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Im Dschungel der frei verkäuflichen Erkältungsmittel

In Apotheken und Drogerien stapeln sich die frei verkäuflichen Mittel gegen Erkältungen in den Regalen. Diese Mittel verkürzen die Erkältung nicht. Sie helfen jedoch, einige der Symptome zu lindern.

Im Dschungel der frei verkäuflichen Erkältungsmittel

  • Antihistaminika (z. B. Benadryl) vermindern den Schleimfluss der Nase. Am besten nimmt man sie direkt zu Beginn einer Erkältung ein. Vorsicht: Antihistaminika machen müde. Die Medikamente erschweren bei Patienten mit einer Prostatavergrößerung (benigne Prostatahyperplasie) das Urinieren. Außerdem sollte man sie nicht bei bestimmten Arten des grünen Stars (Glaukom) anwenden.
  • Abschwellende Mittel (z. B. Nasivin®) lindern Schwellung und Verstopfung der Nase, indem sie die Blutgefäße der Nase verengen. Nasensprays sollte man nicht länger als 3 bis 4 Tage anwenden. Danach besteht sogar die Möglichkeit eines Rebound-Effektes, die Schwellung verschlimmert sich eventuell sogar. Die abschwellenden Mittel erhöhen den Blutdruck. Am besten vermeiden Sie ihren Gebrauch, wenn Sie an Herzerkrankungen oder hohem Blutdruck leiden oder Betablocker einnehmen.
  • Es gibt zwei Typen Hustenmittel: Hustenblocker (Antitussiva) sind Produkte, die Codein, Dextromethorphan oder Derivate hiervon enthalten. Sie vermindern die Häufigkeit des Hustens bei Personen mit hartnäckigem, trockenen Husten. Schleimlösende Mittel (Expektorantien) lösen den Schleim in den Atemwegen und erleichtern das Abhusten.
  • Als Schmerzmittel bevorzugen die meisten Menschen Paracetamol bei Schmerzen und Fieber. Aspirin und Ibuprofen gelten als gute Wahl, sie können allerdings Blutungen verursachen. Dies ist möglich, wenn die Einnahme in hohen Dosen über einen längeren Zeitraum oder gleichzeitig mit „blutverdünnenden“ Medikamenten erfolgt. Kinder meiden Aspirin am besten.
  • Kombinationen von Erkältungs- und Hustenmitteln: Diese Produkte lindern gleichzeitig mehrere Erkältungssymptome. Man nimmt sie nicht zusammen mit anderen frei verkäuflichen Medikamenten ein. Im Allgemeinen empfiehlt es sich, Kombinationspräparate gegen Erkältungen zu meiden. Benutzen Sie stattdessen Einzelpräparate, wenn diese am besten wirken. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie verschiedene Erkältungsmittel kombinieren oder wenn Sie diese mit anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten einnehmen.

Antibiotika überflüssig bei eitrigem Schnupfen

Bislang galt in der Schulmedizin die ungeschriebene Regel: Sobald das Schnupfensekret eine gelblich-grünliche Farbe annimmt, verschreiben die Ärzte Antibiotika. Diese Farbe deutet auf Eiter und damit auf eine bakterielle Infektion hin. Wissenschaftler der Universität Auckland/Neuseeland fanden in sieben Studien heraus, dass diese Therapie keinen Sinn macht.

Wie das British Medical Journal im Juli 2006 berichtete, heilte der bakterielle Schnupfen in 6 von 7 Fällen ohne synthetische Arzneimittel folgenlos aus. Antibiotika gelten nur in Ausnahmefällen, vor allem bei hohem Fieber, als notwendig. Ansonsten verursachten sie durch ihre Zerstörung der schützenden Darmflora mehr Schaden als Nutzen, betonten die Forscher. Durch zwei bis drei Nasenspülungen pro Tag mit einer 0,7-prozentigen Meersalzlösung aus der Drogerie oder Apotheke sowie Dampfbäder mit Thymian- oder Kamillenzusatz bekämpfen Sie einen bakteriellen Schnupfen zuverlässig und nebenwirkungsfrei.

Schnelle Hilfe durch Inhalation

In der kalten Jahreszeit durchbrechen Viren leichter die natürlichen Abwehrsysteme des Körpers und setzen sich in Nase und Rachen fest. Alternativ oder ergänzend zu Medikamenten verschaffen Sie sich mit Inhalationen Erleichterung. Kennen Sie noch das gute alte Kamillenkopfdampfbad gegen Husten, Schnupfen, Heiserkeit? Inhalationen haben eine lange Tradition. Die moderne Medizin entwickelte inzwischen Alternativen zum Kopfdampfbad und die dafür notwendigen Hilfsmittel. Der Hauptträger bei Inhalationen ist Wasser. Diesem mischt man Medikamente, ätherische Öle, getrocknete Heilpflanzen oder Salze bei. Das Wasser muss man für Inhalationen zu feinen Tropfen aufbereiten, die mit dem Einatem in die Atemwege gelangen.

Als Dampf (warm oder heiß) inhalieren Sie zu Mikro-Tropfen kondensiertes Wasser. Mit Luft aufgewirbeltes und in feine kleine Tröpfchen zerstäubtes Wasser bezeichnet man als Aerosol. Bei der Ultraschallverneblung, die vor allem Kurkliniken anwenden, versetzt der Ultraschall steriles Wasser in Schwingungen und es bilden sich feinste Tröpfchen. Die unterschiedlichen Wassertropfengrößen entstehen nach diesen Prinzipien direkt in den Inhalationsgeräten.

Kleinste Tropfen kommen bis weit in die Lunge

Welchen Gerätetyp Ihnen Ihr Arzt empfiehlt, hängt unter anderem von der erwünschten Tropfengröße ab: Tropfen mit einem größeren Durchmesser im Wasserdampf lagern sich weitgehend in Nase, Mund und oberem Rachenraum ab. Mittlere bis feine Tropfengrößen aus Aerosolen erreichen die großen bis kleinen Bronchien. Ausschließlich feinste winzige Tröpfchen dringen in die untersten Lungenbereiche vor.

Die Inhalationswirkung hängt nicht nur vom zerstäubten Medikament oder dem Zusatz ab, sondern zudem von der möglichen Eindringtiefe der Wassertropfen. Ein weiterer Aspekt ist die vom Gerätetyp erzeugte Wassertropfenmenge. Sie muss groß und dicht genug sein, um das Medikament in einer angemessenen Inhalationszeit an den Wirkort zu tragen. Lassen Sie sich dazu vor einem eventuellen Kauf vom Sanitätsfachgeschäft dazu beraten.

Inhalieren mit Geräten

Bei stärkeren Infektionen und chronischen Symptomen verordnen viele Ärzte Geräte zur Heimbehandlung mit entsprechenden Medikamenten. Besonders bei festsitzendem, zähem Schleim, der die Atemwege blockiert, verflüssigen sie das feste Sekret. Es löst sich dadurch von der Schleimhaut in Nase oder Rachen und verlässt über das Naseputzen oder Abhusten die Atemwege. Einfache Geräte arbeiten mit Wasserdampf, andere zerstäuben das Wasser mit Ultraschall, Druckluft oder elektrischer Kompression (Düsenverneblung).

Die Inhalation führt man mit einem Mund- oder Nasenstück durch, das dem eigentlichen Inhalationsgerät aufsitzt. Bei nicht-chronischen Infektionen helfen einfache Sprays, die Sie in den Apotheken teilweise rezeptfrei kaufen. Diese arbeiten mit einem Feuchtnebel aus großen Tropfen. Sie spülen im oberen Nasen-Rachenraum die Schleimhäute aus, reinigen sie von infiziertem Schleim und lassen sie abschwellen.

Die Kunst des Inhalierens

Selbst einfachste Behandlungen wie Inhalationen bedürfen korrekter Ausführung, um eine optimale Wirkung zu erzeugen. Deshalb sollten Sie sich vom Arzt bei der Verordnung eines Heimgerätes mit der Inhalationstechnik und Hygienemaßnahmen vertraut machen.

  • Um Ihre Familie vor einer Ansteckung und sich selbst vor einer Wiederansteckung zu schützen, waschen Sie Mund- und Nasenstücke nach der Inhalation gut ab und desinfizieren sie (beiliegende Herstellerhinweise zu Reinigung und Desinfektion beachten).
  • Damit die volle Menge an Wirkstoffen (Hub) den Zielort erreicht, atmen Sie bei verstopften Nasenwegen über die Nase ein, sodass die Dämpfe das Naseninnere schnell frei machen. Bei Beschwerden im oberen Rachenraum oder den Bronchien atmen Sie über den Mund ein.
  • Atmen Sie ruhig und tief mit Pausen zwischen den Atemzügen ein, aber nicht zu tief oder zu schnell. Eine übertriebene Atmung führt zu einer Hyperventilation, wobei Sie vermehrt Kohlendioxid abatmen. Erste ernstzunehmende Warnzeichen für eine Hyperventilation sind z. B. Kribbeln oder Zittern in den Händen, Füßen oder in der Mundregion, ein Schwindelgefühl oder leichte Sehstörungen. Bei diesen Symptomen unterbrechen Sie sofort die Inhalation, nehmen die Hände vor den Mund, um die ausgeatmete Luft mit ein paar Atemzügen wieder einzuatmen. Dann führen Sie Bewegungen aus, z. B. Arme und Beine ausschütteln.

Die Vorzüge von Großmutters Kopfdampfbad

Die traditionellen Dampfinhalationen bringen bei Erkältungen der oberen Atemwegen zwei große Vorteile: Sie lassen sich ohne großen Aufwand schnell zubereiten und benötigen keine speziellen Geräte. Beim Kopfdampfbad geben Sie heißes Wasser in eine Schüssel oder einen Topf und rühren die Zusätze ein. Das sind etwa getrocknete Kamillenblüten, Salz oder ätherische Öle.

Sie decken Ihren Kopf bis zu den Schultern mit einem Handtuch ab und beugen ihn über die dampfende Schüssel. Die Verträglichkeit des heißen Wasserdampfs regulieren Sie mit dem Abstand vom Gesicht zur Wasseroberfläche. Achten Sie auf die gebeugte Gesichts- und Körperhaltung: Sie ermöglicht dem Wasserdampf, die zu behandelnde Region zu erreichen.

Inhalieren in der Badewanne

Ist hauptsächlich die Nase betroffen, atmen Sie durch die Nase bei geschlossenem Mund ein und über den Mund aus. Sind Mund und Rachen die leidtragenden Organe, atmen Sie umgekehrt über den Mund ein und über die Nase aus. Nach dem Kopfdampfbad (nicht länger als 20 Minuten!) fördert ein kurzer Kaltreiz die Durchblutung und damit den Heilungsprozess. Waschen Sie das Gesicht mit kaltem Wasser ab. Wenn Sie fieberfrei und kreislaufstabil, hilft auch ein Inhalationsbad.

Als Zusätze eignen sich ätherische Öle und spezielle Erkältungsmischungen aus der Apotheke. Das Wasser sollte eine warme, Ihnen angenehme Temperatur haben. Wenn Sie im Badewasser liegen, decken Sie die Badewanne vom Fußende bis etwa zur oberen Brusthöhe mit einem großen Betttuch ab (gegebenenfalls auf der Wandseite beschweren oder an Saugnäpfen aufhängen) und lassen die warmen Dämpfe am Gesicht vorbeiziehen. Die Wirkung eines Kopfdampfbades ist jedoch stärker.

Keine Therapie ohne Wermutstropfen

Kräuter und Heilwässer sind zwar Naturheilmittel, schaden aber bei bestimmten Erkrankungen in Dampfbädern. Bei Lungenödem oder herzbedingter Luftnot sollten Sie nicht inhalieren. Leiden Sie unter Allergien oder Asthma, löst unter Umständen der reine Wasserdampf ohne Zusätze einen Anfall aus. Das gilt besonders bei zusätzlichen Stoffen im Wasser: beispielsweise bei ätherischen Ölen, die als Reizstoffe wirken. Hier ist Vorsicht geboten. Bei ätherischen Ölen sollten Sie generell die Dosierungsangaben der Hersteller beachten, um die Verträglichkeitsgrenze nicht zu überschreiten.

Unangenehm ist der warme Dampf für Menschen, deren (Gesichts) Äderchen leicht platzen. Für sie ist eher Kälte als Wärme angesagt. Alternativ zur Gesichtsinhalation bietet sich eine Nasenspülung (Wasser in die Nase hochziehen, danach hinauslaufen lassen) oder Gurgeln mit Emser Salz an. Für alle anderen eignen sich Wasserdampfinhalationen auch ohne Zusätze: Das Anfeuchten der Atemwege mit warmem Wasserdampf lindert Erkältungssymptome, besonders bei der trockenen Heizungsluft im Winter.

Frische Luft und Sole wirken immer!

Bei Erkältungen verkriechen wir uns am liebsten zu Hause. Das ist zwar verständlich, aber falsch, sofern Sie kein Fieber haben. Die trockene, beheizte Raumluft setzt dem Körper zu und erschwert den Heilungsprozess. Ihm fehlt der Sauerstoff und eine gute Durchblutung, um die Erkältung restlos zu bekämpfen. Inhalieren Sie Frischluft, das hilft schnell. Leichter Nebel, Regen oder Kälte sollten Sie nicht von einem Spaziergang abhalten. Als Wetterschutz gibt es warme Kleidung. Lediglich bei chronischer Bronchitis hilft feuchte Kälte nicht. Wenn Sie sich nicht zu einem Spaziergang überwinden, lüften Sie mehrmals am Tag die Wohnräume.

Regelmäßige Inhalationen mit salzhaltiger Luft wirken schleimlösend und kurbeln das Immunsystem an. Aus dem Grund gehört ein Spaziergang am Strand nahe der Meeresbrandung zu einer der besten natürlichen Inhalationsformen. Das gilt auch für einen Spaziergang durch ein Gradierwerk. Dort rieselt über Gerüste mit Dornreisergestrüpp ständig Sole, die genauso effektiv wirkt wie Meerwasser. Nicht jeder wohnt in Küstenbereichen oder Kurorten mit Gradierwerken. Ein Kurzurlaub an Nord- oder Ostsee bedeutet in vieler Hinsicht auch im Winter eine echte Erholung. Gönnen Sie sich eine „Portion natürliches Inhalat“.

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