Harnwegsinfektionen: Wer durch entzündete Harnwege gefährdet ist
unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief in Täglich Gesund zum Thema Harnwegsinfektionen
vom 8. Dezember 2008, 16:00 Uhr
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Harnwegsinfektionen sind eine der häufigsten Gründe für den Arztbesuch von Frauen. Sie spielen nicht nur bei jüngeren Frauen eine Rolle. Auch Frauen über 65 Jahren erkranken häufig an Harnwegsinfektionen. Das Risiko zu erkranken, steigt zudem bei älteren Männern, da Prostataprobleme die Funktion der Harnwege beeinträchtigen. Für im Wesentlichen gesunde ältere Erwachsene sind Harnwegsinfektionen im Allgemeinen gut behandelbar und stellen nur selten eine ernste gesundheitliche Bedrohung dar. Aus Gründen, die noch nicht vollständig bekannt sind, können allerdings manchmal Bakterien aus den unteren Harnwegen in die Nieren wandern, wo sie lebensbedrohliche Komplikationen verursachen können.
Woran Sie eine Harnwegsinfektion bemerken
Die Harnwege teilen sich in einen oberen und einen unteren Abschnitt. Der obere Abschnitt umfasst die Nieren, die Abfallstoffe und Wasser aus dem Blut herausfiltern und dabei Urin produzieren, und zwei schmalen Röhren, den Harnleitern (Ureter), die den Urin von den Nieren zur Blase führen. Die Blase ist Teil des unteren Abschnitts der Harnwege. Sie speichert den Urin, bis sie ihn über die Harnröhre (Urethra) ausscheidet.
Normalerweise ist der Urin frei von Bakterien. Doch über die Nähe des Afters können Bakterien des Enddarms in die Harnröhre gelangen. Dies ist vor allem bei Frauen der Fall. Gelangen Bakterien in die Harnröhre, kann es zu einer Harnwegsinfektion kommen, die meist auf den unteren Abschnitt der Harnwege beschränkt bleibt. Durch die Infektion werden unter anderem folgende Symptome verursacht:
- ein brennendes Gefühl beim Wasserlassen
- ein ständiger Harndrang, obwohl nur geringe Mengen an Urin abgegeben werden können
- ein drückendes Gefühl im Unterleib
- Blut im Urin
- übel riechender Urin
- eine Zunahme der Harninkontinenz
Allerdings kommt es auch vor, dass manche Menschen Bakterien im Harn aufweisen (Bakteriurie), ohne dass dadurch Symptome verursacht werden. Man spricht hier von asymptomatischer Bakteriurie. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um einen harmlosen Zustand, der nicht behandelt werden muss.
Unter bestimmten Umständen wandern Bakterien, die die Blase besiedelt haben, durch die Harnleiter zu den Nieren und verursachen dort eine ernstere Infektion. Sollten Sie Symptome oder Anzeichen verspüren, die auf eine Niereninfektion hinweisen, suchen Sie unbedingt einen Arzt auf. Hierzu gehören zum Beispiel Schmerzen in der Flanke, dem Rücken und dem Unterleib, hohes Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen. Diese Symptome können auch zusammen mit den oben genannten Symptomen einer Infektion der unteren Harnwege auftreten.
Die Wechseljahre machen Sie anfälliger
Eine der Hauptrisiken für eine Infektion der unteren Harnwege bei älteren Frauen ist die Abnahme der Östrogenproduktion, die die Wechseljahre begleitet. Gemeinsam mit dieser Abnahme kommt es zu einer Veränderung der örtlichen Abwehr gegen bakterielle Infektionen in den unteren Harnwegen. Wenn diese Abwehrmechanismen geschwächt sind, können sich Bakterien dort besser ansiedeln und sich vermehren. Bei älteren Menschen kann die Unfähigkeit, die Blase vollständig zu entleeren, ein weiterer Risikofaktor sein, da normale Entleerungsmechanismen eine wichtige Abwehrfunktion gegen Bakterien darstellen.
Bakterien werden mit dem Harn ausgespült
Vorhandene Bakterien werden mit dem Harn aus der Blase gespült, bevor sie sich ansiedeln können. Bei Frauen kann ein Blasenvorfall (Cystocele) die vollständige Entleerung der Blase erschweren. Dabei senkt sich die Blase ab und verändert ihre normale Lage im Becken.
Bei Männern wird der Harnfluss meist durch eine vergrößerte oder entzündete Vorsteherdrüse (Prostata) gehemmt. Nervenschäden können sowohl bei Männern als auch bei Frauen dazu führen, dass die Fähigkeit zur Blasenentleerung eingeschränkt ist.
3 Tage Antibiotika reichen bei leichter Infektion aus
Bei Frauen mit den Symptomen und Anzeichen einer einfachen Infektion der unteren Harnwege reicht normalerweise eine dreitägige Behandlung mit Antibiotika aus. Allerdings kann es vorkommen,
dass die Behandlung verlängert werden muss, wenn die Symptome weiterhin bestehen oder wenn sie nach Beendigung der Behandlung wieder auftreten. Männer nehmen bei einer Infektion der unteren Harnwege in der Regel für 10 bis 14 Tage Antibiotika ein. Treten bei Frauen wiederholt Harnwegsinfektionen auf, sollten weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um abzuklären, wo die Ursachen liegen. Bei Männern führt normalerweise die erste Infektion zu Untersuchungen möglicher Prostataprobleme. Eine Niereninfektion wird üblicherweise mit einer zweiwöchigen Gabe von oralen Antibiotika behandelt. Es ist jedoch nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit schweren Niereninfektionen zuerst im Krankenhaus mit intravenös verabreichten Antibiotika behandelt werden, bevor die Therapie zu Hause mit oralen Antibiotika weitergeführt wird.
Wie Sie Ihr Risiko minimieren können
Es gibt keinen sicheren Weg, Harnwegsinfektionen zu verhindern. Die beste Strategie ist, die Risikofaktoren zu beachten, die Sie beeinflussen können. Es kann helfen, viel Wasser zu trinken, regelmäßig über den Tag verteilt Wasser zu lassen und die Blase dabei so gut wie möglich zu entleeren, um möglicherweise vorhandene Bakterien herauszuspülen.
Pflanzliche Produkte, die zum Beispiel Bestandteile der Preiselbeere beinhalten, können Harnwegsinfektionen vorbeugen, und möglicherweise kann Ihr Arzt eine präventive Therapie mit Antibiotika oder eine Verabreichung von vaginalem Östrogen in Erwägung ziehen.