Brustkrebs: Erblicher Brustkrebs
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Von den „Brustkrebs-Genen“ ist immer häufiger die Rede. Wenn in einer Familie Brustkrebs häufig vorkommt, kann als Ursache entweder die gemeinsame Umwelt (einschließlich Ernährungsgewohnheiten) in Verdacht geraten oder auch eine genetische Disposition (Veranlagung). Das ist etwa bei jedem dreißigsten Mammakarzinom der Fall. Die Forschung konzentriert sich insbesondere auf Fehler zweier Gene: BRCA1 und BRCA2 (von englisch: breast cancer = Brustkrebs). Sind BRCA1 und BRCA2 verändert (mutiert), steigt das Risiko für bestimmte Krebsarten, insbesondere Brustkrebs.
Noch vor einigen Jahren wurde das Risiko von Frauen, die diese fehlerhaften Gene in sich tragen, als sehr hoch eingeschätzt. Inzwischen nimmt die Medizin ein Risiko von 20 bis 30 Prozent an. Das bedeutet: Diese Frauen haben ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko für Brustkrebs gegenüber Frauen ohne die Gen-Mutation. Das entspricht etwa dem Risiko von Frauen, die nicht gestillt haben oder Hormone in hohen Dosen eingenommen haben.
Frauen, in deren Familien häufig Brustkrebs vorgekommen ist, haben verständlicherweise Angst, dass es auch sie treffen könnte. Sie können sich an eines von 12 Brustkrebszentren wenden. Dort werden im Rahmen einer von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie „Der erbliche Brustund Eierstrockkrebs“ unter strengstem Datenschutz Gen-Analysen durchgeführt. Vorab aber wird dort die Frau erst einmal von Gynäkologen, Humangenetikern (Spezialisten für menschliche Gene) und Psychologen untersucht, inwieweit tatsächlich die Bedingungen auf sie zutreffen. Das Beratungsteam ist sich der Problematik des Wissens für die Frau durchaus bewusst. Eine Gen-Analyse ist mit einer starken, lebenslangen psychischen Belastung verbunden – nicht nur für die Frau selbst, sondern auch für alle ihre weiblichen Verwandten und Nachkommen.
Der Test nimmt einige Monate in Anspruch. Während dieser Wartezeit und auch danach wird die Frau psychologisch betreut. In dieser Zeit gibt es für sie noch ein Zurück: Das Recht auf Nichtwissen wird respektiert. Erfährt sie dann, dass sie frei von der Gen-Veränderung ist, ist das Gefühl der Befreiung natürlich unbeschreiblich. Doch hat sie damit weiterhin keinen Freibrief, denn sie trägt das Risiko aller Frauen von 1: 11 oder 1 :12, in ihrem Leben eine Brustkrebs-Diagnose zu erhalten.
Frauen, bei denen sich herausgestellt hat, dass sie die Gen-Mutation haben, werden auf Wunsch in einem Vorsorgeprogramm betreut, engmaschig (= oft) untersucht sowie psychologisch beraten – möglichst zusammen mit der Familie.
Was machen Frauen mit dieser Gen-Diagnose?
In den USA und auch in England lassen sich viele Frauen aus Angst die Brust abnehmen. Sogar junge Mädchen sind darunter! Es gibt aber keine hieb- und stichfesten Studien, ob sie dadurch länger leben. In Deutschland entscheiden sich nur wenige Frauen zu diesem gravierenden Schritt. Das Vorsorgeprogramm mit der engmaschigen Kontrolle bietet immerhin die Möglichkeit, ein entstehendes Karzinom frühzeitig zu entdecken.