Grübeln: Vergällen Sie sich nicht selbst das Leben

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von Sylvia Schneider, Chefredakteurin von "Gesundheit für Frauen", dem Dienst, der Ihnen praktische Informationen für ein aktives Leben liefert


Viele Frauen neigen dazu, ihre Gedanken in eine Endlos-Spirale zu schicken. Sie zermürben sich mit immer den gleichen Grübeleien – etwa: Wie sehr mögen mich andere? Finden die anderen, dass ich zu dick bin? Warum passiert ausgerechnet mir immer wieder dasselbe Missgeschick? Warum lasse ich mir immer so viel gefallen? Typisch: Zu einem Ergebnis führen diese Fragen nicht.

In Ihrem Kopf herrscht ein reges Treiben: Bis zu 50.000 Gedanken jagen täglich durch ihn hindurch. Nicht alle bringen Sie weiter, manche von ihnen sind sogar ausgesprochen destruktiv. Besonders nachts nisten sich im Gehirn Grübeleien ein, die oft bis zum Morgengrauen den Schlaf beherrschen. Das Gedankenkarussell kreist immer wieder um ein und dasselbe Problem. Solche Problem-Wälzereien sind hartnäckig und folgen offenbar eigenen Gesetzen. Sie haben die Eigenschaft, wie ein Hefeteig aufzugehen.

Grübeln ist eine weibliche Eigenschaft. Frauen lassen sich viel zu viele Dinge durch den Kopf gehen, die Männer sofort zu den Akten legen würden. Sie können sich so in etwas hineinsteigern, dass sie in einem Loch mieser Stimmung landen, das weitere negative Gedanken gebiert. Die amerikanische Psychologie-Professorin Susan Nolen-Hoeksema glaubt, den Grund dafür zu wissen: Da Frauen sich stärker über ihre Beziehungen definieren, beschäftigen sie sich gedanklich mehr über ihr Verhältnis zu anderen Menschen. Ein unbedachtes Wort, eine Andeutung zwischen den Zeilen, eine vielleicht dumme, aber nicht ernst gemeinte Geste – und schon grübeln viele Frauen, was los sein könnte, ob sie etwas falsch gemacht, etwas Falsches gesagt haben, ob sie noch geliebt werden oder ob sie nun irgendwie dumm dastehen. Ihre Gedanken, Gefühle und Erinnerungen stehen in ständigem Austausch miteinander. Beginnen Sie zu grübeln, leuchtet es überall dort auf, wo Sie in einer vergleichbaren Lage schlechte Erfahrungen abgelegt haben. Je länger Sie grübeln, umso mehr solcher Erfahrungsbausteine rotten sich zusammen und entlassen Sie nicht mehr aus ihren Krallen. Nicht selten gelten diese Grübelleien keinen wirklichen Problemen.

Negative Grübeleien haben vielfältige Auswirkungen auf Ihr Leben

  • Sie empfinden Stress stärker, als er ist.
  • Es fällt Ihnen schwerer, Probleme zu lösen, weil Sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
  • Sie reagieren zu stark auf Belastungen.
  • Sie verärgern andere oder vergraulen sie gar.
  • Sie sehen nicht mehr, was Sie tun können, um Ihre Beziehung zu verbessern.
  • Möglicherweise entwickeln Sie daraus ernsthafte seelische Probleme wie Angstzustände, Depressionen, Verfolgungswahn oder Alkoholsucht.

Steuern Sie gegen, sonst ersticken Sie an Ihren Grübeleien

"Wir messen Winzigkeiten, kleinsten Stimmungsveränderungen zu große Bedeutung bei", meint Nolen-Hoeksema. Nur eine unhöfliche Bemerkung über unsere Figur oder unser Aussehen, und schon sitzen wir in der "Grübel-Falle" und stellen unsere gesamte Person zur Disposition. Anfangs geht es noch um den Anlass, später verselbständigt sich die Grübelei zur inneren Grundsatzdebatte: Warum mag mich keiner? Wer bin ich? Wie werde ich jemals glücklich? Warum bekomme ich nicht, was mir zusteht? Sie können die Gedanken nicht daran hindern zu kommen, Sie können sie aber sehr wohl daran hindern zu bleiben und Sie zu stören. Wenn Sie an Ihren Grübeleien nicht ersticken wollen, müssen Sie gegensteuern. Susan Nolen-Hoeksema, die sich seit zwei Jahrzehnten mit den Problemen von weiblichen Vielgrüblern befasst, hat Wege aus der Grübelfalle entwickelt. Ich gebe Ihnen hier heute die erste dieser Strategien mit – weitere können Sie in der nächsten Woche nachlesen.

Die erste Strategie gegen dauerndes Grübeln

Akzeptieren Sie Ihre Gedanken und verhelfen Sie ihnen zur Ruhe. Sie wälzen sich wach im Bett, die Gedanken drehen sich im Kreis, Sie fühlen sich gemartert und versuchen krampfhaft, die quälenden Grübeleien zu verdrängen. Viele glauben, dass ihnen in dieser Situation nur Schäfchenzählen hilft. Besser ist es jedoch, sich diese Gedanken einmal bewusst anzuschauen und sie zu analysieren. Denken Sie über Probleme nach, für die Sie eine Lösung brauchen und suchen? Oder sind es immer dieselben wiederkehrenden Gedankenspiralen – negative Ereignisse und negative Stimmungen aus der Vergangenheit, negative Aspekte der Gegenwart, drohendes Unheil in der Zukunft –, an die Sie sich am nächsten Tag im Einzelnen kaum noch erinnern: außer dass Sie niedergeschlagen und wenig selbstbewusst sind?

Nehmen Sie Ihre Gedanken an, denn Widerstand ist zwecklos

Wenn Sie versuchen, diese Gedanken zu verdrängen, messen Sie ihnen mehr Bedeutung bei, als ihnen zukommt. Können Sie typische Auslöser für Ihre Grübeleien ausmachen? Fragen Sie sich, was Sie wirklich so fürchten, dass es nicht gelöst werden kann oder keine Zeit bis zum nächsten Morgen hat. Sie werden feststellen, Ihre Existenz als Mensch ist nicht gefährdet. Durch diese Fragestellung verlieren die Gedanken ihre Unruhe stiftende Wirkung. Lassen Sie sie ruhig schweifen, zwingen Sie sich zu nichts, ärgern Sie sich nicht, dass Sie an Verschiedenes denken: Desto schneller wird Ihnen die ersehnte Ruhe zuteil.

Möchten Sie genauer erfahren, wie Sie – gerade als Frau – gesünder essen und leben? Dann ist das hier wahrscheinlich sehr interessant für Sie:


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