Halten Sie sich zurück mit unnötigen Kommentaren
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 8. Oktober 2009, 06:00 Uhr
GNL5356
Kommentieren Sie nicht, was Sie nichts angeht. Manche Kranke sind eher lethargisch, andere eher hyperaktiv. Manche weinen viel, andere sind eher verschlossen, einige verstecken ihre Ängste hinter scheinbarer Fröhlichkeit oder Aggressitvität - die Auseinandersetzung mit der Krankheit hat viele Gesichter. Manche geben sich engagiert dem Kampf gegen den Krebs hin, andere scheinen sich der Erkrankung zu ergeben. Beides kann für den Betroffenen gleichermaßen richtig sein und sagt gar nichts über die Prognose aus. Die Schwere der Beeinträchtigung lässt sich an den Reaktionen nicht ablesen. Die Zeit der Auseinandersetzung mit der Diagnose, der Erkrankung, der Angst und den Veränderung hat ebenfalls ihre eigene Dauer. Der betroffene Mensch selbst entscheidet, in welchen Schritten er weitergehen will. In manchen Phasen wird er es selbst nicht auf Anhieb wissen.
Lassen Sie die Tränen laufen - sowohl bei dem Kranken als auch bei sich selbst. Sie dürfen ruhig Ihrer eigenen Verzweiflung und Ratlosigkeit Ausdruck verleihen. Lassen Sie die kranke Person reden - selbst wenn Ihnen das mit der Zeit manchmal auf die Nerven geht. Seien Sie froh über die Kommunikation. Schlimm ist es für Sie beide, wenn diese erstirbt.
Bieten Sie unmissverständlich Hilfe an, denn Kranke sind oft nicht dazu in der Lage, sich welche zu suchen beziehungsweise darum zu bitten. Sie schämen sich und scheuen sich nicht selten. Regen Sie auch gemeinsame Aktivitäten an und seien Sie nicht beleidigt, wenn Ihre Vorschläge keine Resonanz finden.
Versuchen Sie andererseits nichts zu versprechen, was Sie nicht ernst meinen oder nicht einhalten können. In der ersten Hilflosigkeit Schwerkranken gegenüber neigt man manchmal zu Versprechungen, einfach um irgendetwas zu sagen und die Leere auszufüllen - wohl wissend dass man sie am Ende nicht einlösen wird. Bleiben Sie so ehrlich wie möglich!