Hildegard von Bingen - Medizin: Wer war sie?
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Sie erblickte 1098 als Hildegard zu Bermersheim bei Alzey das Licht der Welt. Obwohl von eher kränklicher Natur (sie litt beispielsweise unter heftigen Migräneattacken) wurde sie – für das Mittelalter höchst selten – stolze 81 Jahre alt. Mit acht Jahren bereits kam sie in klösterliche Erziehung im Benediktinerkloster auf dem Disibodenberg. Etwa 41 Jahre später siedelte sie in das von ihr gegründete Kloster Rupertsberg bei Bingen über und stand diesem als Äbtissin vor. Schon als kleines Mädchen erlebte sie in wachem Zustand Visionen. Viele Jahre später begann sie, diese schriftlich festzuhalten. Darüber hinaus verfasste sie naturwissenschaftlich medizinische Werke, Gedichte und Musikkompositionen.
Die mittelalterlichen Klöster waren gleichzeitig auch Zentren der Heilbehandlung. Als Heilkundige war Hildegard unermüdlich. Dabei schloss sie das ganze Universum mit ein: „In der gesamten Schöpfung sind geheime Heilkräfte verborgen, die kein Mensch wissen kann, wenn sie ihm nicht von Gott offenbart wurden.“ Sie rückte mit ihren Regeln auch die Eigenverantwortlichkeit des Menschen für seine Gesundheit in den Mittelpunkt. Auf unsere Zeit umformuliert könnte man ihre wichtigsten Lebensregeln so zusammenfassen:
- gesunde und ausgewogene Ernährung
- Fasten und Sauna zur inneren und äußeren Reinigung
- Stärkung des Körpersystems durch natürliche Heilmittel
- eine optimistische, doch demütige Lebenseinstellung
- ausreichend Schlaf und Entspannung
- in allen Dingen das rechte Maß an den Tag legen und
- die Einbettung in die göttliche Ordnung akzeptieren.
Im Prinzip stimmen ihre Vorstellungen weitgehend mit heutigen naturheilkundlichen Ansichten überein. Insbesondere der spirituelle Aspekt kommt immer mehr zum Tragen.
Neben mehreren Büchern über ihre religiösen Visionen schrieb Hildegard das neunbändige Medizinund Naturkundebuch Physica sowie zahlreiche kleinere Abhandlungen zur Krankenbehandlung – alle in lateinischer Sprache. Insgesamt enthalten sie über 2.000 Heilrezepturen. Sehr ungewöhnlich für eine Frau ihrer Zeit war ihre intensive Korrespondenz mit wichtigen kirchlichen und weltlichen Persönlichkeiten – mit denen sie allerdings teilweise verwandt war. Außerdem komponierte sie.
Forschungen der Universität Mainz zufolge sind Hildegards medizinische Ratschläge Zusammenstellungen bzw. Weiterentwicklungen der damals aktuellen Klostermedizin. Sie entstammen nicht – wie heute manchmal behauptet wird – göttlichen Visionen Hildegards.