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Gebärmutterhalskrebs: Ursachen, Hintergründe, Untersuchungs-Methoden

Bei Umfragen unter amerikanischen Frauen wussten 76% nicht, dass Humane Papillomaviren (HPV) den gefürchteten Gebärmutterhalskrebs (Zervix-Karzinom) verursachen können.

Hätten Sie das gewusst – und, dass Sie sich mit einem Kondom relativ gut vor einer Ansteckung schützen können?

Ein neues Testverfahren ermöglicht die Feststellung des Erkrankungs-Risikos gefährdeter Frauen bereits vor dem Auftreten sichtbarer Schleimhaut-Veränderungen. Auf diese Weise braucht keine Frau mehr Angst vor Gebärmutterhalskrebs zu haben; geschweige daran zu sterben – vorausgesetzt, sie nimmt die Chance der Vorsorge-Untersuchungen wahr.

Durch Geschlechtsverkehr übertragene Viren

Einerseits gilt Gebärmutterhalskrebs weltweit als zweithäufigste Krebs-Erkrankung von Frauen. Andererseits ist dies die einzige Krebs-Art, von der man weiß, wie und wodurch sie entsteht – und wie sie zu verhüten ist.

Erste Veränderungen der Schleimhaut kann der Arzt bei der Vorsorge-Untersuchung erkennen und vor Ausbruch der eigentlichen Krebs-Erkrankung erfolgreich behandeln. Die Frau ist im Anschluss gesund.

Die beim Geschlechtsverkehr übertragenen Humanen Papillomaviren (HPV) lösen das Zervix-Karzinom aus (s. o.). Bei enthaltsamen Nonnen trat hingegen beispielsweise nie Gebärmutterhalskrebs auf.

Bis zu 80% aller Frauen infizieren sich irgendwann mit solchen Viren. Bei den meisten heilt eine Infektion ohne Beschwerden oder fatale Folgen aus und sie sind danach immun gegen dieses spezielle Virus. Wie kommt es aber dann zu einem Zervix-Karzinom?

Gefährliche und ungefährliche Papillomaviren

Es gibt mindestens 100 verschiedene Typen von Papillomaviren, von denen die einen harmlos und andere wiederum krebserregend sind. Vor letzteren gilt es sich zu schützen.

Einige der HP-Viren verursachen Warzen (Kondylome) im Genital-Bereich, die sich meist bis in den Anal-Bereich ausdehnen. Solche Feigwarzen sind unschön, jucken und stören, sind aber im Grunde gutartig.

Da es aber verschiedene Sorten von Warzen gibt, sollte sich jede Frau mit Warzen-Gebilden im Genital- und/oder Anal-Bereich einer frauenärztlichen Untersuchung unterziehen.

Der Arzt entfernt sie ambulant unter Vollnarkose oder Lokal-Anästhesie. Trotzdem wachsen sie oft einige Monate später nach.

Gebärmutterhalskrebs: Vorsorge-Tests retten Leben

Bestimmte Typen der HP-Viren scheinen äußerst gefährlich zu sein: Die hochriskanten HPV-Arten steigen zur Gebärmutter auf und setzen Läsionen (Präkanzerose oder zervikale Dysplasie) in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses.

Behandelt man diese Läsionen nicht, können sie sich zu malignen (bösartigen) Zellen entwickeln.

Je früher der Arzt Veränderungen der Gebärmutterhals-Schleimhaut feststellt, desto früher und erfolgreicher kann er solche Läsionen sanieren. Das Gute ist nämlich, dass sich der Krebs in den meisten Fällen erst 10 – 20 Jahre nach der Infektion durch HP-Viren entwickelt.

Aus diesem Grund gelten die gynäkologischen Vorsorge-Untersuchungen als so wichtig. Sie stehen jeder Frau ab 20 Jahren kostenlos zu, aber leider nutzen lediglich knapp 30% sie regelmäßig.

Die Vorsorge-Untersuchungen

Bei der Vorsorge-Untersuchung streicht der Arzt mit einem Wattetupfer oder Bürstchen Zellen von der Schleimhaut des Gebärmutterhalses ab und überträgt sie auf ein Glasplättchen. Dieses schickt er in ein Spezial-Labor ein, wo Forscher die Zellen unter dem Mikroskop nach bösartigen Veränderungen absuchen.

Dieser zytologische Abstrich (Zell-Abstrich) nennt sich nach dem Erfinder der Methode, dem griechischen Arzt George Papanicolaou, kurz Pap-Abstrich. Ihn gibt es seit den 1950er-Jahren und er rettete bereits Millionen von Frauen das Leben. Seither sank die Erkrankungs- und Sterbe-Rate an Zervix-Karzinomen deutlich.

Der lebensrettende Pap-Test

Der Pap-Test hat nach wie vor seine Berechtigung. Seine Ergebnisse teilt man je nach Fortschritt der Zellveränderungen in verschiedene Grade ein:

  1. PAP I – kommt nur bei ganz jungen Mädchen vor, die noch keinen Geschlechtsverkehr hatten.
  2. PAP II – ist der normale Befund für erwachsene Frauen. Er bedeutet, dass alles in Ordnung ist, auch wenn geringfügige Zellveränderungen nachweisbar sind.
  3. PAP III – spricht für leichte Zellveränderungen in der Schleimhaut.
  4. PAP IV – weist Zellveränderungen nach, die sich zu einem Tumor entwickeln könnten.
  5. PAP V – ist der Nachweis für bösartige Tumor-Zellen.

Die Krebs-Vorstadien oder Anfangs-Stadien (Carcinoma in situ = Karzinom, das sich noch auf ein eng umgrenztes Gebiet beschränkt) können die Ärzte gut behandeln. Auf diese Weise kommt es gar nicht erst zum massiven Ausbruch der Krebs-Krankheit.

Nach wie vor trägt der Pap-Abstrich dazu bei, die Entwicklung eines Zervix-Karzinoms abzublocken. Aus dem Grund sollte ihn jede Frau nutzen.

Verwirrung durch nicht ganz eindeutige Ergebnisse

In letzter Zeit jedoch mehren sich die Anzeichen, dass wieder mehr Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken. Warum ist das so?

  • Die Frauen verhalten sich nachlässiger mit den Vorsorge-Untersuchungen.
  • Nach Ansicht von Experten besteht ein weiterer Grund darin, dass der Pap-Test lediglich 70 – 75% der durch HPV verursachten Zellveränderungen nachweist.
  • 25 – 30% der Pap-Abstriche zeigen keine eindeutigen zytologischen Ergebnisse.

Die Folgen:

  • So behandelt man auf der einen Seite manche der Frauen mit grenzwertigen zytologischen Befunden über, denn ihre Zellveränderungen würden von selbst wieder abheilen.
  • Auf der anderen Seite erhalten andere nicht rechtzeitig die nötige Behandlung – womit wiederum kostbare Zeit verstreicht.

DNA-Test setzt früher an

Nun gibt es in Deutschland einen in den USA entwickelten DNA-Test, der mit nahezu 100%iger Sicherheit die wichtigsten und gefährlichen Typen der HP-Viren identifiziert: Er stellt fest, ob Erbgut (DNA) von HP-Viren vorhanden ist.

Während der Pap-Test die entstandenen Zellveränderungen am Gebärmutterhals darstellt, setzt der DNA-Test früher an: Er identifiziert den „Auslöser“ der Infektion, der später zu Zellveränderungen führt. Mit dem DNA-Test kann man darüber hinaus unterscheiden, ob es sich um einen risikoarmen oder hochriskanten Viren-Typ handelt.

Wie erfolgreich dieser Test ist, bewies in den USA eine Studie mit 46.009 Teilnehmerinnen im Alter von 14 – 92 Jahren: Ein einziger HPV-DNA-Test stellte bei weitaus mehr Frauen das Erkrankungs-Risiko fest als wiederholte Pap-Abstriche.

Kombination aus DNA-Test und Pap-Abstrich optimal

Für die Patientin läuft bei der Vorsorge-Untersuchung der HPV-DNA-Test genauso ab wie der Pap-Abstrich. Er dient nicht als Ersatz, sondern Ergänzung:

Bei einem auffälligen Pap-Test oder einem grenzwertigen Ergebnis (Pap II oder Pap III) sollten Sie auf jeden Fall einen HPV-DNA-Test machen. (In solchen Fällen übernehmen die Kassen die Kosten.)

Dieser Test mag zwar ansonsten teurer sein, bringt aber mehr Sicherheit und macht eventuelle Wiederholungen eines Pap-Abstrichs überflüssig – von der Einsparung einer unter Umständen unnötigen Behandlung ganz zu schweigen.

Weitere Möglichkeit: Der HPV-Test

Zusätzlich Klarheit könnte hier ein neu entwickelter Test schaffen: Der als äußerst zuverlässig geltende  HPV-Test sollte insbesondere bei Frauen ab 30 Jahren für die Früherkennung Verwendung finden.

Man weiß heute, dass es so gut wie keinen Gebärmutterhalskrebs ohne die Beteiligung von Humanen Papillomaviren (HPV) gibt. Eine regelmäßige Früherkennung mit dem PAP ist deshalb besonders wichtig bei Frauen, bei denen der HPV-Test positiv ist.

Den anderen Frauen könnte man die Erkennung auf Zellveränderungen und die damit verbundene Aufregung ersparen, glauben die Befürworter.

Der Test auf die Warzen-Viren entdeckt das Risiko auf Gebärmutterhalskrebs, bevor er überhaupt wächst. Er wird derzeit jedoch erst eingesetzt, wenn der PAP-Test veränderte Zellen nachweist.

Gebärmutterhalskrebs: Wie oft Abstriche nötig sind

Abstriche des Gebärmutterhalses dienen in erster Linie zur Prüfung, ob Gebärmutterhalskrebs vorliegt.

Grundsätzlich ist es dabei wichtig, sowohl ältere als auch jüngere Frauen zu untersuchen. Denn: Diagnostiziert der Arzt einen Gebärmutterhalskrebs frühzeitig, kann er ihn meist heilen.

Ältere Frauen haben für diese Krebs-Art allerdings ein höheres Risiko, da er sich langsam entwickelt; fast 60% aller Krebs-Erkrankungen des Gebärmutterhalses stellt man bei Frauen über 55 Jahre fest.

Für Zellabstriche des Gebärmutterhalses (Abstrich nach Papanicolaou) – also für den Pap-Test – als Vorsorge-Untersuchung gibt es somit auch keine Alters-Begrenzung.

Häufigere Untersuchung bei Frauen mit erhöhtem Risiko

Fragen Sie Ihren Arzt nach dem für Sie geeigneten Untersuchungs-Rhythmus.

Wenn Sie ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs (Cervix-Karzinom, Collum-Karzinom) haben, empfiehlt Ihr Arzt Ihnen unabhängig von Ihrem Alter i. d. R. jährliche Kontroll-Abstriche.

Ihr Risiko für das Auftreten eines Gebärmutterhalskrebses ist erhöht, wenn

  • … sie eine Vorgeschichte abnormer Zellabstriche des Gebärmutterhalses haben.
  • … sie in sehr jungen Jahren mit sexueller Aktivität begonnen haben.
  • … sie eine Vorgeschichte sexuell übertragbarer Krankheiten haben.
  • … sie viele verschiedene Sexualpartner haben (oder hatten) oder einen Partner, der viele Partnerinnen hatte.

Sprechen Sie offen über Ihre Sexualität!

Frauen mit einer entfernten Gebärmutter sollten mit ihrem Arzt besprechen, ob bei ihnen weiterhin regelmäßig Abstriche erforderlich sind.

Unabhängig von Ihrem Alter sollten Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre sexuelle Vorgeschichte sprechen. Seien Sie aufrichtig bezüglich Ihrer aktuellen sexuellen Beziehungen.

Liegen bereits 3 oder mehr aufeinanderfolgende jährliche Untersuchungen mit normalem Ergebnis vor, genügen weniger häufig angesetzte Untersuchungen.

Sie sollten darüber hinaus bedenken, dass das Zurückstellen der Abstrich-Untersuchungen mit Zustimmung Ihres Arztes nichts an der Notwendigkeit anderer wichtiger Früherkennungs-Untersuchungen wie Mammographie und gynäkologischer Untersuchung ändert.

Verwirrung durch neue Studien

Sie haben möglicherweise von neueren Studien gehört, die darauf hinweisen, dass man bei älteren Frauen die Häufigkeit von gynäkologischen Abstrichen zur Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs reduzieren oder sogar unterlassen kann.

Eine Studie in den Annals of Internal Medicine weist darauf hin, dass Frauen mit jahrenlangen normalen gynäkologischen Abstrichen zu einer großen Wahrscheinlichkeit keinen Nutzen aus regelmäßigen Tests ziehen, die sie nach dem 65. Lebensjahr durchführen.

Andere Ärzte halten weitere Studien für erforderlich, um gesicherte Angaben über die empfehlenswerte Häufigkeit von Untersuchungen zu erhalten. Darüber hinaus besteht unter den Experten erheblicher Zweifel aufgrund des Ratschlages, regelmäßige Untersuchungen völlig einzustellen.