Heiserkeit: Warum Sie Probleme mit der Stimme nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten

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Das dürfte den meisten von Ihnen bekannt vorkommen: Es kratzt im Hals, der Rachen brennt und fühlt sich wund an. Und dann versagt zu allem Überfluss die Stimme: Die Heiserkeit ist da. Heiserkeit entsteht meist als Folge einer Erkältung, wenn sich die Viren in der Schleimhaut des Kehlkopfes eingenistet haben. Doch dahinter könnte sich zum Beispiel auch eine chronische Kehlkopfentzündung verbergen.


Bei Heiserkeit sind die Stimmbänder geschwollen

Der Kehlkopf (Larynx) liegt am Eingang der Luftröhre und kann den Zugang zu den Atemwegen verschließen (z. B. um zu verhindern, dass Speisebrocken in die Luftröhre geraten). Seine zweite Aufgabe ist die Stimmbildung. Dafür verantwortlich sind vor allem verschiedene Falten der Kehlkopfschleimhaut, die so genannten Stimmlippen und die Stimmbänder. Durch vorbeiströmende Luft werden sie in Schwingungen versetzt und erzeugen – wie die Saiten einer Gitarre – Töne. Wenn die Beweglichkeit dieses Stimmapparates beeinträchtigt ist – z. B. wenn die Stimmbänder aufgrund einer Infektion mit Erkältungsviren angeschwollen sind –, dann macht sich das als Heiserkeit bemerkbar. Aber Heiserkeit kann auch ganz andere Ursachen haben.

Kehlkopfkrebs: Raucher sind ständig in Gefahr!

Vor allem wenn Sie an chronischer Heiserkeit leiden, ist absolute Vorsicht geboten. Das gilt vor allem für Raucher. Sie haben oft von vornherein eine etwas rauere Stimme, weil der ständige Rauch die Stimmbänder reizt. Daher nehmen Raucher eine länger anhaltende Heiserkeit weniger ernst. Aber es könnte sich Kehlkopfkrebs dahinter verbergen, für den Raucher besonders anfällig sind. Heiserkeit ist das erste Symptom. Schmerzen und Schluckbeschwerden kommen erst später hinzu. Als ständig heiserer Raucher sollten Sie daher einmal im Jahr eine Kehlkopfspiegelung bei einem HNO-Arzt vornehmen lassen. Zumindest sollten Sie aber direkt zum Arzt gehen, wenn sich Ihre Stimmbeschwerden verstärken. Heiserkeit ist also alles andere als nur eine harmlose Begleiterscheinung von winterlichen Erkältungen. Vor allem wenn Ihre Stimme versagt, ohne dass Sie erkältet sind, sollten bei Ihnen die Alarmglocken schrillen.

Häufige Ursachen von Heiserkeit sind:

  • Erkältungen und Grippe (akute Entzündung)
  • Überlastung der Stimme (Singen, Schreien etc.)
  • Rauchen
  • Polypen oder gutartige Wucherungen an den Stimmlippen (z. B. „Sängerknötchen“)
  • Diphtherie und Pseudokrupp
  • Lähmungen, z. B. nach Schilddrüsenoperationen
  • Schilddrüsenvergrößerungen
  • Fehlstellungen der Halswirbelsäule und des Kiefers
  • Allergien
  • Reflux-Krankheit (Sodbrennen)
  • Kehlkopfkrebs
  • psychische Ursachen
  • Medikamente (z. B. Kortison-Sprays, Antihistaminika)
  • eingeatmete Reizstoffe oder Stäube (Schutzmaske auch beim Heimwerken tragen!)

Grundsätzlich gilt: Gehen Sie zum Arzt, wenn Sie länger als 2 Wochen heiser sind. Der erste Ansprechpartner ist Ihr Hausarzt. Wenn er eine chronische Infektion ausgeschlossen hat, dann sollte er Sie an einen HNO-Arzt überweisen, der Ihren Kehlkopf z. B. mit einem speziellen Spiegel genauer inspizieren kann.

Richtiges Sprechen schont Ihre Stimme

Bei bis zu 60 % der Patienten, die mit Stimmproblemen zum HNO-Arzt kommen, lässt sich jedoch keine organische Ursache für die Heiserkeit entdecken. Vielfach ist dann einfach eine Überlastung der Stimmbänder die Ursache, z. B. durch zu lautes oder zu langes Sprechen. Das kann langfristig zu einer chronischen Entzündung der Stimmbänder führen. Dann ist nicht nur die Stimme heiser, sondern die Betroffenen klagen über ständige Schmerzen in der Halsregion.

 

Bei diesen Berufen werden die Stimmbänder oft überlastet:

 

  • Lehrer, Kindergärtnerinnen
  • Schauspieler, Sänger
  • Pfarrer, Ärzte
  • Telefonisten
  • Seminarleiter
  • Kundenberater
  • Arbeiten in lauter Umgebung (Montagehallen, Hüttenwerke etc.)

In einer Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2000 klagten 71 % der befragten Lehrer über Hals- und Stimmprobleme. Wer heute einen „Sprechberuf“ ergreifen möchte, dem raten HNO-Ärzte dazu, schon vor Ausbildungsbeginn einen Termin zur Stimmberatung zu vereinbaren. Bei dieser Untersuchung werden mögliche Schwachstellen des Stimmapparates erkannt, und es lassen sich rechtzeitig Maßnahmen ergreifen (z. B. Logopädie, Atemschulung), damit die Stimmbänder den jahrelangen Belastungen besser standhalten. Eine solche chronische Kehlkopfentzündung geht nicht immer mit einer erhöhten Schleimbildung einher. Bei einer „trockenen Entzündung“ empfinden Sie ein ständiges Kratzen im Hals und müssen sich oft räuspern. Hier ist es wichtig, die Luftfeuchtigkeit zu Hause und am Arbeitsplatz stets möglichst hoch zu halten. Sprechen Sie auch mit Ihrem Arzt, ob sich die Anschaffung eines Inhalators für Sie lohnt.

Chronische Kehlkopfentzündungen: Trockenheit, Lärm und Stress sind die Hauptursachen

Ständiges Räuspern und Heiserkeit können aber auch einfach aus einem „falschen Gebrauch“ der Stimme resultieren. Viele gestresste Menschen spannen z. B. die Muskulatur des Kehlkopfes unbewusst zu stark an. Unsichere Personen atmen beim Sprechen „gequetscht“ aus und belasten so auch die Stimmbänder. In diesen Fällen kann Sie Ihr Arzt an einen Logopäden oder Sprachtherapeuten überweisen, bei dem Sie unter Anleitung eine stimmschonende Sprechweise erlernen. Achten Sie außerdem darauf, möglichst durch die Nase einzuatmen. Permanente Mundatmung trocknet die Stimmbänder aus. Die größten Risiken für eine chronische Kehlkopfentzündung lassen sich auf die einfache Formel bringen: zu trocken, zu laut und zu viel Stress. Behalten Sie diese möglichen Ursachen ständig im Hinterkopf. Ihre Stimme wird es Ihnen danken.


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