Familientherapie: Der Therapeut befragt auch Ihre Angehörigen
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 13. Mai 2011, 00:00 Uhr
GNL5356
Ein praktisches Beispiel soll Ihnen das System der Behandlung verdeutlichen: Familie Schmidt hat einen Sohn, der wegen Depressionen und Verfolgungswahn immer wieder in Behandlung muss. Dem Vater liegt auf der Seele, dass er seinen Sohn einmal gegen dessen Willen in die Klinik eingeliefert und ihn dort allein zurück gelassen hat. Die Mutter grübelt wieder und wieder darüber nach, ob sie als Mutter versagt hat. Sie macht sich Vorwürfe, dass sie ihren kleinen Sohn einmal auf einem Spaziergang verloren hat und ihn erst nach Stunden wiederfand. Die beiden Geschwister fühlen sich nicht genügend geliebt, weil der kranke Bruder immer im Mittelpunkt steht. Zudem gibt es bei den Großeltern noch einige dunkle Punkte im Leben. Darüber wird jedoch beharrlich geschwiegen.
Die Eltern Schmidt entschließen sich wegen ihres kranken Sohnes zu einer Familientherapie. Sie erwarten, dass er das Hauptthema sein wird. Doch der Therapeut erfragt zunächst das Anliegen aller Familienmitglieder. In seiner Anwesenheit gelingt es ihnen zu erzählen, wie sie sich vom Rest der Familie wahrgenommen fühlen. Sie schauen ihm dabei in die Augen, wenden sich indirekt aber an ihre Familie. Diese hört zum ersten Mal, wie sich die anderen sehen und fühlen. Mit Hilfe des Therapeuten und seiner verschiedenen Instrumente schaffen sie es, darüber zu sprechen, was in ihrer Familie schief läuft und wie sich das ändern ließe.
Stellen Sie sich das Prinzip der systemischen Familientherapie so vor: Eine Familie gleicht einem Mobile. Wenn Sie dieses an einer Stelle antippen, kommt das ganze System in Bewegung. Überall tut sich etwas, die inneren Grenzen öffnen sich, die Familie heilt sich selbst.