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Deutsche Ärzte kennen sich mit Interstitieller Zystitis nicht aus

Die Interstitielle Zystitis ist eine schwere Blasenerkrankung, die viel zu spät diagnostiziert wird, weil kaum ein Arzt sie kennt. Wird sie früh genug erkannt, kann sie ausheilen. Etwa 90 Prozent der von der Interstitiellen Zystitis (IC) Betroffenen sind Frauen. Nach vorsichtigen Schätzungen leiden etwa 400.000 Frauen in Deutschland daran. Es können jedoch auch wesentlich mehr sein, da die IC meist falsch oder gar nicht diagnostiziert wird. Im Durchschnitt laufen die Betroffenen etliche Jahre von Pontius zu Pilatus. Selbst Urologen diagnostizieren das Leiden viel zu spät. Bei den Hausärzten und Gynäkologen sieht es noch schlechter aus.

Der Schmerz kann schier unerträglich werden

Hinter der Interstitiellen Zystitis steckt eine chronische, nicht bakterielle Entzündung der Blasenwand. Man geht davon aus, dass die Schutzhaut der Schleimhaut in der Blase durchlässiger ist. Dann können Bestandteile aus dem Urin, die der Körper eigentlich loswerden möchte, in die Blasenwand eindringen. Das Gewebe wird gereizt, und es bilden sich Ödeme sowie Schwellungen, die eine Entzündung auslösen.

Die Ursache des Leidens ist bislang noch unbekannt. Der Krankheitsbeginn liegt um das 40. Lebensjahr herum. Die Beschwerden sind vielfältig und schwer einzuordnen. Bei vielen Frauen kommen und gehen die Symptome in nicht vorhersehbarer Weise. Manche haben ständig Schmerzen, bei anderen treten sie anfallsartig auf. Der Schmerz in der Blase brennt, als wäre sie durch einen Schnitt oder einen tiefen Riss verletzt.

Diese Symptome deuten auf eine interstitielle Zystitis hin:

  • Harndrang und häufiges Aufsuchen der Toilette (15- bis 70-mal täglich), einschließlich nächtlichem Harndrang
  • abgeschwächter Harnstrahl, Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung und/oder Schwierigkeiten, mit dem Wasserlassen zu beginnen
  • Schmerzen und Brennen während des Wasserlassens
  • Schmerzen in der Blase, der Harnröhre sowie im Bereich des Beckens und der Beckenbodenmuskulatur
  • Schmerzen in der Scheide, im Enddarm und im Dammbereich
  • Schmerzen in den Gelenken und Muskeln des unteren Rückens und Kreuzbeins, ebenso in den Hüftgelenken und Beinen
  • Schmerzen beim oder nach dem Geschlechtsverkehr

Medikamente schützen die Schleimhaut der Blasenwand

Im Allgemeinen werden Medikamente eingesetzt, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. Dazu gehört vor allem der Wirkstoff Pentosanpolysulfat. Sein genauer Wirkungsmechanismus ist noch nicht bekannt, aber man geht davon aus, dass er die Blasenschutzschicht verdicken und damit undichte Stellen kitten kann. 30 bis 40 Prozent der Frauen verzeichnen dadurch eine Besserung. Allerdings dauert es Wochen bis Monate, bis sich eine Wirkung zeigt. In Deutschland ist diese Substanz jedoch für die Behandlung der Interstitiellen Zystitis noch nicht zugelassen und wird deshalb von der gesetzlichen Krankenkasse meist nicht bezahlt.

Die geschädigte Blasenschleimhaut wird mit Medikamenten behandelt, die direkt an den entzündlichen Stellen eingespritzt werden. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Wirkstoffe Chondroitin-Sulfat und Hyaluronsäure. Örtlich betäubende Mittel wie Lidocain – direkt in die Blase eingebracht – schaffen ebenso Abhilfe wie entzündungshemmendes Kortison. Gegen die Schmerzen hilft vielen ein mittelstarkes Opioid. Es sollte als Dauertherapie und nicht nur im akuten Stadium eingesetzt werden.

Weitere Medikamente, die zum Einsatz kommen:

  • Antidepressiva
  • Antihistamine
  • H2-Blocker
  • leukotrienhemmende Medikamente
  • Mastzellenhemmer
  • Antiepileptika zur Schmerztherapie
  • Narkotika
  • Muskelrelaxantien und Beruhigungsmittel
  • krampflösende Medikamente
  • allgemeine Schmerzmittel

Die Kombination von Medikamenten und Selbsthilfemaßnahmen bringt bei der überwiegenden Zahl der Betroffenen eine lang andauernde Verbesserung. Wird das Leiden früh diagnostiziert und behandelt, kann es sogar ausheilen. Unbehandelt führt es zu ausgedehnten Einlagerungen in der Blasenwand, die in einer zusammenschrumpfenden Harnblase münden. Diese muss dann operativ entfernt werden. Meist wird ein versierter Arzt (am besten ein Urologe oder ein Internist) Ihnen eine Mischung aus verschiedenen Medikamenten nach individuellen Gesichtspunkten verordnen.

Interstitielle Zystitis: So sehen Ihre Möglichkeiten zur Selbsthilfe aus

Eine der hilfreichsten Begleitmaßnahmen ist ein moderates Bewegungsprogramm – beispielsweise schnelles Spazierengehen oder ein leichtes Krafttraining. Viele Frauen empfinden auch Wärme als sehr wohltuend, krampflösend und schmerzlindernd – etwa in Form einer Wärmflasche, eines Sitzbades oder eines Wärmekissens. Bei Ihrer Ernährung sollten Sie Nahrungsmittel vermeiden, die den Harn ansäuern oder die Aminosäure Tryptophan enthalten – dazu gehören Käse und Rotwein.

Unterstützend können Ihnen auch diese alternativen Verfahren helfen:

  • Biofeedback
  • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)
  • Massagen
  • Fangopackungen
  • Osteopathie
  • Craniosacrale Therapie
  • Homöopathie
  • Traditionelle chinesische Medizin (TCM), zum Beispiel Akupunktur
  • Beckenbodengymnastik und -entspannung
  • Phytotherapie (Kürbissamen)
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Alte Kommentare
  • Chris schrieb am 30.10.2011, 18:47 Uhr

    Sehr geehrte Frau Schneider, über Ihren Artikel haben wir uns sehr gefreut. Leider ist den Meisten nicht bekannt, dass nicht nur Pentosan von den Kassen nicht erstattet wird, auch die Instills der Neuen Generation werden nicht gezahlt. IC-Kranke sitzen medizinisch zwischen allen Stühlen. Die Kosten gehen in die Hunderte, unbehandelt verlieren die Erkrankten den Arbeitsplatz, rennen sie doch bis zu 50 x auf die Toilette, zudem kommt noch das nur sehr marginal Wissen der Ärzte um diese schwere Erkrankung.