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Mastopathie: Schmerzhafte Veränderung des Brustdrüsen-Gewebes

Für eine Frau ist es beängstigend, einen Knoten in der Brust zu finden. Doch es ist wichtig zu wissen, daß der größte Teil der Brustknoten gutartig ausfällt; so auch beim Krankheitsbild der fibrös-zystischen Mastopathie.

Mastopathie: Krankheit oder Normalzustand?

Die weibliche Brust ist ein flüssigkeitsproduzierendes Organ. In den meisten Fällen ist die Produktion so gering, dass sie sofort aufgesogen wird.

Unter bestimmten Bedingungen (Stress; Anstieg des milchfördernden Hormons Prolaktin) bildet sich mehr Flüssigkeit und sammelt sich eventuell in Bläschen (Zysten) oder den Milchgängen an  (Duktektasie).

Etwa jede 5. Frau sucht die gynäkologische Praxis wegen Beschwerden auf, hinter denen eine fibrozystische Mastopathie steckt. Dabei meint fibrozystisch eine Vermehrung und Verhärtung von Bindegewebe, teilweise mit Bildung von Zysten.

Tatsächlich kommen Mastopathien viel häufiger vor, so dass man eine geringfügige Mastopathie fast als physiologisch (körperlich-normal) und nicht als krankhaft ansieht, wenn sie keine Beschwerden bereitet.

Gutartige Knoten in der Brust

Bei der öffentlichen Aufmerksamkeit gegenüber Brustkrebs vergisst man leicht, dass Brustknoten und knotige Verhärtungen in den meisten Fällen nicht lebensbedrohlich sind.

Im Gegenteil: Sie stellen i. d. R. harmlose Symptome einer Gewebe-Veränderung dar, die man als fibrös-zystische Mastopathie bezeichnet.

Im eigentlichen Sinne handelt es sich nicht um eine Erkrankung, sondern um einen Umbau-Prozess. Dieser ist auf die monatlichen Hormon-Zyklen der Frau in der Geschlechtsreife zurückzuführen.

Vielfältige hormonabhängige Umbau-Vorgänge des Brustdrüsen-Gewebes betreffen dabei v. a. Frauen im Alter von 35 – 50 Jahren. Danach tritt die Mastopathie viel seltener auf oder verschwindet wieder.

Die Ernährung beinflusst ebenfalls die Bildung dieser Knoten und Knötchen. Sie treten üblicherweise im oberen äußeren Quadranten einer oder beider Brüste auf.

Frauen mit Mastopathie weisen auch kein größeres Risiko für Brustkrebs auf als Frauen ohne solche Beschwerden.

Wenn Östrogene das Übergewicht bekommen

Die Ursachen der Brust-Veränderungen sind nicht restlos geklärt. Doch scheint ein Ungleichgewicht von Östrogenen und Gestagenen die wichtigste Rolle zu spielen. Ein deutliches Übergewicht von Östrogenen über die Gestagene gilt daher als wichtigste Ursache einer Mastopathie.

Dafür sprechen die wechselnden Beschwerden im Verlauf des Menstruations-Zyklus.

Eine nicht unbedeutende Rolle spielt offenbar auch das frühere Stillverhalten: Frauen, die nicht stillten, leiden auffallend häufiger an einer Mastopathie als jene mit langen Stillzeiten.

Mastopathie: Anzeichen

Zu den charakteristischen Zeichen einer Mastopathie zählen:

  • Schmerzen,
  • Spannungsgefühl
  • und Schwellung der Brüste

etwa 1 Woche vor Einsetzen der Menstruation.

Die Drüsen-Körper der Brust fühlen sich höckerig an. Sie sind nicht mit der Umgebung verwachsen, sondern gut verschieblich gegenüber der Haut und auf ihrer Unterlage, dem Brustmuskel.

Die Verhärtungen haben Kirschkern- bis Haselnuss-Größe. Die Medizin unterscheidet:

  • gleichmäßige Schwielen,
  • Zysten
  • und grobknotige Mastopathie-Formen.

Nicht selten beobachtet die betroffene Frau eine Flüssigkeits-Absonderung aus der Brustwarze. Dieses Sekret ist klar, blutig, weißlich eingedickt oder auch dunkelbraun-grünlich sowie fadenziehend.

Bei diesen Anzeichen sollten Sie eine gynäkologische Praxis aufsuchen.

Meist sind es die selbst ertasteten  „Knoten“, welche der Frau Angst machen. Der Arzt fragt nach der Vorgeschichte und den gegenwärtigen Beschwerden.

Aus dem Grund empfiehlt es sich, Ihren Menstruations-Kalender mitzunehmen, auf dem Sie die Zeiten der Brustschwellungen und -schmerzen notieren. So erkennt Ihr Arzt auf einen Blick, in welcher Zyklus-Phase Sie sich befinden.

Gutartige und bösartige Knoten

Nach Schätzungen des amerikanischen Nationalinstituts für Krebsforschung kommen bei 50% der Frauen Knoten in der Brust vor.

Ohne eine mikroskopische Gewebe-Untersuchung ist es unmöglich, den Knoten als bösartig oder gutartig einzustufen. Gutartige wie bösartige Veränderungen der Brust weisen jedoch Besonderheiten auf.

Allgemeine Anhaltspunkte

  • Gutartige Brust-Verdickungen oder Knoten weisen scharfe Umrisse auf und lassen sich in der Brust leicht verschieben. Weiche Knoten, die Sie hauptsächlich vor der Menstruation spüren, gelten im Allgemeinen als gutartig.
  • Bösartige Brust-Verdickungen treten üblicherweise einzeln auf, fühlen sich hart an und zeigen keine scharf umgrenzten Ränder. Sie lassen sich in der Brust schwer bewegen und fühlen sich an, als verwachsen sie mit anderem Gewebe. Bösartige Knoten sind üblicherweise nicht schmerzhaft. Eine Einziehung der Haut, eine erst seit Kurzem auftretende Einziehung der Brustwarze sowie die Entleerung bluthaltiger Flüssigkeit aus der Brustwarze stellen Symptome von Brustkrebs dar.

Wenn Sie einen Knoten spüren, der nach der Menstruation nicht an Größe abnimmt, müssen Sie ihn ärztlich untersuchen lassen!

Diagnostik von Brustknoten

Die körperliche Untersuchung – und insbesondere das Abtasten der Brust – sollte wegen der prämenstruellen Schwellung möglichst nach der Menstruation erfolgen oder sich dann wiederholen.

Dies kann der Arzt durch  weitere diagnostische Verfahren ergänzen.

Sie dienen zur sogenannten Differential-Diagnostik, wenn die Abgrenzung einer knotigen Mastopathie gegenüber Tumoren anderer Ursache oder einem Mammakarzinom schwierig sein sollte.

Zur Beurteilung von Verhärtungen in der Brust setzen die Ärzte folgende Untersuchungs-Methoden ein:

  • Palpation – Durch Abtasten mit den Händen untersucht der Arzt die Brust auf Verhärtungen.
  • Mammographie (Röntgen der Brust) Dies kommt seltener infrage, weil damit die mastopathische Brust wegen ihres dichten Gewebes schwerer zu beurteilen ist: Durch diese Röntgen-Untersuchung der Brust mit geringer Strahlen-Belastung stellt der Arzt fest, ob Knoten vorhanden sind und ob sie mit großer Wahrscheinlichkeit gutartig oder bösartig sind. Setzt man nur die Mammographie als Diagnose-Verfahren ein, ist der Befund zu 85% zuverlässig. Benutzen Sie diese in Kombination mit Abtasten, steigt die Verlässlichkeit. Die Mammographie eignet sich zur Erkennung von kleinen und großen Knoten.
  • Ultraschall (Sonografie) Er zeigt Zysten und Milchgangs-Veränderungen: Hier kommen Hochfrequenz-Schallwellen zum Einsatz, um ein optisch wahrnehmbares Bild vom Brust-Inneren zu erhalten. Durch diese Methode erhält man keine Informationen darüber, ob ein Knoten gutartig oder bösartig ist. Eine Ultraschall-Untersuchung zeigt, ob ein Knoten mit Flüssigkeit gefüllt (Zyste) oder fest ist. Bei einem festen Knoten empfiehlt der Arzt ggf. eine Biopsie (Gewebe-Entnahme).
  • Punktion / Aspiration (Absaugen) Individuell ist bei einem unklaren Tastbefund zur genaueren Unterscheidung unter Umständen eine solche für die Zell-Untersuchung notwendig: Mit einer feinen Nadel entnimmt man Flüssigkeit oder Zellen aus dem Knoten. Wenn der Arzt blutfreie Flüssigkeit aus einem Knoten absaugt, handelt es sich bei dem Knoten i. d. R. um eine gutartige Zyste. Ist die Flüssigkeit blutig, untersucht er sie unter dem Mikroskop auf Krebszellen. Einem festen Knoten entnimmt man ebenfalls Zellen für eine mikroskopische Untersuchung.
  • Biopsie (Gewebe-Probe) Oder es ist eine kleine Gewebe-Entnahme nötig: Dabei gewinnt man eine winzige Menge Gewebe für die histologische (feingeweblich-mikroskopische) Untersuchung. (Diese wiederum nutzt man für die klinische Einteilung der Mastopathie, aus der die Experten auf die Gut- oder Bösartigkeit der Veränderungen schließen.) Der Arzt entfernt also ein kleines Stück Gewebe operativ aus der Brust, um es auf Krebszellen zu untersuchen.

Behandlungs-Opionen bei Mastopathie

Steht die Diagnose Mastopathie fest und konnten Veränderungen in Richtung Bösartigkeit ausgeschlossen werden, hängt die Therapie-Entscheidung von 2 Dingen ab:

  1. den medizinischen Gegebenheiten
  2. dem Leidensdruck der betroffenen Frau.

Nicht wenige Frauen haben eine so ausgeprägte  Angst vor Brustkrebs, dass ihnen nur mit der operativen Entfernung der Mastopathie-Bezirke geholfen werden kann.

Eine Operation ist nur selten nötig

In unklar gebliebenen Fällen – aber nur als allerletzte Möglichkeit für Frauen mit extremer Krebs-Angst! – ist die  operative Beseitigung der Knoten angezeigt.

Diese werden mit einem ausreichenden Sicherheits-Abstand im gesunden Gewebe entfernt. Dabei wird auf ein kosmetisch befriedigendes Ergebnis großer Wert gelegt.

Nur unter strengster Indikation, d. h. wenn starke Beschwerden nicht anders gelindert werden können, kann heute die sogenannte subkutane Mastektomie durchgeführt werden.

Das ist die Herausnahme des gesamten Brustdrüsen-Körpers, möglichst in einem Stück, wobei die äußere Hülle, also Haut und Brustwarze, sowie ca. 5 – 15% des Brustgewebes belassen wird.

Wenn die Frau die flach gewordene Brust nicht hinnehmen will, kann sie gleich oder später eine Rekonstruktion vornehmen lassen.

Mit der subkutanen Mastektomie soll in Risiko-Fällen einer Krebsentartung vorgebeugt werden. Meist bedeutet ein solcher Eingriff jedoch allenfalls eine Minderung des Risikos.

Die Hormon-Therapie

I. d. R. wird eine Behandlung mit Hormon-Präparaten ausreichen. Sie zielt auf die Rückbildung der Brustdrüsen-Veränderungen und v. a. auf die Schmerzen sowie das Spannungs-Gefühl ab.

In Frage kommen z. B. Gestagen-Präparate oder Gonadotropin-Hemmer wie Danazol (Gonadotropine sind Hormone der Hirnanhangsdrüse). Da keines dieser Mittel nebenwirkungsfrei ist, wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin das für Sie jeweils bestgeeignete herauszufinden versuchen.

Die Therapie dauert i. d. R. 3 – 6 Monate.

Nach Absetzen der Medikamente kommt es allerdings vor, dass die Beschwerden erneut auftreten und die Therapie wiederholt werden muß. Unerlässlich sind dabei regelmäßige Kontroll-Untersuchungen.

Was außer Hormonen noch infrage kommt

  • Oft wird den Frauen ein pflanzliches Präparat aus den Früchten des Agnus castus (Keuschlamm, auch Mönchspfeffer genannt) verordnet, das sie lange nehmen können. Es stimuliert den Gelbkörper und führt damit zu einer vermehrten Gestagen-Freisetzung, die das Gleichgewicht zwischen Östrogenen und Gestagenen wieder herstellt.
  • Ergotamin-Präparate (normalerweise bei niedrigem Blutdruck und in der Migräne-Vorbeugung eingesetzt) verbessern den venösen Rückfluß aus dem Gewebe und mindern so die Schwellung. Sie kommen aber wegen ihrer Nebenwirkungen, v. a. der Blutdruck-Erhöhung, nicht für jede Frau infrage.
  • Vitamin B1 fördert den Abbau der Östrogene in der Leber und sorgt somit für einen Ausgleich des hormonellen Ungleichgewichts.

Auch Akupunktur, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Homöopathie sind erfolgversprechend; insbesondere bei Mastopathie, die nicht vom Zyklus abhängt.

Beachten Sie die Nebenwirkungen

Nebenwirkungen der medikamentösen Behandlung der Mastopathie treten zwar meist nur vorübergehend auf, sie sollten der Frau aber unbedingt bekannt sein, damit sie sich nicht unnötig ängstigt.

  • So können Gestagene im 1. Therapie-Zyklus die Beschwerden zunächst einmal verstärken. Außerdem erhöhen sie das Risiko einer Thrombose und sind für gefährdete Frauen daher nicht geeignet.
  • Unter Kombinations-Präparaten (Östrogene + Gestagene) setzen gelegentlich Schmier- oder Zwischen-Blutungen ein.
  • Gonadotropin-Hemmer können Akne, Gewichts-Zunahme und vermehrte Körper-Behaarung zur Folge haben.

Weitere Linderungs-Maßnahmen bei Mastopathie

Wenn die knotigen Verhärtungen Ihrer Brust bewiesenermaßen gutartig sind, tragen folgende Maßnahmen zu einer Linderung Ihrer Beschwerden bei:

  • Kaufen Sie sich einen speziellen BH: Durch einen maßgefertigten BH für tagsüber und eventuell einen für die Nacht fühlen Sie sich unter Umständen wohler.
  • Senken Sie Ihren Koffein-Konsum: Einige Frauen berichteten über eine deutliche Besserung, nachdem sie ihren Konsum von Kaffee, Tee, Cola, Schokolade und koffeinhaltigen Medikamenten senkten.
  • Schränken Sie Ihre Salz-Zufuhr ein: Eine Einschränkung des Salz-Verbrauchs 10 Tage vor der Menstruation reduziert die Schwellungen.
  • Ziehen Sie Schmerzmittel in Betracht: Ggf. reicht die Einnahme rezeptfreier Schmerzmittel, um sich wieder wohler zu fühlen.
  • Vitamin E kann helfen: Ein kleiner Prozentsatz von Frauen berichtet über eine drastische Reduzierung der Schmerzen und Knoten durch die Einnahme von Vitamin E. Bedenken Sie, dass hohe Dosen jedoch auch schädlich sein können!

Mastopathie: Das können Sie selbst tun

Auch Sie selbst können viel zur Linderung Ihrer Beschwerden beitragen – Voraussetzung ist allerdings auch hierfür, dass die Mastopathie abgeklärt und ihre Gutartigkeit sichergestellt wurde:

  • Gegen die Hauptbeschwerden – Schmerzen und Spannungsgefühl – helfen oft Alkohol-Umschläge und alkoholhaltige Gel-Zubereitungen.
  • Auch ein Hirudoid-Gel, das normalerweise bei Venenstau und Blutergüssen verwendet wird, kann die Beschwerden lindern.
  • Ähnlich wirken Pflanzen-Extrakte mit Gestagen-Effekt in Salbenform und Gele mit essentiellen Fettsäuren. Lassen Sie sich diesbzgl. ärztlich oder in der Apotheke beraten.
  • Manche Frauen finden erhebliche Erleichterung mit heißen Packungen, indem sie in heißes Wasser getauchte Handtücher auflegen (Vorsicht: Nicht verbrühen!).
  • Anderen wiederum helfen ansteigende Armbäder oder Prießnitz-Brustwickel.
  • Mit diätetischen Maßnahmen, nämlich dem Verzicht auf Kaffee, Tee und Schokolade (s. o.), soll der Körper keine Methylxanthine mehr erhalten, die für die Beschwerden mitverantwortlich gemacht werden. Wenn auch nicht wissenschaftlich gesichert, kann sich ein Versuch doch allemal lohnen.

Befragen Sie Ihren Arzt!

Wenn keine der oben aufgeführten Maßnahmen hilft, empfiehlt Ihnen Ihr Arzt vielleicht  orale Verhütungsmittel oder andere Medikamente. Bei einer Zyste mindert er durch Aspiration der Flüssigkeit den Druck oder er entfernt die Zyste in seltenen Fällen operativ.

Bedenken Sie, dass die Mehrzahl der Brustknoten nicht bösartig ist. Für den überwiegenden Teil der Frauen mit Veränderungen der Brust besteht, wie schon zu Beginn erwähnt, kein erhöhtes Krebsrisiko.

Dennoch: Lediglich ein Arzt kann die Diagnose stellen. Teilen Sie Ihrem Arzt jede Veränderung mit!