Brustkrebs: Neues Präparat Herceptin
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Nach den Ergebnissen jüngster Studien kann ein neuer Wirkstoff das Wiederauftreten von Brustkrebs um mehr als 50% bei Frauen reduzieren, bei denen ein bestimmter Typ von Brustkrebs diagnostiziert wurde. Die Forschungsergebnisse belegen die Wirksamkeit des Antikörpers Trastuzumab (Herceptin®), der zur Behandlung von Frauen nach der Operation einer aggressiven Form des Brustkrebses eingesetzt wird.
Brustkrebs ist in Deutschland nach wie vor der gefährlichste Krebs für Frauen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben 2004 über 17.590 Frauen an Brustkrebs. Der Anteil von Brustkrebs an den durch Krebs verursachten Todesfällen bei Frauen lag 2004 bei 17%. Seit 1985 ist die absolute Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs von 16.300 Fällen um 8% gestiegen. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf einen wachsenden Anteil der älteren weiblichen Bevölkerung zurückzuführen.
25% der Frauen mit Brustkrebs weisen ein vermehrtes Vorkommen von HER2-Rezeptoren auf den Brustkrebszellen auf. Genetische Veränderungen können dazu führen, dass zu viele „Andockstationen“ für Wachstumsfaktoren auf der Zelloberfläche entstehen. Diese Stationen werden HER2-Rezeptoren genannt (Human = menschlich, Epidermal = an der Zelloberfläche befindlich). Je mehr HER2-Rezeptoren eine Brustkrebszelle produziert, desto schneller wächst der Tumor.
Mit Trastuzumab ist in der EU seit April 2000 ein Antikörper gegen HER2-Rezeptoren zugelassen worden. Der Wirkmechanismus des Antikörpers beruht darauf, dass sie an der Oberfläche der Krebszelle den Platz der HER2-Rezeptoren besetzen. Durch die Blockierung dieser Andockstelle durch den Antikörper werden kaum noch Signale an die Krebszelle ausgesendet, sich zu teilen. Auf diese Weise kann das Tumorwachstum gebremst werden. HER2-positiver Brustkrebs spricht auf die Standardchemotherapie, die Hormontherapie oder beide wenig an. Auf diesem Grund ist die Gefahr eines wiederholten Auftretens von Krebs höher.
Die Studien, die Ende letzten Jahres im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, verglichen die Standardtherapie bei HER2-positivem Brustkrebs mit einer 1-jährigen Krebsbehandlung, zu der auch der monoklonale Antikörper Trastuzumab gehörte. Als man die Ergebnisse mit der Chemotherapie verglich, stellte man Folgendes fest: Nur das Hinzufügen von Trastuzumab führte dazu, dass das erneute Auftreten von Brustkrebs signifikant reduziert und die Überlebensrate deutlich verlängert werden konnte.
Für die Brustkrebs-Spezialisten der Mayo Clinic bedeuten diese Forschungsergebnisse einen wesentlichen Fortschritt bei Frauen mit HER2-positivem Brustkrebs, der sich im frühem Stadium befindet. Bislang ist die Behandlung mit dem HER2- Antikörper nur für Frauen zugelassen, bei denen der Brustkrebs bereits Metastasen gebildet hat. Hier kann der HER2-Antikörper in Kombination mit einer Chemotherapie oder als alleiniger Wirkstoff verabreicht werden.
Die jetzt ausgewerteten Forschungsergebnisse zeigen, dass von Trastuzumab auch Frauen profitieren können, bei denen der Tumor zum Zeitpunkt der ersten Behandlung noch nicht gestreut hat. Aus diesem Grund wird jetzt erwogen, den Einsatz des HER2-Antikörpers als Teil der Standardbehandlung bei der so genannten adjuvanten Behandlung zu erweitern. Es wird erwartet, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA eine entsprechende Zulassung erteilt.