MenüMenü

Fettersatzstoffe – keine Alternative zu echtem Fett

von unserer Amerika-Korrespondentin Jenny Thompson

Lieber Leser,

"was ist Olestra"? Diese Frage stellte mir in der letzten Woche meine Bekannte Marie. Sie fragte mich gleichzeitig: "Ist dieser Stoff gut oder schlecht für mich? Ich habe Tortillachips, die Olestra enthalten." Wenn ich Marie wäre, ich würde die Tüte sorgsam hinlegen, vorsichtig einen Schritt zurücktreten und so weit wegrennen, wie ich nur könnte.

Wenn Marie sorgsam auf die Informationen auf der Tüte geachtet hätte, wäre ihr aufgefallen, dass die Chips mit den Vitaminen A, D, E und K angereichert sind. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Olestra ist bekannt dafür, dass es im Körper diese vier Vitamine abbaut, so dass die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA Hersteller verpflichtet, genau diese Nährstoffe hinzuzufügen, die das Olestra zerstört.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Die FDA besteht auf zwingenden Vitamingaben für diejenigen, die die vitaminräuberischen "schmackhaften Snacks" wie Chips, Cracker oder ähnliches isst, die mit Olestra gemacht sind.

Wie hoch, denken Sie, sind die Chancen, dass ein Chipshersteller sich die Mühe macht, tatsächlich geeignete Mengen frischer Vitamine zu verwenden?

Olestra kann nicht im Darm verstoffwechselt werden, daher wird es weder aufgenommen oder verdaut. Wenn es durch den Verdauungstrakt wandert, bindet es fettlösliche Moleküle, wie eben die vier oben gelisteten Vitamine, und blockiert ihre Aufnahme. Aber Forschungen von Procter & Gamble, dem Hersteller, wiesen sogar auf mehr Beweise des Nahrungsmittel-Abbau hin. In einer Studie, die die Auswirkungen von einer Olestra-Aufnahme von nur 8 Gramm pro Tag (16 Kartoffelchips) untersuchte, wurde festgestellt, dass die Blutwerte von wichtigen Carotinoiden wie Luthein, Lycopin und Beta-Karotin um mehr als die Hälfte in nur zwei Wochen sanken.

Was Marie nicht auf ihrer Tüte Chips findet, ist eine zusätzliche Notiz, die die FDA verpflichtend für alle Lebensmittel machen wollte, die Olestra enthalten: "Olestra kann Unterleibskrämpfe verursachen."

Um Maries erste Frage noch zu benatworten: Olestra ist ein Fettersatzstoff der Firma Procter & Gamble, den diese schon 1968 erfunden haben. Damals hieß Olestra noch "Sucrose Polyester" und wurde dazu verwendet, die Fettaufnahme bei Frühgeburten zu verbessern.

In den 80ern entdeckte man, dass Olestra auch Fett ersetzen kann, um fettfreie Produkte zu erschaffen. Heute gibt es immer noch Zweifel an den Langzeitfolgen von Olestra. Wissenschaftler sind der Meinung, dass es gute Gründe gibt, davon auszugehen, dass zu den Nebenwirkungen von Olestra auch Herzkrankheiten, Schlaganfälle, Verlust des Sehvermögens und Krebs gehören können.

Ich würde solche Tüten vorsichtig hinlegen und rennen …

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten