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Brustkrebs: Die Prognose hat sich verbessert

Wie erfolgreich funktioniert die interdisziplinäre Behandlung von Brustkrebs? Das Brustzentrum am Universitätsklinikum Heidelberg veröffentlichte aussagekräftige Ergebnisse über den Verlauf der Erkrankung.

Neue Behandlungsmöglichkeiten als Erfolgsrezept

Im Februar 2012 erschien die Auswertung des Brustzentrums online in der Fachzeitschrift „The Breast“. Seit 2003 begleiteten die Heidelberger Mediziner bei mehr als 3.000 Patientinnen den Verlauf von Brustkrebs systematisch. 86 Prozent überlebten die ersten fünf Jahre nach Therapiebeginn. Bei 80 Prozent kehrte die Krankheit in dieser Zeit nicht zurück. „Die Prognose von Brustkrebs verbesserte sich aufgrund neuer Therapieoptionen und der konsequenten interdisziplinären Behandlung weiter.“ Das erklärt Professor Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik und Leiter des Brustzentrums.

Das Robert Koch Institut wertete die deutschen Krebsregister im Jahr 2010 aus. Daraus geht hervor, dass in der Zeit zwischen 2000 und 2004 Brustkrebs-Patientinnen mit einer Wahrscheinlichkeit von 79,6 Prozent die ersten fünf Jahre nach der Therapie überlebten. Eine aktuelle Arbeit des Deutschen Krebsforschungszentrums, welche die Daten elf deutscher Krebsregister aus den Jahren 2002 bis 2006 analysierte, kommt auf rund 84 Prozent. In den USA lag diese Wahrscheinlichkeit laut dem US-amerikanischen „National Cancer Institute“ zwischen 1999 und 2006 bei 89 Prozent.

Die Erfolge der Studie

Das Team in Heidelberg arbeitet mit Privatdozent Jörg Heil, Oberarzt des Heidelberger Brustzentrums, und Professor Dr. Andreas Schneeweiss vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen und Frauenklinik. Sie werteten die Daten aller 3.338 Patientinnen mit bösartigen Brustkrebserkrankungen aus, die in den Jahren 2003 bis 2010 am Heidelberger Brustzentrum nach Erstdiagnose eine Behandlung erfuhren.

Fünf Jahre nach der Erstbehandlung waren 80 Prozent der Frauen krankheitsfrei. Bei 15 Prozent war erneut ein Tumor in der Brust gewachsen und bei 19 Prozent traten Metastasen auf. Manchmal trat beides zusammen auf. 86 Prozent der Patientinnen überlebten die ersten fünf Jahre nach der erstmaligen Erkrankung. Unter Berücksichtigung der Todesfälle, die unabhängig vom Brustkrebs stattfanden, ergab die Auswertung: Nur zehn Prozent der Patientinnen starben in den ersten fünf Jahren nach ihrer Behandlung an Brustkrebs.

Präventive Mastektomie?

Wie wirksam ist die Verhinderung von Brustkrebs durch die Enfernung von gesunden Brüsten bei Frauen einer Hochrisikogruppe? Bis vor kurzem gab es keine klare Antwort darauf. Eine neue Studie der Mayo Clinic zeigte jedoch, dass die prophylaktische Mastektomie (Entfernung einer gesunden Brust zur Verhütung von Krebs) das Risiko der Entstehung eines Brustkrebses um 90 Prozent senkt. Die Studie erschien im New England Journal of Medicine. Es nahmen 639 Frauen daran teil, bei denen zwischen 1960 und 1993 an der Mayo Clinic eine prophylaktische Mastektomie stattfand. Aufgrund der familiären Vorgeschichte stufte man 214 der Frauen in die Hochrisikogruppe für das Entstehen eines Brustkrebses ein und den Rest in die mittlere Risikogruppe.

Die Wissenschaftler berechneten, dass ohne den Eingriff bei 38 der Frauen der Hochrisikogruppe mit einer Brustkrebserkrankung zu rechnen wäre. Jedoch entwickelten nur drei von ihnen tatsächlich Brustkrebs. Das beschreibt eine Risikosenkung um 90 Prozent. Ähnliche Ergebnisse fanden sich bei der mittleren Risikogruppe. Die Wissenschaftler der Mayo Clinic meinen, dass ihre Studie für Frauen der Hochrisikogruppe, die diesen Eingriff in Betracht ziehen, notwendige Informationen bietet. Sie betonen jedoch, dass es keine Garantie dafür gibt, dass sich nach einer Mastektomie nicht im verbleibenden Brustgewebe ein Krebs bildet. Andere Alternativen für diese Hochrisikogruppe sind häufige Früherkennungsuntersuchungen oder die Einnahme des Medikaments Tamoxifen.

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