Fallen Sie nicht auf die Werbesprüche vom „guten“ und „schlechten“ Zucker herein

in Täglich Gesund
vom


von Sylvia Schneider

Die meisten Menschen essen zu viele Kohlenhydrate in Form von schnell verwertbarem Zucker wie Süßigkeiten und Weißmehlprodukte. Zudem nehmen sie mit industriell gefertigten Lebensmitteln eine Menge versteckten Zucker auf – er verbirgt sich nicht nur in Süßspeisen oder Kindernaschereien, sondern auch in Fischsalaten, Würstchen oder Königsberger Klopsen. Das stimmt. Richtig ist auch, dass Sie davon dick werden – vorausgesetzt, Sie bewegen sich zu wenig. Doch der Haushaltszucker selbst wird zu Unrecht verteufelt, denn für Diabetes und Bluthochdruck ist Übergewicht verantwortlich, nicht der Zucker auf Ihrem Speiseplan. Wenn Sie einigermaßen normalgewichtig sind, kann Ihnen Zucker nicht wirklich etwas anhaben – es sei denn, Sie essen ihn in großen Mengen. Dass Zucker dumm macht, weil er langfristig den Blutzuckerspiegel absenkt und dadurch dem Gehirn Futter fehlt, wie sensationsheischende Zuckerkritiker behaupten, verweisen die seriösen Ernährungsmediziner ins Reich des Blödsinns. Wenn dem so wäre, würde der Mensch an Unterzuckerung sterben. Das weiß der Körper jedoch zu verhindern.


Der süße Geschmack rettete unseren Vorfahren das Leben

Von Geburt an sind Sie mit Sensoren für die Geschmacksrichtung „süß“ ausgestattet. Der erste Geschmack, mit dem ein Neugeborenes in Berührung kommt, ist die an Milchzucker reiche Muttermilch. Diese süße Erinnerung speichert das Gehirn in Verbindung mit dem wohligen Gefühl von Geborgenheit. Doch die Erinnerung geht noch viel weiter in die Entwicklungsgeschichte des Menschen zurück: Unsere Vorfahren orientierten sich an dem süßen Geschmack von Früchten und Beeren, denn er signalisierte ihnen Reife und Genießbarkeit. Bitteres wurde instinktiv als nicht genießbar und damit als unter Umständen gefährlich eingeordnet.

In fast allen Lebensmitteln wird Ihnen versteckter Zucker „untergejubelt“

Diesen natürlichen Hang zum Süßen macht sich die Lebensmittelindustrie in wachsendem Maß zunutze. Sie mischt Zucker in so gut wie alle Fertignahrungsmittel hinein – auch dort, wo Sie es gar nicht erwarten, wie etwa in Wurst. Ein Blick auf das Kleingedruckte verrät Ihnen, unter welchen Tarnnamen Zucker meist von Ihnen unbemerkt den Weg in Ihren Magen findet: Saccharose, Dextrose, Laevulose, Maltose, Laktose oder Fructose sind nichts anderes als Zucker. Rund 80 % der täglich verzehrten Zuckermenge nimmt der Bundesbürger inzwischen in Form von industriell verarbeiteten Lebensmitteln zu sich. Und das ist der Grund dafür, dass die meisten Menschen mehr Zucker essen, als ihnen gut tut. Rein statistisch gesehen kommen pro Person etwa 36 Kilo im Jahr zusammen – damit weitaus mehr als empfohlen und sinnvoll ist. Daran ist aber eben nicht der Zucker schuld. Damit Ihnen als Verbraucherin nicht klar wird, wie viel Zucker Sie eigentlich so schlucken, ist die Lebensmittelindustrie auf ein geniales Täuschungsmanöver gekommen: Sie wirbt mit dem Zusatz von „gutem“ Zucker – etwa braunem Zucker, Fruchtdicksäften oder Fruchtzucker.

Den Vogel schießen dabei die „Fruchtzwerge“ ab, für die mit dem Slogan „....mit der Süße von Früchten – ohne Zusatz von Kristallzucker“ geworben wird. Das klingt viel gesünder, nicht wahr? Ihrem Körper ist es jedoch ganz gleich, um welchen Zucker es sich handelt. Tatsächlich ist die zugesetzte Traubenfruchtsüße um nichts wertvoller als der herkömmliche Haushaltszucker. Für Ihren Körper ist Zucker gleich Zucker. Und kalorienmäßig nehmen sich alle Zuckerarten nichts. Von den in der Werbung propagierten Vitaminen und Mineralstoffen ist nach der industriellen Bearbeitung überdies meist nichts mehr übrig. Um beispielsweise Ihren Tagesbedarf an Vitamin B1, B2, oder B3 zu decken, müssten Sie 10 bis 20 Kilo braunen Zucker essen, wie die Fachzeitschrift Natur + Kosmos vorrechnet. Mit einem Schnitzel, Erbsen und einem Glas Milch fahren Sie da wesentlich besser. Wollten Sie den Vitamin C-Gehalt eines Apfels über Blütenhonig, Ahornsirup oder Fruchtdicksaft zu sich nehmen, kämen Sie gleichzeitig auf die 30fache Kalorienmenge.

Klebriger Zucker haftet länger an Ihren Zähnen

Aber Haushaltszucker ist für Karies verantwortlich, werden Sie nun möglicherweise einwenden. Richtig, doch gerade die als natürlich und gesund propagierten Zucker in Sirup, Dicksäften oder Honig kleben länger an den Zähnen als Kristallzucker. Also auch kein Pluspunkt für die natürlichen Zuckeralternativen. Traubenzucker hält ebenfalls nicht, was Ihnen versprochen wird. Zwar geht er schnell ins Blut über und spendet rasch Energie, doch hat er einen sprunghaften Absturz im Schlepptau: Nach dem abrupten Anstieg des Blutzuckerspiegels folgt postwendend eine starke Unterzuckerung, die den Appetit auf einen neuerlichen Zuckerverzehr auslöst. Das wiederum kann Ihre Bauchspeicheldrüse belasten und zu Übergewicht führen.

Auch dass Zuckerkonsum zu Diabetes führt, konnte bislang nicht bewiesen werden. Wissenschaftler, die jetzt einen entsprechenden Forschungsarm der „Women’s Health Study“ auswerteten, fanden beispielsweise keinen wesentlichen Einfluss von Zucker auf die Ausbildung eines Diabetes. Dennoch birgt ein übermäßiger Zuckergenuss das Risiko, dass es über den Umweg Übergewicht zu den gefürchteten Folgen kommt. Sobald die körpereigenen Zuckerspeicher voll sind, wird überschüssiger Zucker in Fett umgewandelt. Ein hoher Insulinspiegel behindert indes den Abbau von Speckröllchen. Ein ausgeprägter Zuckerkonsum bringt eine Menge Kalorien mit sich und verdrängt wertvolle andere Nährstoffe vom Speiseplan. Hinzu kommen oft ein hoher Fettkonsum und ein Mangel an Bewegung. Das alles kann im Verbund Krankheiten nach sich ziehen.

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Sylvia Schneider

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