Geruchsempfindlichkeit: Gehirnreaktionen machen empfindlich für Düfte
Dr. Martina Hahn-Hübner in Täglich Gesund
vom 31. Januar 2012, 16:00 Uhr
GNL5356
Gerüche gehören zu unserem Leben. Sei es, um wohlige Gefühle auszulösen, um unseren Erinnerungen auf die Sprünge zu helfen oder um uns zu warnen. Im Grunde besitzt jeder Gegenstand in unserer Umgebung einen eigenen Geruch. Damit wir in dieser Duftwolke nicht wahnsinnig werden, ist unser Geruchssinn ein adaptiver Sinn. Das bedeutet: Nach einiger Zeit haben wir uns an den gerade vorherrschenden Geruch gewöhnt, nehmen ihn nicht mehr wahr. Gerade bei unangenehmen Düften ist dies sehr vorteilhaft.
Manche Menschen aber scheinen diese Fähigkeit nicht zu besitzen. Sie reagieren sehr empfindlich, wenn sie bestimmte Gerüche wahrnehmen. Der Duft ebbt für sie nicht ab. Vielmehr wird er immer intensiver - und wirkt sich im Laufe der Zeit sehr negativ auf das Wohlbefinden aus. Die Betroffenen bekommen Kopfschmerzen oder fühlen sich unwohl; teilweise meiden sie bestimmte Gebäude, in denen zum Beispiel starke Raumdüfte versprüht werden.
Warum dies so ist, fand ein Psychologe der schwedischen Umea-Universität heraus. Er untersuchte, wie die Gehirne von geruchsempfindlichen und geruchsunempfindlichen Menschen reagieren. Angehörige beider Gruppen mussten eine Stunde lang den gleichen Duft ertragen. Ihre Gehirnaktivitäten wurden aufgezeichnet.
Das Ergebnis: Die Gehirne der Teilnehmer beider Gruppen reagierten unterschiedlich auf die „Berieselung" mit dem Geruch. Bei denjenigen, die auf den Duft empfindlich reagierten, ließ die Aktivität des Gehirns nicht nach. Eine Abstumpfung gegenüber dem Geruch bzw. Gewöhnung an den Duft fand einfach nicht statt. Zudem war ihr Gehirn deutlich anders durchblutet als bei denjenigen, die sich nach einiger Zeit an den Duft gewöhnt hatten.
Der Psychologe stellte außerdem fest, dass Düfte nicht das Einzige sind, worauf geruchssensitive Menschen reagieren. Sie sind auch empfindlich solchen Substanzen gegenüber, die sich stark auf die Schleimhäute in Mund und Nase auswirken können.
Menschen, die Gerüchen gegenüber sensibel sind, reagieren zum Beispiel stark auf scharfe Lebensmittel wie Chilischoten. Sie husten nach deren Verzehr deutlich häufiger als die Menschen, die Gerüchen gegenüber unempfindlich sind. Der Psychologe sieht hier einen Zusammenhang - seiner Meinung nach müssen keine komplizierten Tests durchgeführt werden, um Geruchsempfindlichkeit festzustellen. Sie zeige sich, so seine Aussage, eben auch durch die Reaktionen anderer Bereiche des Körpers.
ähnliche Beiträge
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Elisanna Lennert (01.02. 2012 12:07 Uhr):
Sehr geehrte Frau Hahn-Hübner, ich möchte Ihnen im Zusammenhang mit Ihrer Mail zu Geruchsempfindlichkeit eindringlich empfehlen, folgendes Buch zu lesen und zur Kenntnis zu nehmen: Hans-UlrIch Hill, Wolfgang Huber, Kurt E. Müller: Multiple Chemikalien-Sensitivität (Shaker-Verlag, 3. neu bearbeitete Auflage). Ich empfehle dieses Buch dem gesamten FID- Team, für dessen E-Mails ich immer dankbar bin, dessen bisheriges seltsames Unwissen der chronischen Multisystemkrankheit MCS gegenüber und dessen Abwehr durch Schweigen auf einige Mails von mir zum Thema ich sehr bedauere. Mit freundlichen Grüßen, Elisanna G. Lennert
Antworten - Kommentar von unbekannt (11.03. 2012 22:33 Uhr):
Da ich auf viele Düfte allergisch reagiere, würde ich gerne mehr wissen, z.B. womit man diese Empfindlichkeit verringern kann. Können Sie mir etwas empfehlen? Gruß
Antworten