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Menstruation: Pillen-Blutung nur für die Seele

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Übersichtsseite Menstruation


Eigentlich ist diese Entzugsblutung so etwas wie ein kosmetisches ZyklusMake-up und gar nicht nötig. Die Frauen, die mit der Pille verhüten, könnten ohne weiteres darauf verzichten, völlig problemlos, ohne körperliche Nachteile, sagen Gynäkologen heute. Die Verwenderinnen müssen nur die Pille durchgehend einnehmen und hätten keine Regel mehr. Die Pillenhersteller haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass Frauen die Pille besser akzeptieren und emotional besser „vertragen“, wenn der natürliche Zyklus simuliert wird. Die Abbruchblutung dient dazu, die Pillen-verwenderinnen zu beruhigen und ihnen zu signalisieren, dass ihr Körper einwandfrei funktioniert – also ein Schmankerl für die Seele.

Bis zu 450 Blutungen im Leben

Das gilt für die Pille. Bei Hormonimplantat und Hormonspirale, beide recht neu auf dem Markt, können die Abbruchblutungen nicht gesteuert werden, ebenso wie bei der Dreimonatsspritze. Die Hormone werden über längere Zeit kontinuierlich an den Organismus abgegeben. In dieser Zeit findet eine regelmäßige Blutung oft nicht mehr statt, bei manchen Frauen fällt sie gänzlich aus. Grund genug, sich vorher zu überlegen, wie wichtig einem denn die Menstruation überhaupt ist.

„Schluss mit der lästigen Bluterei“ provozierten kürzlich zwei Wissenschaftlerinnen in der renommierten amerikanischen Medizinzeitschrift The Lancet. Die Blutung sei kein „Gral der heiligen Weiblichkeit“. Sie rechnen vor, dass wir modernen Frauen auf 450 Blutungen in unserer fruchtbaren Phase kommen, unsere Urahninnen brachten es durch Schwangerschaften und Stillzeiten auf gerade mal 150. Die Blutungsgegnerinnen glauben, der allmonatliche Beschuss mit Zyklushormonen könne sogar schädlich sein. Tatsächlich wird spekuliert, ob die Zunahme der Endometriose auf diesen Umstand zurück zuführen sein könnte.

Menstruation: Flüssig bis überflüssig?

„Wer braucht schon eine Periode?“ fragt auch die angesehene „Time“ und berichtet über neuere Entwicklungen von Pillen, mit denen sich der Zyklus bewusst steuern lässt. So testen Forscher der Eastern Virginia Medical School in Norfolk eine neue Verhütungspille namens Seasonale. Sie soll die Zahl der Blutungen auf vier im Jahr verringern. Die Verwenderinnen sollen am Ende ihre Zyklen gewissermaßen nach ihren persönlichen Bedürfnissen an- und abschalten können.

Zwölf Wochen lang nehmen die Frauen Seasonale, das wie herkömmliche Pillen aus Gestagen und Östrogen besteht, ein. Dann folgt eine Woche Pause mit einer nur minimalen Abbruchblutung.Wenn die Versuche positiv verlaufen und die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA zustimmt, soll Seasonale in zwei Jahren in den US-Apotheken liegen.

Risiken nicht ausgeschlossen

Doch da die neunwöchige ununterbrochene Östrogeneinnahme Risiken mitsich bringt – wie etwa ein höheres Schlaganfall- und Brustkrebsrisiko – gibt es auch schon andere Forschungsansätze, die monatliche Blutung zu eliminieren. Pharmaforscher aus Santa Monica arbeiten an einer Methode, die die natürlich im Körper kreisenden Geschlechtshormone grundsätzlich auf ein niedriges Niveau absenkt. An der McGill Universität in Montreal wird an einer „Karriere-Pille“ gewerkelt. Sie soll die Eierstöcke in Hab-Acht-Stellung halten bis der Kinderwunsch realisiert werden soll. Unklar ist derzeit allerdings, ob die Eizellen dabei so geschont bleiben, dass gesunde Babys auf die Welt kommen.

Wenn Sie weniger daraus machen wollen

Wenn Sie Ihre Blutung loswerden oder gelegentlich verschieben wollen, besprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt, ob das für Sie in Frage kommt. Bei jedem Präparat gibt es andere Einnahmeregeln zu beachten. Wenn Sie nicht mit der Pille verhüten, sollten Sie nachfragen, ob Sie sie zur der Regelverschiebung verschrieben bekommen können.

Auf Dauer wollen die meisten Frauen aber dennoch ihre Blutung gar nicht los sein. Selbst unter den jüngeren lässt sich dies feststellen. Aus der Psychologie weiß man, dass bei der Menstruation nämlich auch das Unterbewusste eine mächtige Rolle spielt – und das ist ganz schön altmodisch. Es passt sich modernen Entwicklungen nur in langsamen Schritten an.

Entwicklungsgeschichtlich besehen sind wir alle nur auf der Welt, um uns zu vermehren. Der ganze Organismus dient diesem Zweck. Selbst unser Gehirn hat letztlich keine andere Aufgabe – auch wenn wir das nicht gerne hören. Deshalb lässt es sich nicht einfach übertölpeln: Tief in ihrem Innern will eine Frau einfach fruchtbar sein.Das zeigen viele Studien über Verhütungsmittel.

Frauen wollen ihre Blutung

Gerade diese Urgefühle sind es, die Frauen immer wieder unbewusst zu schaffen machen. Obwohl sie im Moment wirklich kein Kind wollen – etwa weil es gar nicht zur Debatte steht, nicht passt oder weil sie schon welche haben – kann es passieren, dass sie schwanger werden, weil ihnen unbewusst Verhütungspannen passieren.

Die Pillenhersteller beschäftigen sich seit langem intensiv damit, warum es in manchen Situationen zu so genannten Einnahmefehlern kommt. Nicht selten ist ein unterdrückter Kinderwunsch der Auslöser, sagen sie. Auch der Wunsch, die Spirale oder das Hormonimplantat wieder entfernen zu lassen, liegt häufig darin begründet, dass die Frau beunruhigt ist, weil ihre Regel ausbleibt und ihr einfach etwas fehlt. Der Organismus der Frau scheintwie eine innere Uhr unbestechlich auf den Vierwochen-Rhythmus eingestellt zu sein.

Komme, was da wolle

Verhütung ist immer ein Kompromiss zwischen Leidenschaft und Vernunft, zwischen Lust und Spontaneität, Verantwortungsgefühl und Planung. Einerseits ist es verführerisch und modern, die Regel einfach „wegzubea-men“, andererseits empfinden viele Frauen – vor allem je älter sie werden – eine Art „Bestimmung“ durch die Natur. Schwanger werden zu können scheint eine Potenz zu sein, die eben auch dann wichtig ist, wenn es nur theoretisch möglich wäre. Ohne Regel ist eine Frau keine Frau. Zu fragen wäre eher, warum so viele Frauen so auf Kriegsfuß mit ihrer Regel stehen, dass sie diesen normalen Vorgang loswerden möchten und warum so viele Frauen heute Probleme mit Zyklus und Blutung haben.

Deswegen wird die Pille wohl auch noch eine ganze Weile die Verhütungsmethode der Wahl bleiben. Denn sie schenkt Frauen die Option, selbst entscheiden zu können, wie sie es für sich halten wollen – auch ohne groß jemand anderes fragen zu müssen. Jede kann entscheiden, ob ihr die Regel gerade ins Konzept passt oder nicht und wenn ja, wann. Die meisten Frauen werden vielleicht nur gelegentlich die Blutungen ihrem Lebensrhythmus und den Ereignissen etwas anpassen.


Mann greift sich an den Kopf

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