Hanf-Medizin kann Ihnen bei schweren Schmerzen wirksam helfen
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 13.09.2007 06:00 Uhr
GNL5356
Liebe Leserin, lieber Leser,
erstmals darf ein kranker Mensch in Deutschland unter ärztlicher Aufsicht legal Cannabis einnehmen. Eine Frau, die unter multipler Sklerose (MS) leidet, will mit der Droge ihre Schmerzen lindern. Sie hatte einen entsprechenden Antrag bei der Bundesopiumstelle eingereicht, der vor zwei Wochen positiv vom Amt beschieden wurde. Nun darf sie erst mal für ein Jahr mit offizieller Erlaubnis Cannabis nehmen, das auf der Liste der illegalen Drogen steht. Schon seit Jahren kämpfen Krebs-Patienten, MS-Kranke und andere chronisch Erkrankte dafür, die Droge legal einnehmen zu dürfen. Bei schweren Schmerzzuständen kann Cannabis als Medikament sehr hilfreich sein.
Cannabis wird aus der Hanfpflanze gewonnen. Der Hauptwirkstoff heißt THC (Tetrahydrocannabiol) und ist fast nur in weiblichen Hanfpflanzen enthalten. Als Haschisch – auch Hasch, Dope, Pot oder Shit genannt – bezeichnet man das getrocknete Harz aus den Drüsenhaaren. Marihuana – ebenfalls unter anderem als Gras, Dope, Spliff oder Weed bekannt - wird aus den getrockneten Blütenblättern, Blättern und Stängeln der Cannabisstaude gewonnen. Hasch ist fünfmal stärker als Gras.
Alle Sinneswahrnehmungen werden intensiver
Wie stark Cannabis wirkt, hängt unter anderem vom Stoff ab, ob man es raucht oder isst, wie man sich allgemein fühlt, mit wem man zusammen ist und wie oft man es konsumiert. Sinneswahrnehmungen und Stimmungen – gute wie schlechte – werden intensiver erlebt, Cannabis verstärkt bestehende Gemütslagen. Es macht entspannt, redselig und erzeugt manchmal auch Glücksgefühle. Im ganzen Körper macht sich schläfrige Ruhe breit. Cannabis lässt Hemmungen schwinden und Menschen Dinge tun und sagen, die normalerweise nicht zu ihnen passen. Es kann zu Halluzinationen und übersteigerten Geschmackserlebissen kommen. Fressattacken sind nicht selten.
Haschisch gilt für viele als Einstiegsdroge für Jugendliche in den Missbrauch von härteren Drogen und ist deswegen nach wie vor sehr umstritten. Das Krebsrisiko durch Hasch-Zigaretten ist hier fünf- bis zehnmal größer als bei normalen Zigaretten, denn Cannabis wird meist pur oder mit Tabak vermischt zu einer filterlosen Zigarette – dem Joint – gedreht. Die Teermenge von zwei Joints entspricht jener von bis zu zehn Zigaretten. Wer regelmäßig Haschisch raucht, handelt sich meist eine Bronchitis und Asthma ein. Das Immunsystem wird geschwächt. Cannabis hat ein mittelgradiges Abhängigkeitspotenzial. Bei zu häufigem Konsum ist eine Wesensveränderung typisch. Sie zeigt sich in Desinteresse, Antriebsschwäche, dem Hang zu gesteigerter Selbstzuwendung, Panikattacken, Erinnerungsverlust und Verfolgungswahn. Gefürchtet sind Horrortips und Flashbacks. Eine Studie des Mannheimer Zentralen Instituts für seelische Gesundheit beweist: Cannabis kann bei entsprechender Veranlagung Schizophrenie auslösen und verstärken.
Bei schweren Schmerzen kann Ihnen Cannabis helfen
Bei bestimmten Krankheiten entfaltet Cannabis jedoch durchaus durchschlagend positive Wirkungen. Bei Krebserkrankungen können die teils unerträglichen Schmerzen gelindert werden. Multiple-Sklerose-Kranke berichten davon, dass sich ihre Muskeln entkrampft haben und es zu weniger Spasmen (Krampfanfällen) kam. „Wenn ein Multiple-Sklerose-Patient Cannabis nimmt, kann er die ganze Nacht schlafen, die Spastik lässt nach und der Patient fühlt sich wohl“, erklärte der Pharmakologe Walter Zieglgänsberger seinen Kollegen in einem Interview mit der „Ärzte Zeitung“.
Bei Aids- und Krebs-Patienten ist durch Haschisch eine Verzögerung des Leidens zu verzeichnen. Außerdem wird der Appetit gesteigert, was bei den oft sehr geschwächten Menschen sehr hilfreich ist. Auch bei Grauem Star, Entzündungen und Depressionen soll Cannabis lindernd wirken. Die Gefahr, vom Hanfmedikament abhängig zu werden, ist deutlich geringer als beim Haschischrauchen, weil der Wirkstoff im Körper langsamer umgewandelt wird. Generell ist Hanf als Medizin ungefährlicher und schonender als die meisten anderen Medikamente, die in diesen Fällen eingesetzt werden. In den Niederlanden können die Ärzte seit dem 1. September 2003 Hanfpulver verschreiben. Es wird in Tee aufgelöst und getrunken, durch die Nase geschnüffelt oder mit einer Wasserpfeife inhaliert.
Bei diesen Leiden kann Cannabis hilfreich sein
- chronische Schmerzzustände, Migräne, Gelenkschmerzen, Migräne und Neuralgien
- durch multiple Sklerose hervorgerufene muskuläre Verspannungen, Krämpfe und Spastiken, Querschnittslähmungen, Epilepsie und Menstruationsbeschwerden
- durch eine Chemotherapie verursachte starke Übelkeit und Erbrechen bei Krebserkrankungen
- Gewichtsverlust bei Aids- und Krebs Patienten durch Unwohlsein und Appetitlosigkeit
- Glaukom (erhöhter Augeninnendruck)
- Asthma, Suchtbekämpfung, Entzugssymptome