Gelenkersatz: Profitieren Sie von revolutionären, neuen Methoden
unseren Experten des Mayo Clinic Gesundheits-Brief in Täglich Gesund
vom 26. April 2011, 16:00 Uhr
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Eine Hüft- oder Kniegelenksoperation ist stets ein großer Eingriff. Lange Zeit schien es kaum eine Möglichkeit zu geben, dabei ohne Vollnarkose auszukommen. Doch in den letzten Jahren versuchte man mittels gezielter Injektionen eine Schmerzblockade herzustellen, so dass eine Vollnarkose unnötig wurde, um ein Hüft- oder Kniegelenk zu ersetzen.
Zudem kann häufig nach einer Operation auf intravenös verabreichte Betäubungsmittel zur Schmerzlinderung verzichtet werden, so dass Sie die damit verbundenen Nebenwirkungen umgehen können. Dies wird mit Hilfe einiger Anästhesie-Techniken erreicht, die auch einige Tage nach einer Operation noch eingesetzt werden können. Auf diese Weise werden Ihre Schmerzen gelindert und der Rehabilitationsprozess beschleunigt.
Die Nachteile einer Vollnarkose
Unter Vollnarkose fällt der Patient in einen kontrollierten Zustand der Bewusstlosigkeit und es bedarf einer ständigen Beatmung des Patienten. Zu den üblichen Nebenwirkungen einer Allgemeinanästhesie gehören Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, ein rauer Hals und Darmträgheit. Nach der Operation bekommen Sie als Patient normalerweise ein Gerät, mit dem Sie sich selbst eine weitere Dosis Betäubungsmittel (Opioid) verabreichen können, falls Ihre Schmerzen stärker werden. Narkotika können jedoch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen, Juckreiz, Benommenheit, Harnverhalt und Verstopfung verursachen. Diese Form der Anästhesie schlägt bei den meisten Menschen gut an und wird auch noch immer am häufigsten eingesetzt.
Wählen Sie zwischen einer allgemein- oder einer Lokalanästhesie
Vor 10 Jahren begannen jedoch die Anästhesisten der Mayo Clinic neue Anästhesie-Leitlinien für Gelenkersatz-Operationen zu entwickeln. Hier werden seit Jahrzehnten bekannte Anästhesie- und Schmerztherapietechniken kombiniert.
Ziel dieser Überlegungen war es, Allgemeinanästhesie bzw. intravenös verabreichte Narkotika gänzlich überflüssig zu machen. Diese neuen Leitlinien müssen stets an den Einzelfall angepasst werden. Nachstehend die wichtigsten Kriterien:
- Wahlfreiheit - Die neuen Leitlinien lassen immer die Wahl zwischen einer Allgemein- oder einer Lokalanästhesie, bei der Ihr Körper nur hüftabwärts betäubt wird.
- Verabreichung von Schmerztabletten vor dem Eingriff - Ganz gleich, ob Sie sich für eine Voll- oder eine Teilnarkose entschieden haben, können Sie bereits eine Kombination aus Schmerztabletten erhalten, bevor man Sie in den OP-Saal bringt.
Schmerzmittel schon vor der Operation
Zu diesen Medikamenten zählen das oral einzunehmende Mittel Oxycodon (z. B. Oxygesic®), der Entzündungshemmer COX-2-Inhibitor (Celebrex®) und das Mittel Gabapentin (Neurontin® u. a.) gegen Nervenschmerzen. Diese oral einzunehmenden Schmerzmittel verursachen meist weniger Nebenwirkungen als intravenös verabreichte Mittel.
- Beruhigungsmittel - Wenn Sie sich für eine Lokalanästhesie entschieden haben, bekommen Sie meist vor Beginn der Operation Beruhigungsmittel verabreicht. Diese Mittel machen Sie als Patienten so schläfrig, dass Sie von der Operation kaum etwas mitbekommen, jedoch nicht bewusstlos sind.
- Nervenblockade - Diese Art der Schmerztherapie kann sowohl in Verbindung mit Voll- als auch mit Teilnarkosen erfolgen. Bei einer Kniegelenkersatz-Operation wird ein winziges Röhrchen (Katheter) entlang des Nervs gelegt, der für die Schmerzweiterleitung vorn am Knie verantwortlich ist. So können kontinuierlich über 48 Stunden Betäubungsmittel an die entsprechende Stelle transportiert werden, und der Schmerz wird ausgeschaltet. Zusätzlich wird eine einmalige Betäubungsspritze in der Nähe des Nervs gesetzt, der für das Schmerzempfinden im hinteren Kniebereich verantwortlich ist. Diese Spritze lässt im Allgemeinen nach 24 Stunden nach. Bei einer Hüftgelenkersatz-Operation wird ein kleiner Katheter in das umliegende Muskelgewebe der Nerven platziert, die für das Schmerzempfinden in der Hüftgegend verantwortlich sind. Hier werden Ihnen kontinuierlich über 48 Stunden Betäubungsmittel zugeführt.
- Verabreichung von Schmerztabletten nach der Operation - Bei mehr als 95% der Patienten können postoperative Schmerzen nach Aufhebung der Nervenblockade recht gut mit Schmerztabletten behandelt werden. Hier kommen meist Präparate wie Paracetamol (ben-u-ron® u.a.), Tramadol (Amadol® u. a.) oder Oxycodon in Betracht. Nur im äußersten Notfall greift man auf intravenös zu verabreichende Betäubungsmittel zurück.
Nutzen Sie die Vorteile von Teilnarkosen
Teilnarkosen haben den Vorteil, wesentlich weniger Nebenwirkungen zu verursachen als Vollnarkosen und intravenös verabreichte Betäubungsmittel. Trotz der neuen medizinischen Leitlinien für Teilnarkosen, kann es auch hierbei zu Übelkeit, Erbrechen und Juckreiz kommen. Diese Nebenwirkungen treten jedoch viel seltener auf als bei den herkömmlichen Methoden. Harnverhalten zum Beispiel - eine weitere mögliche Begleiterscheinung, die das Setzen eines Harnkatheters erforderlich macht - kommt bei einer Teilnarkose viel seltener vor.
Operationen auch für ältere Menschen geeignet
Die nach einer Operation oft auftretende Verwirrtheit stellt besonders bei älteren Patienten ein Problem dar und kommt häufig in Verbindung mit Vollnarkosen vor. Wenn diese postoperative Begleiterscheinung ausgeschaltet werden kann, erholen sich ältere Patienten häufig problemloser. Zudem haben Anästhesisten der Mayo Clinic herausgefunden, dass ältere Patienten mit Hilfe der neuen medizinischen Leitlinien Operationen besser vertragen. In der Vergangenheit wurden Operationen bei älteren Menschen oft verweigert, weil sie die alten Narkoseverfahren so schlecht vertrugen.
Sie können schon früher das Krankenhaus verlassen
Patienten, die eine Teilnarkose bekamen, berichten von weit weniger unangenehmen postoperativen Begleiterscheinungen als Vollnarkose-Patienten oder Patienten, die intravenös betäubt wurden. Patienten mit Teilnarkose können das Krankenbett viel eher verlassen, früher mit der Physiotherapie beginnen und auch intensiver daran teilnehmen.
Der gesamte Krankhausaufenthalt reduziert sich meist um ein bis zwei Tage. Trotz kürzerem Klinikaufenthalt haben Patienten mit einer Teilnarkose im Nachhinein oft eine größere Beweglichkeit im Knie als Vollnarkose-Patienten.
Nervenverletzungen sind bei den neuen Methoden selten
Wenn auch nur selten, so kann es bei den neuen Anästhesie-Methoden gelegentlich zu Nervenverletzungen kommen. Unter 3.000 bis 4.000 Patienten kommt es bei einem vor, dass als Folge eines Katheters Nerven getroffen, gequetscht oder verletzt werden. Dies kann zu Taubheits- oder Schwächegefühlen führen, die nach anfänglicher Besserung trotzdem weiter bestehen bleiben. Bei den meisten Patienten verschwinden die Taubheitsgefühle nach acht bis zwölf Wochen. In wenigen Fällen dauern sie jedoch länger an.
Dennoch sind die neuen Anästhesie-Methoden für die meisten Menschen von Vorteil, da sie eine Operation schmerzfreier machen, das Komplikationsrisiko verringern und die Rekonvaleszenzzeit (Genesung) verkürzen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rumbaur (26.04. 2011 16:32 Uhr):
Vor elf Jahren habe ich eine TEP, - Hüfte erhalten. Damals war bereits die Periduralnarkose als Alternative zur Vollnarkose üblich - mit oder ohne genau auf die Dauer der OP dosiertes Schlafmittel. Beste Erahrung damit gemacht.
Antworten - Kommentar von Franziska (26.04. 2011 23:12 Uhr):
@Nervenblockade wurde 2009 während KnieTep bei mir gemacht.Folge:13 Mon. im Rollstuhl,bleibender Schaden nach 2 Jahren sind; keine Treppen steigen,keine Kupplung mehr treten im Auto,unsagbare Dauerschmerzen,gehen max 100m mit Rollator möglich,Selbstständigkeit dadurch aufgegeben müssen.Als Krönung ist die Ignoranz des Arztes,der das ganze verursachte.Ich bekam ein Schreiben mit seinem Bedauern und dem Zusatz,das ich ja aufgeklärt worden bin,das derartige Schäden entstehen könnten.Keine Entschädigung oder dergl. Niemals würde ich dem Verfahren noch einmal zustimmen.
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