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Neuer Test zeigt, ob Sie ein Antibiotikum benötigen

Jeder Deutsche macht durchschnittlich zweimal pro Jahr eine Erkältung durch. Ärzte verordnen dann nicht selten ein Antibiotikum. Doch das ist oft vollkommen unnötig, denn nur 20 % aller Atemwegsinfektionen werden tatsächlich durch Bakterien ausgelöst – der große Rest durch Viren. Und gegen die sind Antibiotika schlicht machtlos! Trotzdem entfallen mittlerweile etwa drei Viertel aller Antibiotika-Verordnungen auf Erkältungskrankheiten. Für Sie bedeutet das: Sie nehmen Antibiotika ein und leiden möglicherweise an deren Nebenwirkungen, ohne dass diese Medikamente irgendeinen Nutzen für Sie haben.

Das sind die häufigsten Nebenwirkungen von Antibiotika

  • Übelkeit, Durchfall
  • Pilzinfektionen in Mund-, Darm- und Genitalbereich
  • körperliche Schwäche
  • geschwächtes Immunsystem
  • Erhöhung der Allergiegefahr

Hinzu kommt: Durch den massenhaft unbedachten Antibiotika-Einsatz werden immer mehr Bakterien resistent gegen diese Medikamente. Geht diese Entwicklung ungebremst weiter, dann könnten die längst als besiegt geltenden Infektionskrankheiten eines Tages wieder viele Menschen das Leben kosten.

Die Untersuchung erkennt, ob Bakterien wirklich die Ursache sind

Für Ärzte war es bisher schwer zu unterscheiden, ob bei Erkältungskrankheiten nur Viren oder auch Bakterien im Spiel sind. Zur „Sicherheit“ wird daher oft ein Antibiotikum verordnet. Der neue Bluttest kann diese diagnostische Lücke schließen. Er hilft daher, unnötige und mit Nebenwirkungen einhergehende Antibiotika sowie Arzneimittelausgaben einzusparen. Bei dem Test wird die Konzentration des so genannten Procalcitonins (PCT) in Ihrem Blut bestimmt. PCT ist die Vorstufe des Calcitonins ( Hormon, das den Kalzium- und Phosphat-Haushalt reguliert und bei Entzündungen vermehrt produziert wird). Normalerweise liegt der PCT-Spiegel unter 0,05 ng/ml Blut. Bei bakteriellen Infektionen steigt der Wert bis auf das 100.000- Fache an. Ist er niedriger, liegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % ein viraler Infekt vor.

Bei diesen Erkrankungen ist der Test sinnvoll:

  • Erkältung
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
  • Magen-Darm-Entzündung
  • chronische Bronchitis (COPD)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Legionellen-Infektion
  • Blutvergiftung (Sepsis)

Für den Test nimmt Ihnen Ihr Arzt etwa 5 ml Blut ab. Innerhalb weniger Stunden liegt dann das Ergebnis vor.

Der Test senkt den Antibiotika-Verbrauch um die Hälfte

Die Nützlichkeit des Tests konnte u. a. im Jahr 2004 am Kantonsspital Aarau in der Schweiz bestätigt werden. Hier wurden 243 Patienten mit Atemwegsinfekten behandelt. Bei der Hälfte der Patienten wurde nach herkömmlichen Kriterien über die Gabe eines Antibiotikums entschieden (z. B. anhand der Symptome wie Heiserkeit oder Niesen, des Röntgenbilds oder bestimmter Blutwerte). In der zweiten Gruppe wurde erst nach einem positiven PCT-Test ein Antibiotikum verordnet. Das Ergebnis: Nur 44 % der Erkrankten aus der PCTGruppe benötigten ein Antibiotikum. In der Vergleichsgruppe lag der Verbrauch dagegen doppelt so hoch.

Trotz dieser großen Differenz war der Therapie-Erfolg – gemessen in Tagen bis zur Genesung – in beiden Gruppen gleich gut. Der Test hilft aber auch Antibiotika zu sparen, wenn Sie tatsächlich an einem bakteriellen Infekt leiden. Denn mit seiner Hilfe kann Ihr Arzt den Erfolg der Antibiotika-Therapie kontrollieren. Wenn Sie gut auf die Wirkstoffe ansprechen, sinkt der PCT-Wert innerhalb von ein bis zwei Tagen deutlich ab. Dann müssen Sie die Antibiotika nur noch fünf Tage lang einnehmen – anstatt wie bisher üblich bis zu elf Tage.

Trotz dieser Vorteile übernehmen die Krankenkassen die Kosten von etwa 25 € pro Test noch nicht. Er wird von Ärzten nur als „individuelle Gesundheitsleistung“(IGeL) angeboten, die Sie aus eigener Tasche bezahlen müssen. Die neue Untersuchungsmethode kann Sie jedoch vor einer unnötigen Antibiotika-Behandlung und den damit einhergehenden Nebenwirkungen (und Kosten) bewahren. Außerdem sind Antibiotika eine sehr wertvolle Waffe, die keinesfalls durch einen unkritischen Verbrauch abgenutzt werden sollte.

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Alte Kommentare
  • Reinhold Maier schrieb am 07.10.2009, 17:56 Uhr

    Ich finde die Haltung der Krankenkassen in dieser Sache symtomatisch für das System. Dinge die Kosten sparen würden wie diese Blutuntersuchung vor einer evtl. nötigen Antibiotika-Therapie werden nicht bezahlt. Aber die Millionen die für Antibiotika Resitenzen ausgegeben werden die werden klaglos hingenommen. Ich finde das wirtschaftlich fraglich, und traurig.

  • Urs Knauss schrieb am 07.10.2009, 20:02 Uhr

    Soweit so gut. Aber was kann man bei einem Viralen Infekt eigentlich tun?

  • Brigitta Jesse schrieb am 07.10.2009, 21:44 Uhr

    ich fand den Beitrag sehr interessant. Was mich sehr wütend macht ist die immerwährende Ingoranz der Krankenkassen, diesen Test nicht zu bezahlen. Ich als mündiger Mensch, manchmal auch Patient möchte sehr wohl über ein Wahlrecht verfügen, zu entscheiden, ob ein Antibiotikum erforderlich ist oder nicht. Wie können wir hier Druck auf die Krankenkassen ausüben? MFG Brigitta Jesse

  • Tmei schrieb am 09.10.2009, 09:46 Uhr

    Da sieht mann mal wieder wie blöde die KK sind. Die Antibiotika sind sicher teurer als der Bluttest und es wird sowieso immer plädiert, dass zuviel Antibiotika verschrieben wird. Also ....

  • Walter Micke schrieb am 24.08.2010, 16:55 Uhr

    Blutdruck senkende Tabletten bewirken, dass man nicht mehr kann, wenn man will, obwohl Mann möchte. Bluthochdruck senken geht nicht! Den Blutdruck hat die Natur gemacht, damit jeder weiß, dass seine Durchblutung gestört ist, die er beseitigen muss. Darum kann man den Blutdruck auch nicht senken, solange die Ursache nicht erkannt und beseitigt ist. Weil ich chronische Nebenhöhlen Entzündung hatte, hatte ich zu hohen Blutdruck. Das hat aber keinen der Ärzte, die ich seit l980 aufgesucht habe, interessiert! Die haben mir alle nur Tabletten verschrieben, um meinen Blutdruck zu senken, bis es eines Tages fast zu spät gewesen wäre. Die Entzündung hatte mein Blut so vergiftet, dass ich gelähmt war und mich nicht mehr bewegen konnte. Der Notarzt ließ mich in ein Krankenhaus einweisen und obwohl die Ärzte wussten, dass ich eine Entzündung habe, haben die mir auch wieder nur Tabletten gegeben, um den Blutdruck zu senken. Ich hätte nur wissen müssen, dass ich mir nur Honig in die Nase träufeln muss, um meine Nebenhöhlenentzündung zu beseitigen. Stattdessen habe ich Tabletten eingenommen und unter den Nebenwirkungen gelitten Die Nebenhöhlen Entzündung, die meine Schleimhaut vertrocknet hat, versuche ich wieder zu durchbluten, indem ich Honig-Milch trinke und eine Nasen-Dusche benutze, die mit Honig-Wasser gefüllt ist. Wenn die drei HNO-Ärzte nicht abgestritten hätten, dass das Jucken in meinen Gehörgängen von den Nebenhöhlen kommt, dann hätte ich den Schlaganfall auch nicht gehabt, den ich aufgrund der Blutdrucktabletten hatte.

  • Peter schrieb am 05.01.2011, 21:28 Uhr

    Wisst Ihr, man liest sich euren Kram durch um zu erkennen das auch Ihr nur unser Bestes wollt. Unser Geld!