektion beginnt im Allgemeinen als äußere Gehörgangsentzündung. Aber ab einem gewissen Punkt breiten sich die Bakterien von der Haut des äußeren Gehörgangs in benachbarte Gewebe einschließlich Knochen und Knorpel aus Es kann eine Nervenschädigung oder sogar eine Gesichtslähmung auftreten. Unbehandelt kann eine invasive Otitis externa lebensbedrohlich sein.

Die häufigsten Ursachen für chronische Ohrenschmerzen sind:

  • Schnupfen mit Verlegung der Eustachischen Röhre (Tubenkatarrh)
  • Entzündungen des Mittelohrs
  • Entzündungen des Gehörgangs Verschluss des Gehörgangs (z. B. durch Ohrenschmalz)
  • direkte Trommelfellverletzung (z. B. durch Wattestäbchen)
  • plötzliche Luftdruckveränderungen (z. B. Flugreisen, Knalltrauma, Tauchunfälle)
  • Nebenhöhlenentzündungen
  • Zahnentzündungen
  • Fehlstellung des Kiefergelenks
  • Speichelsteine
  • verschobene Halswirbel

Auch Kehlkopftumore können sich durch Ohrenschmerzen beim Schlucken bemerkbar machen. Ein plötzliches Versagen des natürlichen Druckausgleichs zwischen Mittelohr und Nasen-Rachen-Raum durch einen Verschluss der Eustachischen Röhre (siehe Abb. unten) bezeichnet die Medizin als Tubenkatarrh. Ursache ist meist ein akuter oder allergischer Schnupfen.

Polypen begünstigen den Tubenkatarrh

Aber auch chronische Nebenhöhlenentzündungen, Polypen und starke Verkrümmungen der Nasenscheidewand können diesen Katarrh begünstigen. Ebenso führen plötzliche Druckabfälle bei heftigem Naseschneutzen sowie beim Fahrstuhlfahren, Tauchen oder bei Flugreisen zu einem „Zusammenkleben“ der Eustachischen Röhre.

Typische Symptome sind die so genannten „zugefallenen Ohren“, dumpfe drückende Schmerzen und Hörverlust. Sorgen Sie bei einem akuten Schnupfen unbedingt für eine freie Nasenatmung, um den Druckausgleich für Ihr Ohr zu gewährleisten: Nasentropfen auf Meersalzbasis bringen Ihnen rasch Linderung. In den anderen Fällen sollten Sie unbedingt Ihren Haus- oder Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen.

Plötzliche pochende Schmerzen sprechen für eine Entzündung

Akute heftige pulsierende oder pochende Schmerzen haben ihre Ursache meist in einer Entzündung des Mittelohrs oder des Gehörgangs (z. B. einem Furunkel). Oft ging ein schnupfenbedingter Tubenkatarrh voraus.

Aber auch kalter Wind (trockener Ostwind oder Fahrtwind) können binnen Stunden zu einer äußerst schmerzhaften Mittelohrentzündung führen. Hier haben sich Hausmittel wie das Zwiebelsäckchen sehr bewährt.

Falls sich Ihre Beschwerden jedoch trotz Selbstbehandung innerhalb eines Tages nicht bessern oder Sie hohes Fieber (> 39,0° C) haben, sollten Sie unbedingt einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen. Ein umgehender Arztbesuch ist auch bei einem Furunkel und anderen Entzündungen im Gehörgang erforderlich.

Tückisch ist die chronische Mittelohrentzündung

Ein Sonderfall ist die chronische Mittelohrentzündung, die oft keine oder nur sehr unspezifische Beschwerden macht. Hier ist das Trommelfell defekt, sodass Keime ins Mittelohr eindringen. Die Entzündung wird oft jahrelang nicht bemerkt, weil sie nur zeitweise leichte Schmerzen, Ohrlaufen und Hörstörungen verursacht.

Wenden Sie sich bei diesen Beschwerden unbedingt an Ihren HNOArzt. Er wird Ihr Trommelfell reparieren oder ersetzen. Hat die Entzündung bereits den Knochen angegriffen, muss sofort operiert werden.

Einseitige Schmerzen können von der Halswirbelsäule herrühren

Verschobene Halswirbel, z. B. bei einem Halswirbelsäulen-Syndrom oder nach einem Schleudertrauma können zu einseitigen Ohrenschmerzen führen. Diese sind entweder dumpf und häufig mit Kopfschmerzen verbunden. Oder sie „schießen“ bei Halsbewegungen plötzlich kurz und stechend ein.

Lassen Sie unbedingt Ihre Halswirbelsäule untersuchen! Bei einseitigen Schmerzen während und nach dem Essen sollten Sie stets an Fehlstellungen eines Ihrer Kiefergelenke denken. Dieses so genannte Temporomandibular-Gelenk-Syndrom kann ferner durch eine fehlerhafte Biss-Stellung der Zähne bedingt sein.

Auch eine verstärkte Anspannung der Kaumuskulatur bei Stress (das sprichwörtliche Zähnezusammenbeißen oder -knirschen) kann Ohrenschmerzen verursachen. Zusätzlich können Ohrgeräusche und Schwindel auftreten. Hier ist zunächst Ihr Zahnarzt der richtige Ansprechpartner. An ihn sollten Sie sich auch wenden, wenn Zahn- und Ohrenschmerzen gemeinsam auftreten.

Schmerzen beim Kauen deuten auf Speichelsteine hin

Leichte Schwellungen der Ohrspeicheldrüse und anfallsweise dumpfe einseitige Schmerzen beim Kauen bis ins Ohr können ein Frühsymptom von Speichelsteinen (Sialolithen) sein. Diese bestehen hauptsächlich aus Kalzium und werden per Ultraschall identifiziert.

Kleine Steine lassen sich durch eine Erhöhung des Speichelflusses „herausspülen“. Dazu kann Ihnen der Arzt einen speichelfördernden Tee aus den Blättern des südamerikanischen Pilocarpus-Strauchs (= Folia iaborandi) verschreiben.

Auch eine reichliche Flüssigkeitszufuhr, Kaugummikauen sowie saure Speisen regen Ihren Speichelfluss an und treiben den Stein aus. Größere Steine werden heute wie Nierensteine per Stoßwellen-Lithotripsie zertrümmert.

Bei akuten Verletzungen: Sofort zum Arzt!

Plötzliche starke Schmerzen und evtl. Blutungen aus dem Ohr nach äußerer Gewalteinwirkung (Wattestäbchen, Ohrfeigen, Explosionsknall), aber auch nach heftigem Naseschnäuzen weisen auf einen akuten Riss des Trommelfells hin. Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe!

Und scheuen Sie sich nicht, auch in den anderen beschriebenen Fällen fachkundigen Rat einzuholen. Denn z. B. unentdeckte Entzündungen schwächen nicht nur Ihre Immunabwehr und beeinträchtigen Ihr Wohlbefinden, sondern können Sie langfristig sogar Ihr Gehör kosten.