Freundschaft braucht Pflege - dafür werden Sie belohnt
Sylvia Schneider in Täglich Gesund
vom 19. Januar 2009, 16:00 Uhr
GNL5356
Eine Familie hat man, Freunde kann man sich aussuchen", sagt der Volksmund. Der Freundeskreis wird in der Zukunft noch wichtiger werden, als er das schon zuvor war: Die Familien werden immer kleiner, und ihre Mitglieder leben oft in alle Winde verstreut.
Immer mehr Menschen leben allein, immer mehr tun das nicht freiwillig insbesondere wenn sie älter werden. Die Zahl der Single-Haushalte steigt. Darin leben zunehmend Frauen, die nicht mehr zu den ganz jungen gehören. Meist sind es jene, die ihren Partner verloren haben sei es durch Trennung, Scheidung oder Tod. Manche sind auf der Suche nach einem neuen Partner, andere sind sich ziemlich sicher, dass sie ihr Leben wahrscheinlich nicht mehr mit jemand anderem teilen werden. Passende Partner sind von einem gewissen Alter an Mangelware.
Gerade Alleinlebende profitieren von einem intakten Freundeskreis
Eine Zeit lang wurde suggeriert, das Single-Dasein sei ein erstrebenswerter Zustand, weil von größtmöglicher Unabhängigkeit und Unverbindlichkeit geprägt. Doch in aktuellen Befragungen wird immer deutlicher, dass kaum eine Frau es am Ende wirklich als beglückend empfindet, allein zu leben. Diese Freiheit ist nicht wirklich eine. Umso wichtiger wird das soziale Netz, das sie auffängt, wenn sie durchhängt, sich schlecht fühlt oder tatkräftige Unterstützung braucht.
Doch stärker als Sie denken, funktioniert diese Wahlverwandtschaft nur, wenn das Verhältnis von Geben und Nehmen ausgewogen ,,gefühlt" wird. Forscher kamen jetzt zu der verblüffenden Erkenntnis: Erwarten Sie nicht allzu viel von Ihren Freundinnen und Freunden, nehmen Sie erst einmal Ihre eigene Freundschaftsfähigkeit unter die Lupe. Nur was Sie selbst zu geben bereit sind, dürfen Sie auch von anderen erwarten. Das klappt vor allem bei Freundschaften, je länger sie andauern, je älter sie sind. Das trifft auf diejenigen zu, die gemeinsam schwere Zeiten etwa Kriegs- oder Nachkriegszeiten und andere Krisenereignisse geschultert haben. Tatsächlich zeigt die Erfahrung vieler Frauen, dass sich zwei Seelen selbst dann zutiefst miteinander verbunden fühlen können, wenn sie nur ab und an voneinander hören sie empfinden ,,es trotzdem jedes Mal so, als hätten wir uns gerade gesehen!"
Wer ist es überhaupt wert, Freundin oder Freund genannt zu werden?
Wahre Freundschaft zeigt sich vor allem in Notsituationen. Oft sind die vermeintlichen Freunde verschwunden, wenn es ernst wird etwa in Krisen um den Arbeitsplatz, bei finanziellen Engpässen, bei längerer Krankheit oder wenn ein Tod ins Haus steht. Viele ,,Busenfreundinnen" entpuppen sich da schnell als lediglich lockere ,,Lebensabschnittsbegleiter". Von der echten Freundin erwarten Sie jedoch, dass Sie sie in allen Lebenslagen begleitet. So wie die Freundin unserer Leserin Margaret E. (43), die Margarets Kinder bei sich aufnahm, als die sich wegen einer Krebserkrankung einer Chemotherapie unterziehen musste. ,,Ohne meine Freundin hätte ich das nie überstanden. So schlecht es mir auch ging, ich wusste immer, meine Kids sind bei ihr gut aufgehoben." Befreundet sind sie allerdings auch schon seit 34 Jahren, seit sie gemeinsam die Schulbank drückten.
Je älter Sie werden, umso wählerischer gehen Sie mit Ihren Freundschaften um
Enge Freundschaften so eine australische Studie erhöhen die Lebenserwartung um bis zu 22 %. Das klingt gut und wahr. Doch ein bedenkenswerter wissenschaftlicher Einwand aus der Schweiz lautet: Haben Menschen eine höhere Lebenserwartung, weil sie enge Freunde haben? Oder haben sie ein intaktes Freundschaftsnetz, weil sie gesund und fit sind? Haben ältere und kränkelnde Menschen die gleichen Chancen auf eine verlässliche soziale Umgebung?Das hieße: Freundschaften sind die Folge von guter Gesundheit und nicht umgekehrt. Sicher ist so viel: Hat ein Mensch Freunde, ist er auf jeden Fall besser dran. Wird jemand krank und muss gepflegt werden, treten familiäre Pflichtgefühle wieder in den Vordergrund.
Zum Schluss doch nun die wirklich gute Nachricht: Je älter Sie werden, umso freundschaftsfähiger werden Sie. Zwar sind Sie dann ,,Fast-Food-Freundschaften" nicht mehr sehr zugeneigt, sortieren mehr die Spreu vom Weizen, doch was dann übrig bleibt, ist wunderbar und bereichernd, sollte gehegt und gepflegt werden. Die meisten Frauen haben am Ende nur eine Hand voll wirklich guter Freundinnen, was aber durchaus ausreicht. Da die Menschen heute allgemein flexibler geworden sind, gelingt es auch noch spätere, neue Freunde zu finden.
Selbst in einer guten Freundschaft muss es übrigens nicht immer um den Sinn des Lebens und die Beschwernis des Alltäglichen gehen. Auch die Leichtigkeit des Seins kann Ihre Freundschaft bereichern. ,,Freunde sind wie Gärten, in denen man sich ausruhen kann", fand der französische Dichter Antoine de Saint-Exupery. Gärten sind da, wenn man sie braucht. Freunde auch."