Erythropoetin: Keine Chance bei Krebs-Fatigue
Sylvia Schneider in Naturmedizin aktuell
vom 1. April 2009, 06:00 Uhr
GNL5356
Krebserkrankungen ziehen oft eine jahrelange tiefgreifende Erschöpfung nach sich - die Chronische Fatigue (= Müdigkeit). Das liegt sowohl am Krebsleiden selbst als auch an der aufreibenden und in der Regel langen Behandlung sowie an den psychischen Auswirkungen. Im Blut der Betroffenen wird dann meist ein Sauerstoffmangel (eine Anämie) festgestellt. In den vergangenen Jahren setzten die Ärzte zur Therapie bei Fatigue deshalb das als Dopingmittel bekannte Erytrhopoetin (EPO) ein - erfolgreich! Die Lebensqualität der Betroffenen wurde eindeutig gesteigert. Es sprach vieles dafür, dass EPO - ein körpereigenes Hormon - sogar die Überlebenszeit verlängern könnte.
Seit kurzem wird jedoch vor dem Einsatz gewarnt. Denn in neuen Studien wurde herausgefunden, dass das Mittel die Lebenszeit verkürzen kann. Es wurden mehr als 50 Studien mit mehr als 13.000 Krebspatienten analysiert. Die Forscher ermittelten ein um 10 Prozent gestiegenes Sterberisiko sowie eine höhere Gefahr für Blutgerinnsel und Embolien. Das gilt für Brust-, Gebärmutterhals-, Kopf-, Halstumoren sowie bestimmte Formen von Lungenkrebs. Krebsmediziner raten nun dazu, den Einsatz von EPO sehr genau zu überdenken und darauf zu verzichten, wenn noch gute Heilungsaussichten bestehen. Gilt der oder die Erkrankte als "austherapiert", sollte EPO nicht verweigert werden. Als Alternative zu EPO steht die Bluttransfusion zur Verfügung.