Jogging: Zu hartes Training ungesund
In meiner Sprechstunde werden mir immer wieder Fragen zu den Themen Sport und Ernährung gestellt, die auch für Sie wichtig sein könnten. Einige interessante Themen habe ich für Sie zusammengestellt.
Frage: Ich trainiere seit einiger Zeit, und es macht mir viel Spaß. Nun laufe ich mehrmals pro Woche rund 45 Minuten. Mein Tempo ist so schnell, dass ich es halt noch schaffe, diese dreiviertel Stunde durchzuhalten. Ein Freund sagte aber jetzt zu mir, dass ein so intensives Training nicht gesund sei — und wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich am Tag nach meinen Trainingseinheiten schon erschöpft. Liegt das wirklich am Laufen?
Dr. Spitzbart: Ihr Freund hat Recht – trainieren Sie zu hart, ist das wirklich nicht gesund. Und Sie merken es ja auch selbst. Die Erschöpfung am nächsten Tag ist ein deutliches Zeichen Ihres Körpers, dass Sie ihm zu viel abverlangen.
Ich rate Ihnen: Gehen Sie zu einem Sportmediziner und lassen Sie einen Fitness-Test machen. So kann der Arzt Ihre individuellen Pulsgrenzen genau bestimmen. Kaufen Sie sich eine Pulsuhr, auf der Sie Ihre Pulsgrenzen einstellen können, und halten Sie sich an diese Werte. Dann trainieren Sie so, dass es für Ihre Gesundheit echte Vorteile bringt. Sie werden zwar langsamer unterwegs sein als bisher, aber das Erschöpfungsgefühl am nächsten Tag wird der Vergangenheit angehören.
Frage: Ich habe in meiner Kindheit Sport gemacht, aber dann nie wieder. Nun bin ich 52 Jahre alt. Sie schreiben, wie viele Vorteile mir Sport bringen kann. Aber wenn ich jetzt noch anfange, in meinem Alter, ist das nicht sowieso zu spät?
Dr. Spitzbart: Es ist nie zu spät, mit dem Training anzufangen, denn der menschliche Körper hat die Fähigkeit, sich das ganze Leben lang auf neue Reize hin neu anzupassen.
Es gibt viele Studien, die in den letzten 30 Jahren erstellt wurden. Sie hatten alle ein Thema: Wie wirken verschiedene Trainingsarten auf unterschiedliche alte Menschen? So führten Senioren jeden Alters Koordinationsübungen, Herz- Kreislauf-Training, Gleichgewichtstraining oder Beweglichkeitsübungen durch — das Ergebnis war immer dasselbe: Ganz gleich, wie alt die Studienteilnehmer waren, die Fitness verbesserte sich deutlich.
Die neueste Studie zu diesem Thema stammt von der Harvard Medical School. Die Wissenschaftler führten mit 82- bis 96-Jährigen 6 Wochen lang altersgerechte Kraftübungen durch. Nach dieser Trainingsphase hatte sich die körperliche Leistungsfähigkeit der Teilnehmer deutlich gesteigert. Es waren sogar Patienten darunter, die nach der Trainingsphase wieder ohne Gehhilfe laufen konnten oder ehemals Bettlägrige, die sich nun mit einer Gehhilfe wieder fortbewegen konnten.
Wichtig ist nur, dass Ihr Training auf Ihre körperlichen Fähigkeiten angepasst ist. Übernehmen Sie sich nicht! Sie sollten schon bedenken, dass Sie 52 Jahre alt sind, und langsam an die Sache herangehen. Vielleicht starten Sie erst einmal mit Walking, 3-mal pro Woche eine halbe Stunde lang. Nach und nach können Sie dann schneller werden und bald ins Joggen übergehen.