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Wundermittel Himalaya-Salz: Bringt Ihnen preiswertes Normalsalz nicht doch genauso viel?

In der Esoterikszene ist das kristalline Salz vom Dach der Welt längst ein Renner. Es soll „energetische Stärke“ bescheren. Unfug, sagen die Wissenschaftler: Salz ist Salz.

Salz – so sagt der Volksmund – ist die Würze in der Suppe des Lebens. Eine Prise Salz macht das Essen schmackhaft und manches Nahrungsmittel erst genießbar. Doch allzu viel ist ungesund. Deswegen achten die Gesundheitsbewussten unter uns auf ihren Salzkonsum.

Nun ist jedoch ein Salz aufgetaucht, dessen Genuss selbst Gesundheit verheißt. Es soll Gicht, Arthrose und Krebs heilen. Es kommt vom Himalaya und wird als „Essenz des Urmeeres“ gepriesen und soll die hochwertigste Form von Natursalz darstellen. Alles Rosstäuscherei, kritisieren Experten.

Der Anfang des Esoterik-Trends

Angefangen hatte der Himalaya-Salz-Boom vor etwa einem Jahr mit dem Buch „Wasser & Salz – Urquell des Lebens“. Es wurde schnell zum Bestseller. Seither wachsen die Anbieter von Kristallsalz wie Pilze aus dem Boden. Die Autoren Peter Ferreira und Barbara Hendel schreiben dem Mineral aus Asien die Kraft eines Allroundheilmittels zu.

Das läge an seinen geheimnisvollen Energieschwingungen, sagen sie, die angeblich alle Krankheitssymptome des Körpers heilen können. Denn das Salz habe „eine höhere Struktur“, die dem Frequenzmuster des menschlichen Körpers entspräche und ihn energetisch stärken solle.

Wissenschaftlich bewiesen ist gar nichts. Wie bei vielen Mitteln und Methoden der alternativen oder esoterischen Heilweisen sind die Phänomene und Schwingungen, auf denen die Wirkungen beruhen sollen, nicht messbar. Dass sie dennoch wirksam sein können, erscheint der herkömmlichen Wissenschaft absurd.

Die Tatsachen

Die Stiftung Warentest befand: Eine reine Glaubensfrage. Denn Himalaya-Salz besteht wie gewöhnliches Kochsalz zu mindestens 97 Prozent aus Natriumchlorid. Und an der chemischen Formel ändert auch der Glaube nichts. Der Mineralstoffgehalt, der von den Verfechtern so hochgelobt wird, sei so gering, dass er keinerlei gesundheitliche Wirkung ausüben kann. Er trägt nicht einmal einen nennenswerten Beitrag zur Bedarfsdeckung bei.

Allein die Werbebezeichnung Kristallsalz – so sagen die Kritiker – spräche Bände, denn jedes Salz habe einen kristallinen Aufbau. Selbst der schonendere Abbau des Salzes aus Asien sei eine Mär, auch dieses Salz werde mit Maschinen abgebaut und nicht per Hand abgepickelt.

Ebenso unglaubwürdig seien alle Heilversprechungen, die das Salz vom Dach der Welt einlösen soll. Himalya-Salz ist also nicht schlechter als normales Salz, aber auch nicht besser. Dafür können Sie jedoch locker bis zu 30 Euro pro Kilo berappen. Ganz schön gesalzene Preise also. Unumstritten ist inzwischen der gesundheitliche Nutzen von Speisesalz, dem Jod, Fluor oder Folsäure zugesetzt wurde.

Salz historisch betrachtet

Ehemals gehörte Salz zu den seltenen, weil teuren Gewürzen. Denn nicht zu allen Zeiten war es so leicht und so preiswert zu haben wie heute. Noch bis ins vergangene Jahrhundert hinein waren die Salzquellen schwer zugänglich, es wurde um Salz gekämpft, mit ihm gehandelt und bezahlt. Salz als Zahlungsmittel brachte uns den Ausdruck „gesalzene Preise“ ein. Es wurde gehortet und von zahlreichen Staaten mit Steuern belegt.

Die römischen Soldaten erhielten ihren Sold – das Salarium, heute noch als Salär gebräuchlich – in Form von Salz. Bis in unsere Tage darf in Italien Salz wegen der Salzsteuer offiziell nur in bestimmten Läden- den so genannten „Sale e Tabacchi“ – verkauft werden.

Wie wird es gewonnen?

Salz wird durch den Abbau von Steinsalzlagern, durch Eindampfen von Sole oder Austrocknen von Meerwasser gewonnen. Nach seiner Gewinnungsart heißt es dann Stein-, Siede- oder Meersalz. Etwa 30 Prozent der jährlich verbrauchten Mengen kommen aus dem Meer oder salzhaltigen Binnenseen.

Deutschland zählt mit seinen sieben Salzbergwerken und sechs Salinen weltweit zu den großen Produzenten. Etwa 12, 5 Millionen Tonnen Salz werden jährlich gewonnen, drei Prozent davon wandern in unser Essen. Der Rest ist Industriesalz. Natriumchlorid – wie das weiße Gold chemisch genannt wird – ist inzwischen aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken.

Sein Nutzen

Vor allem auch zum Konservieren war es früher besonders nützlich. Ohne Salz gäbe es keinen Käse, keinen Schinken, kein Sauerkraut, keine Salzheringe und kein Pökelfleisch. Damit die weißen Kristalle rieselfähig bleiben und nicht klumpen oder gänzlich „zusammenbacken“, werden heute Natrium – und Kaliumkarbonate sowie gelbes Blutlaugensalz zugesetzt. Speisesalz ist in verschiedenen Korngrößen erhältlich. Das gröbere Korn wird für Laugenbrezel, Salzmühle oder Salzkrusten verwendet.

Egal ob vom Himalaya oder aus Bad Reichenhall: Für die Vitalität und Funktionsfähigkeit Ihres Körpers ist Natrium – der eine Bestandteil des Kochsalzes – unverzichtbar. Da der Organismus es nicht selbst bilden kann, muss es über die Nahrung aufgenommen werden. Allerdings bringen manche Nahrungsmittel von Natur aus schon Salz mit auf den Tisch – wie Fleisch etwa. Als Bestandteil unserer Körperflüssigkeiten spielt Salz eine wichtige Rolle im Wasserhaushalt.

Das bewirkt Salz in Ihrem Körper

– Wasserbindung in Zellen und Geweben

– Bildung von Magensäure

– Nährstoffaufnahme im Darm

– Erregungsleitung in Nerven und Muskeln

– Harnbildung.

Um diese Körperfunktionen aufrecht zu erhalten, sollte Ihre tägliche Zufuhr an Kochsalz 2,5 Gramm nicht unterschreiten. Denn diese Menge scheiden Ihre Nieren täglich aus. Erst von einer täglichen Menge von zweihundert Gramm an kann Salz für uns tödlich sein – doch wer verkraftet schon zwölf Esslöffel Salz?

Weil Natrium die Eigenschaft besitzt, Wasser an sich zu binden, wächst mit steigendem Natriumgehalt des Körpers das Blutvolumen und gleichzeitig der Druck in den Blutgefäßen. So kam man auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Bluthochdruck. Doch so einfach ist die Sache nicht.

Wie viel Salz verträgt der Körper?

Gebetsmühlenartig wurde in den vergangenen Jahren verbreitet, dass Kochsalz dem Blutdruck schadet und ihn in die Höhe treibt. Das wurde jedoch von Kritikern in Frage gestellt und unlängst durch amerikanische Studien untermauert.

So ist um den Konsum von Kochsalz ein Streit unter den Experten entbrannt, in dem auch die deutsche Salzindustrie kräftig mitmischt. Denn ihr kann es natürlich nicht recht sein, wenn Salz als schädliches Lebensmittel verteufelt wird. Doch wie meist so liegt die Wahrheit wahrscheinlich in der Mitte und die Zauberformel in der richtigen Dosierung:

Bekannt ist inzwischen, dass manche Menschen aufgrund ihrer genetischen Disposition empfindlich auf Salz reagieren. Dazu gehören jedoch auch Menschen mit normalem Blutdruck. Wenn Sie wissen wollen, ob Sie dazu gehören, können Sie das testen lassen: Zunächst wird Ihr Blutdruck gemessen und notiert, dann steigen Sie unter der Kontrolle Ihres Arztes für eine Weile auf salzarme Kost um.

In dieser Zeit wird immer wieder zu unterschiedlichen Zeiten der Blutdruckwert notiert. Nach einer bestimmten Phase wird ein Durchschnittswert errechnet. Liegt dieser eindeutig unter dem Ausgangswert, gehören Sie zu den salzempfindlichen Menschen.

Hier wird dann eine Kost empfohlen, die salzarm ist, dafür aber viel Obst und Gemüse enthält – vorausgesetzt Sie haben gleichzeitig einen zu hohen Blutdruck. Darin ist dann auch viel Kalium enthalten, dieser mineralische Gegenspieler hält die unerwünschten Wirkungen des Kochsalzes in Schach.

Generell ist unser Kochsalz-Bedarf ohnehin nicht so besonders hoch: Die Menge soll so um die drei Gramm täglich pendeln. Manche Wissenschaftler allerdings glauben, dass der Bedarf wesentlich höher liegt. Einig sind sich jedoch alle: Wir essen etwa fünf- bis fünfzehnmal mehr Kochsalz als uns gut tut. Das meiste stammt von versteckten Salzen in Wurst, Brot und Käse.

Vor allem in Fast Food und industriell gefertigten Lebensmitteln versteckt sich oft viel Salz (und Fett!). Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt sechs Gramm täglich als maximalen Richtwert. Das entspricht etwa einem Teelöffel Salz. Dieses Tagesquantum erreichen Sie einigermaßen sicher, wenn Sie sich darauf beschränken, Ihr Essen mit einem bis zwei Gramm zu salzen.

Wie man es auch nimmt, am Bluthochdruck sind jedoch vor allem andere Risikofaktoren wirklich dingfest gemacht worden – nämlich Rauchen, Bewegungsmangel, zu viel Alkohol und zu viel Fettes. Da sollten Sie wirklich aufpassen, wenn Sie Ihren Blutdruck auf Normalmaß halten wollen oder müssen.

Zu wenig Salz kann allerdings auch schädlich sein

An Salz zu sparen kann auch riskant sein. Gerade bei älteren Menschen unterdrückt salzarme Kost das Durstgefühl, so dass sie zu wenig trinken. Dadurch wird unter anderem auch ihre geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer verweist zudem auf zwei neuere Studien, nach denen die Einschränkung des Salzverzehrs Herz- und Kreislauferkrankungen fördert und die Sterblichkeit erhöht.

Am meisten hilft wohl die Formel des Paracelsus: Die Dosis macht, was Gift ist. Völlig außer Acht gelassen wird das Verhältnis von Natrium und Kalium in der Nahrung. Dieses scheint für den Blutdruck eine ebenso wichtige Bedeutung zu haben.

Es fördert als Gegenspieler des Natriums die Natriumausscheidung über die Nieren und wirkt entspannend auf die Blutgefäße. Zwei Gramm Kalium täglich werden empfohlen. Kalium ist vor allem in Obst und Gemüse enthalten wie dicken Bohnen, Erbsen, Fenchel, Kartoffeln, Bananen und Aprikosen.

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