Hände weg von der Chelat-Therapie!
Sylvia Schneider in Täglich Gesund
vom 12. September 2011, 16:00 Uhr
GNL5356
Vielleicht haben Sie auch schon einmal von der Chelat-Therapie gehört. Die so genannten Chelatbildner werden von der Schulmedizin bei bestimmten akuten Schwermetallvergiftungen eingesetzt, um die giftigen Schwermetalle aus dem Körper zu schleusen. Sie gelangen über Umwelt, Nahrung und Luft in Ihren Körper. In der Alternativmedizin wird die Chelat-Therapie - eine Art hoch dosierte Vitamin- und Mineralstoff-Behandlung - dagegen als „Rohrfrei für die Arterien" gegen Arterienverkalkung angepriesen. Ihr wird nachgesagt, dass sie Bypässe und Amputationen verhindert, Diabetikern das Augenlicht erhält und sogar Krebspatienten das Leben verlängern kann.
Ärzte und Fachgesellschaften warnen vor dieser Therapie
Naturheilkundlich arbeitende Zahnärzte setzen die Therapie oft bei der Amalgamsanierung ein. Doch der wissenschaftliche Beweis konnte bisher nicht erbracht werden.
Amerikanische Wissenschaftler und wissenschaftliche deutsche Fachgesellschaften von Ärzten warnen vor der Methode. Nach Ansicht von Kritikern steckt hinter den Versprechungen der Chelat-Therapie nichts als Schwindel, selbst wenn sie als Reinigungs- und Ausleitungstherapie eingesetzt wird.
Die Fachleute bewerten diese Therapie auch deshalb äußerst skeptisch, weil sie mit erheblichen Risiken und Kosten verbunden sowie obendrein nicht wirksamer als ein Placebo sei. Zu einem vernichtenden Urteil kommt Professor Edzard Ernst vom Departement of Complementary Medicine in Exeter, der sich seit Jahren mit der Bewertung dieser Behandlungsform befasst und alle bislang veröffentlichten Studien analysiert hat. Er hält die Therapie für mehr als überflüssig. Bestätigt wird er durch eine Studie, in der bei den untersuchten Herzpatienten keine positiven Auswirkungen der Chelat-Therapie gefunden werden konnten. Bei einer einjährigen Nachuntersuchung waren in der Chelat-Gruppe ebenso viele Testpersonen an koronaren Herzleiden erkrankt wie in der Kontrollgruppe.
Kritisch zu bewerten ist auch die Tatsache, dass bei der Chelat-Therapie lebenswichtige Mineralstoffe und Spurenelemente mit ausgeschwemmt werden. Dadurch kann es zu einer Störung des Kalziumstoffwechsels kommen sowie in dessen Folge zu Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen und Nierenversagen.
So soll die Chelat-Therapie wirken
Die Chelat-Therapie besteht aus einer Serie von 20 bis 25 Infusionen aus dem Wirkstoff EDTA (Ethylen-Dimanin-Tetra-Acetat, das Salz einer Aminosäure) und anderen Chelatbildnern. Diese Stoffe können auch in Form von Tabletten oder Zäpfchen eingesetzt werden.
Wie die Scheren eines Krebses (griechisch: chelat = Krebsschere) soll dieser Cocktail im Organismus schwer lösliche Schadstoffe umfassen und sie schonend über die Nieren ausscheiden. Die Chelat-Therapie wird von Heilpraktikern und vielen alternativmedizinisch tätigen Ärzten nach eigenen Aussagen mit großem Erfolg eingesetzt. Entscheidend dabei sei, dass EDTA metallische Katalysatoren abfange, die die Bindung der gefürchteten freien Radikale fördern. Das sind jene Zellteilchen, die unter anderem für die Entstehung von Krebs und Alterungsprozessen verantwortlich gemacht werden. Dadurch sollen die Adern geputzt und Arteriosklerose aufgehalten werden, die Zellen sollen wieder wie neu funktionieren.
Neuerdings wird behauptet, dass die Schwermetalle die Funktion der Mitochiondrien (der Kraftwerke der Zellen) behindern und eine so genannte „Mitochondriopathie" bewirken. Hierbei handelt es sich jedoch um ein von geschäftstüchtigen Alternativmedizinern konstruiertes Leiden mit nicht eindeutig festzumachenden Beschwerden. Also Vorsicht!
Es handelt sich hier um reine Geldschneiderei
Mit der Chelat-Therapie werde die Durchblutung entscheidend verbessert, sagen ihre Anhänger. Viele Ärzte und Heilpraktiker berichten sogar, dass damit drohende Bypass-Operationen der Herzkranzgefäße vermieden werden konnten. Selten werden die Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Gelenkschmerzen oder Muskelkater erwähnt. Relativ häufig hingegen klagen die Patienten über ein Brennen an der Einstichstelle für die Infusion.
Pro Infusion müssen Sie zwischen 100 und 150 € zahlen. Circa 20 Infusionen gelten als das Wirkminimum. Dazu kommen je nach Lebensalter und weiteren Krankheiten zusätzliche Infusionen. Die Anzahl verdoppelt sich beispielsweise, wenn ein Diabetes und gleichzeitig eine Gefäßkrankheit vorliegen. Damit kommt eine ganz erkleckliche Summe zusammen, die Sie aus eigener Tasche bezahlen müssen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen nichts, da die Chelat-Therapie wissenschaftlich nicht abgesichert ist.
Mein Fazit: Von dieser Therapie sollten Sie besser Abstand nehmen!
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Helmut (12.09. 2011 16:49 Uhr):
Mir welchen Methoden leitet die Schulmedizin Schwermetalle aus. Wird dies schulmedizinisch überhaupt praktiziert und mit welchen Nebenwirkungen muß hier gerechnet werden? Für eine Antwort wäre ich dankbar.
Antworten - Kommentar von jacky (12.09. 2011 20:13 Uhr):
danke ,bin froh das ich das nicht gemacht habe
Antworten - Kommentar von Sabine Wachsmann (12.09. 2011 23:18 Uhr):
Was die Chelat-Therpie anbelangt, werde ich mir Gedanken machen. Edzard Ernst ist für mich kein Masstab - in seinen regelmässigen Beiträgen für Komplementär-Medizin einer Schweizer Sonntagszeitung lässt er an allen komplementären Richtungen nicht ein einziges gutes Haar... Wir fragen uns hier in der Schweiz regelmässig, was er eigentlich in Exeter an seiner komplementär-medizinische Fakultät so lehrt??
Antworten - Kommentar von Regina (28.10. 2011 21:12 Uhr):
Die Chelat-Therapie mit DMSA kombiniert mit intravenösem Sau- erstoff begeistert mich völlig. Herz- brennen, -stechen und Ring um die Brust sind weg. Zittern der Arme, Knie und des Wackeln des Kopfes beendet. Schwächegefühl der gesamten linken Körperhälfte ist verschwunden. Ohrsausen weg. Gedächnis und Konzentration verbessert. Eine ziemlich schmerz- hafte Wunde, die sich trotz teurer Hege und Pflege durch 4 !!! Schul-mediziner während zweier Monate nur vergrössert hat, ist nach 4 Infusionen durch meinen HP einfach verheilt. Diese Art von Therapie wird leider von der Kranken Kasse nicht unterstützt. Dafür werden quecksiberhaltige Impfstoffe durch sie finanziert. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mir diese Art von Therapie ermöglicht haben.
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