Brust: Das lustvolle Organ
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Selten steht das eigene Brusterlebnis der Frau im Mittelpunkt. Das gilt in der Medizin, aber auch im Bereich der Sexualität. Etwa fünf von hundert Frauen, so zeigen Sexualstudien, können allein durch Stimulierung ihrer Brüste den Orgasmus erreichen. Andere jedoch klagen, ihre Partner seien allzu stark auf den Busen fixiert. Das „Genuckel“ beim Sexualakt geht ihnen eher auf die Nerven, als sie erotisch anzuregen. Sie empfinden sich dabei als (asexuelle) Mutterfiguren und die erwachsenen Partner in der Rolle von Babies. Die eigene Lust an der Brust bleibt dabei oft aus und geht mit der Zeit ganz verloren.
Starkes positives Erleben der Brustkann auch beim Stillen aufkommen. Sie freudig zu äußern, ist allerdingsgesellschaftlich unerwünscht – als dürfeder mütterliche Akt des Nährens nichtdurch sexuelle Gefühle „verunreinigt“werden. Maria muß Jungfrau bleiben. Auch das öffentliche Entblößen derBrust beim Stillen wird vielerorts nicht toleriert. Wen wundert es da, wenn Frauen ein gespaltenes Verhältnis zu ihren Brüsten (und der urweiblichen Fähigkeit des Stillens) entwickeln?
Anderseits sind nackte Frauenbrüste als Objekte männlicher Lust aus unserer visuellen Umgebung kaum noch wegzudenken. Als Objekte weiblicher Freude und Potenz werden sie nur selten dargestellt. So werden Frauen oft das Gefühl nicht los, als seien ihre Brüste vor allem für andere da: für die Ärzte, die sie untersuchen und behandeln, für die Neugeborenen, die aus ihnen Nahrung saugen, für die Männer, die sie bewerten, verherrlichen, Lust aus ihnen ziehen. Solche Fremd Bestimmung entfremdet Frauen ihrem Körper. So sind zwiespältige Gefühle gegenüber den eigenen Brüsten für viele Frauen „ganz normal“.