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Übergewicht - so schlimm wie alle sagen?

Übergewicht gilt als Bezeichnung für ein Gewicht, welches in Relation zur Körpergröße zu hoch ist. Man unterscheidet zwischen Übergewicht oder Präadipositas und schwerem Übergewicht oder Fettleibigkeit beziehungsweise Adipositas.

Zur Definition von Übergewicht existieren verschiedene Berechnungsformeln. Dazu zählen der Broca-Index, der Body-Mass-Index, der Ponderal-Index, das Verhältnis von Taille zu Hüfte oder die simple Vermessung des Bauchumfangs. Es besteht kein medizinischer Konsens darüber, wo das wünschenswerte Gewicht eines Menschen liegt.

Die Ursachen

  • Überernährung
  • Bewegungsmangel
  • Stoffwechselstörungen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Nebenwirkungen einiger Medikamente
  • psychologische Faktoren
  • genetische Disposition

Das Luxusproblem Übergewicht

Übergewicht stellt ein Luxusproblem dar, dessen gehäuftes Auftreten in industrialisierten Ländern durch zwei Veränderungen der Lebensumstände hervorgerufen wird: Die ständige Verfügbarkeit kalorienreicher Nahrungsmittel sowie eine geringere körperliche Aktivität, da weniger Menschen körperlich anstrengende Arbeit verrichten.

Es ist umstritten, ob bereits einfaches Übergewicht ernstzunehmende Konsequenzen für die individuelle Gesundheit mit sich bringt. Eine erhöhte Morbiditätsrate bei Adipositas ist ohne Zweifel erwiesen. Darüber hinaus führt das hohe Gewicht zu einer Überlastung und somit schnelleren Abnutzung von Gelenken und Wirbelsäule.

Es begünstigt das Entstehen verschiedener Krebsarten, vermindert die Zeugungsfähigkeit und kann Diabetes, Bluthochdruck, Arthrose und diverse Herzleiden hervorrufen. Zur Bekämpfung von nicht krankheitsbedingtem Übergewicht ist eine Veränderung der Lebensumstände nötig. Der Betroffene muss die Kalorienzufuhr bei gleichzeitiger Steigerung der körperlichen Aktivität einschränken.

Ein paar Pfündchen mehr schaden nicht

Während alle Welt aus Modegründen nach Schlankheit strebt, verkündet eine neue Studie der amerikanischen Gesundheitsbehörde etwas anderes: Ein paar Pfunde mehr schaden Ihrer Gesundheit nicht, sondern verlängern Ihr Leben.

Vor allem ältere Menschen profitieren von dieser stillen Reserve. Die Studie ergab, dass auf der einen Seite jedes Jahr 112.000 Menschen in den USA an den Folgen ihres Übergewichts sterben. Auf der anderen Seite überstehen jedoch 86.000 Senioren Krankheiten, weil sie ein paar Pfund mehr als das Normalgewicht auf die Waage bringen.

Dann haben sie „mehr zuzusetzen“. Krankheiten laugen sie nicht in vergleichbarem Maße aus. Des Weiteren sterben jedes Jahr 34.000 Bürger an Untergewicht.

Dick, aber gesund und fit

Übergewichtige und fettleibige Menschen können einen normalen Stoffwechsel aufweisen und fit sein. Übergewicht geht nicht zwangsläufig mit einer schlechteren Prognose einher. Dies bestätigen zwei wissenschaftliche Studien, die im Mediziner-Fachblatt „European Heart Journal“ erschienen.

Eine der Studien zeigt, dass ein Teil der übergewichtigen und adipösen Menschen weder unter Bluthochdruck, noch Diabetes mellitus und erhöhten Cholesterinwerten leidet. Des Weiteren sei das Herz-Kreislauf-System intakt, sodass sie als insgesamt fit gelten. Das schreiben der spanische Mediziner Dr. Francisco Ortega (Universität von Granada) und seine Mitarbeiter.

Hauptsache intakter Stoffwechsel

Für die Studie werteten Forscher die Daten von über 43.000 übergewichtigen oder adipösen Personen aus. Diese nahmen zwischen 1979 und 2003 an einer Langzeitstudie (Aerobics Center Longitudinal Study, ACLS) teil. Das Kriterium für die Aufnahme bestand im Körperfett-Anteil der Männer von mindestens 25 Prozent und der Frauen von mindestens 30 Prozent.

Die Daten erhoben die Mediziner per Fragebögen sowie klinischer und laborchemischer Untersuchungen. Sie ermittelten die Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge mit Ergometertests. 46 Prozent der Studienteilnehmer zeigten einen intakten Stoffwechsel.

Die statistische Auswertung ergab bei ihnen ein signifikant niedrigeres Gesamtsterbe-Risiko. Das Risiko für die Entwicklung einer Herz-Gefäß-Erkrankung oder eines Herzkreislauf-Todes fiel bei ihnen eindeutig geringer aus als bei den Übergewichtigen mit gestörtem Stoffwechsel.

Die zweite Studie bestätigt, dass stark Untergewichtige und stark Adipöse die schlechteste Prognose aufweisen. Sie sterben deutlich früher als normalgewichtige (BMI zwischen 21 und 23,5) und leicht übergewichtige Menschen (BMI zwischen 26,5 und 28).

Schlechte Karten im Berufsleben

Ob solche Erkenntnisse die Stigmatisierung übergewichtiger und adipöser Menschen mindern, bleibt unklar. Kürzlich meldeten Tübinger Wissenschaftler, dass stark übergewichtige Personen bei Personalentscheidern keine guten Karten besäßen.

Zu diesem Ergebnis kam eine experimentelle Studie über Vorurteile von Personalentscheidern gegenüber Adipösen. Sportwissenschaftler Professor Ansgar Thiel und Psychosomatiker Professor Stephan Zipfel von der Universität Tübingen leiteten die Studie.

Die Wissenschaftler befragten bei einem Experiment gemeinsam mit Dr. Katrin Giel und Manuela Alizadeh 127 erfahrene Personalentscheider. Die Studie erschien im Fachjournal „BMC Public Health“. Für die Tübinger Wissenschaftler bedeuten die Ergebnisse ein klares Signal: Nicht nur der Kampf gegen die Adipositas selbst muss man stärker fördern, sondern darüber hinaus die Entwicklung von Maßnahmen gegen die Stigmatisierung adipöser Menschen.

Ein erster Schritt sei, in Bewerbungsverfahren auf Fotomaterial zu verzichten, um die Chancengleichheit zu wahren. „Sonst ist für Menschen mit starkem Übergewicht das Verfahren möglicherweise schon zu Ende, bevor es richtig angefangen hat“, so Thiel.

Körperfett kann nur der Arzt genau messen

Einige Menschen möchten sich zur Kontrolle ihrer Diät eigentlich eine Körperfettwaage kaufen. Immer wieder hört man allerdings, dass diese Geräte zum Körperfett messen nicht viel taugen. Stimmt das?

Körperfett messen mit Körperfettwaage sinnvoll?

Das stimmt; zumindest, was solche Waagen für „Privatpersonen“ angeht. Sie liefern sehr ungenaue Werte. Besonders bei Frauen stimmen die Messergebnisse nicht – die Abweichungen zur tatsächlichen Körperfett-Menge betragen bis zu 40 %. Gute Geräte haben bei Frauen immerhin noch eine Abweichung von 20 %, bei Männern bis zu 13 %. Zu viel also, als dass ich Ihnen ein Modell empfehlen möchte.

Bauweise ist das Problem

Die Abweichungen liegen in der Bauweise der Waagen begründet. Alle Geräte, egal von welchem Hersteller, funktionieren nach ein und demselben Prinzip. Die Elektroden in der Waage jagen einen ganz schwachen Strom durch den Körper.

Da Muskeln und Wasser dem Strom weniger Widerstand leisten als Fett, kann die Waage aus dem Gesamt-Widerstand den Fettanteil des Körpers berechnen. Da sich der Strom aber immer den kürzesten Weg durch den Körper sucht, wandert er zum einen Bein hinein und zum anderen wieder heraus – die komplette obere Körperhälfte bleibt unberücksichtigt.

Da aber bei Frauen meist die Oberschenkel mehr Fett enthalten, als die restlichen Körperteile, kommen die falschen Ergebnisse zustande.

Körperfett messen mit Hand-Körperfett-Messgeräten ist auch nicht das Wahre

Ähnlich falsche bzw. ungenaue Ergebnisse liefern übrigens Hand-Körperfett-Messgeräte – sie erfassen eben nur die obere Körperhälfte, schon nicht mehr den Bauch. Wenn Sie Ihr Körperfett wirklich genau wissen wollen, dann ist es sicherer, eine Messung beim Arzt durchführen zu lassen.

Welche 3 Erkrankungen verhindern, dass die Pfunde purzeln

Übergewicht wird in der Regel dadurch verursacht, dass Sie mehr Kalorien zu sich nehmen, als Sie verbrauchen. Doch nicht immer ist übermäßige Ernährung allein schuld an zu vielen Pfunden. Manchmal können auch Störungen im Körper zu gesteigertem Gewicht führen. Welche das sind und wie Sie sie bekämpfen können, lesen Sie in diesem Beitrag.

Zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung mit zu wenig Obst und Gemüse, dafür zu viel Zucker und Weißmehlprodukte, das sind die Gründe, die zu Übergewicht führen. Tatsächlich weiß auch ich aus meiner Praxis, dass viele Menschen, die unter Übergewicht leiden, selbst hierzu beigetragen haben.

Die Industrie macht es uns aber heute auch leicht, uns falsch und kalorienreich zu ernähren – ­Fertigprodukte scheinen eine einfache Lösung zu sein, schnell eine Mahlzeit auf den Teller zu zaubern. Eine ausgewogene Ernährung bleibt dabei aber leider auf der Strecke.

Zu viele Pfunde trotz gesunder Ernährung

Doch nicht immer sind die klassischen Gründe – Bewegungsmangel und falsche Ernährung – schuld an den überflüssigen Kilos. Es gibt Menschen, die zu mir kommen und verzweifelt sind. „Herr Doktor, ich ernähre mich gesund, ich bewege mich ausreichend, und dennoch nehme ich nicht ab“ – solche Klagen kenne ich.

Wenn die Betroffenen dann ihre Alltags- und Ernährungsgewohnheiten schildern, merke ich, dass sie tatsächlich alles tun, um Gewicht abzubauen und gesund zu leben. Aber dennoch sehen sie keine Erfolge. Der Grund hierfür ist häufig in bestimmten Krankheiten zu suchen.

Die sorgen dafür, dass Sie unter Heißhungerattacken leiden, Nährstoffe nicht ausreichend verwenden oder Ihr Stoffwechsel zu langsam arbeitet. Werden diese Erkrankungen behandelt, purzeln dann – wie durch ein Wunder – auch die Pfunde.

Lebensmittelunverträglichkeiten

Werden übergewichtige Menschen untersucht, finden sich bei vielen Unverträglichkeiten gegen bestimmte Nahrungsmittel. Hierzu gehören unter anderem Milch­eiweiß, Eier und Kartoffeln. So eine Unverträglichkeit kann sich tatsächlich auf das Gewicht auswirken.

Denn essen Sie Lebensmittel, die Sie nicht richtig verdauen können, wird diese Tatsache auch beeinflussen, wie andere Lebensmittel verdaut werden, die Sie normalerweise gut vertragen. Auch die werden dann zum Teil nicht verwertet. Die Folge: Sie nehmen nicht genügend der Nahrungsinhaltsstoffe auf. Daraus resultiert, dass Sie immer Hunger haben und so deutlich mehr essen, als Sie eigentlich müssten.

Nebennierenunterfunktion

Unter einer solchen Unterfunktion der Nebennieren leiden vor allem Menschen, die ständig unter Stress stehen. Sie bemerken das daran, dass Sie sich ständig erschöpft fühlen, nachmittags häufig müde sind und einen zu niedrigen Blutdruck sowie niedrige Blutzuckerwerte aufweisen. Letztere sind der Auslöser dafür, dass Sie ständig Heißhunger haben und außerdem den ganzen Tag lang Süßigkeiten essen möchten.

Schilddrüsenunterfunktion

Wenn die Schilddrüse träge ist, arbeitet auch Ihr Stoffwechsel sehr langsam. Verspüren Sie Müdigkeit, Kälte, depressive Verstimmungen und leiden Sie unter Haarausfall, dann kann die Schilddrüse durchaus schuld an Ihrem Übergewicht sein.

Lassen Sie Ihrem Körper genügend Zeit

Bedenken Sie eines: Nicht jeder übergewichtige Mensch leidet unter diesen Beschwerden. Häufig ist Übergewicht tatsächlich „hausgemacht“. Aber wenn Sie gesund leben und dennoch deutlich zu viel wiegen, sollten Sie Ihren Körper einmal genau beobachten und Ihren Arzt um Rat fragen, ob Sie vielleicht unter einer der drei oben dargestellten Erkrankungen leiden und wie Sie diese gegebenenfalls behandeln können.

Wenn eine solche Behandlung erfolgreich verläuft, wird auch Ihr Übergewicht nach und nach weniger werden. Doch erwarten Sie keine Wunder: Die Pfunde werden nicht von heute auf morgen purzeln. Sie haben sich im Laufe der Zeit aufgebaut – geben Sie Ihrem Körper also ausreichend Zeit, sie auch wieder abzubauen. Bewegung hilft hierbei – und im zweiten Schritt die gesunde Ernährung.

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