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Lebensmittelkontrolle: Wie viel Gift steckt in Ihrem Gemüse?

Mehr Informationen zum Thema finden Sie auf der Übersichtsseite Obst und Gemüse

Immer wieder lasen wir in den vergangenen Wochen in der Zeitung von Gift im Paprika aus Spanien. Auch die Stiftung Warentest fand Pestizide in den Schoten. Welches Obst und Gemüse können Sie überhaupt noch bedenkenlos essen und genießen?

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Wer zu jeder Jahreszeit jedes Obst und Gemüse erwartet und das auch noch zu erträglichen Preisen, muss mit intensiv gedüngter und gespritzter Ware rechnen. Anders lassen sich rentable Ernten in den Gewächshäusern nicht erreichen. Hinzu kommt in den meisten Fällen noch eine chemische Behandlung für den Transport. Etwa 80 Prozent des Obstes und Gemüses, die bei uns in den Handel kommen, sind mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet.

So weit, so schlecht. Dennoch geben die Experten auch gleich Entwarnung: Sie sollten auf alle Fälle bei der Regel bleiben, möglichst viel Obst und Gemüse möglichst häufig auf den Tisch zu bringen. Denn die Vorteile überwiegen die Nachteile bei weitem. Selbst wenn nach dem Waschen noch chemische Rückstände am Gemüse kleben, hält sich die Gefährdung Ihrer Gesundheit in Grenzen. Die durch die Behandlung mit Chemikalien vernichteten Schimmelpilze, Salmonellen und Kolibakterien wären wesentlich riskanter für Sie.

Zudem liegen die in Stichproben festgestellten Mengen meist weit unter den Grenzwerten für die zulässige Höchstbelastung. So fand die Stiftung Warentest zwar in jeder der von ihr untersuchten Paprikaschote Rückstände von Pestiziden, aber in der Regel keine gesundheitskritischen Mengen. Besonders enttäuschend war, dass die getestete italienische Bio-Paprika zu den am höchsten belasteten Proben zählte. Das als besonders gefährlich geltende Insektizid Methamidophos, das vor einiger Zeit in der Paprika aus der Türkei von sich reden machte, wurde in keinem Fall gefunden.

Industriell angebautes Gemüse braucht Spritzmittel

Die bei uns verkaufte Gemüsepaprika kommt vor allem aus Spanien zu uns, aber auch aus der Türkei und Israel. Der großflächige Anbau – meist unter Folie – kommt ohne Spritzmittel gegen Wurzelfäule, Fraßfeinde und Schimmel nicht aus. Reife und weniger belastete Freilandpaprika können Sie zwischen Juni und November kaufen. Fragen Sie Ihren Händler danach.

Auch in Erdbeeren, Äpfeln, Trauben, Karotten und Tomaten werden bei Untersuchungen immer wieder Rückstände von Umweltgiften gefunden. Das betrifft nicht nur die Ware aus dem Ausland, auch in einheimischer Ware werden Spuren gefunden – allerdings wesentlich seltener. Als besonders gefährlich gelten dabei nicht die Rückstände einzelner Gifte, sondern der Mix aus verschiedenen Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln, weil sie sich gegenseitig verändern und verstärken können. „Es können ganze Kaskaden von Wirkungen ausgelöst werden“, erklärt die Biochemikerin Professor Ingeborg Witte von der Universität Oldenburg (natur & kosmos, März 2004). Sie beschäftigt sich seit 20 Jahren mit der Auswirkung von Pflanzenschutzmitteln auf Zellen.


Gesundheitliche Auswirkungen sind letztlich nicht feststellbar

Welche Auswirkungen diese Rückstände jedoch nun wirklich auf den Menschen haben, kann keiner genau sagen. Das ist „selten nachweisbar“, muss sogar die Umweltschutzorganisation „Greenpeace“ zugeben. Gefährdet scheinen in erster Linie die Landarbeiter oder Bauern zu sein, die die Pflanzen anbauen und die Mittel direkt verwenden. Denn dort sind sie am giftigsten. Die modernen Schädlingsbekämpfungsmittel für Obst und Gemüse sind überdies inzwischen so weit entwickelt, dass sie während der Reifezeit wieder abgebaut werden. Zumindest, wenn sie richtig angewendet werden. Doch daran scheint es immer wieder zu hapern.

So können Sie diese Erkenntnisse für sich umsetzen

  • Am wichtigsten ist es, dass Sie möglichst viel verschiedenes Obst und Gemüse essen. Nutzen Sie die gesamte Bandbreite der Gottesgaben.
  • Essen Sie Obst und Gemüse der Saison. Verzichten Sie auf Spargel im Dezember und Erdbeeren im März.
  • Vergessen Sie nicht, genügend einheimischen Kohl, Spinat und Sellerie auf den Tisch zu bringen, denn diese Gemüse bringen eine Vielzahl gesunder Stoffe mit.
  • Lassen Sie sich nicht von Schleuderpreisen erweichen, ausländische Ware zu essen. Die zulässigen Grenzwerte für Pestizidreste sind bei uns wesentlich niedriger als etwa in den südeuropäischen Anbauländern. Beispiel Andalusien: Hier müssen wegen des Klimas mehr Pestizide verwendet werden als bei uns. Entsprechend höher wurden die spanischen Grenzwerte festgelegt. Das heißt, sie dürfen offiziell stärker belastet sein. In Obst und Gemüse aus Spanien und der Türkei werden unsere Lebensmittelkontrolleure deshalb meistens fündig.
  • Kaufen Sie deutsche Bio-Ware. Sie ist zu 95 Prozent pestizidfrei.
  • Kaufen sie keine ausländischen Früh-Erdbeeren, denn sie sind besonders stark belastet. Warten Sie auf heimische Ware.
  • Waschen Sie Obst und Gemüse besonders gründlich. Wenn möglich, schälen Sie es dünn – das gilt besonders für Salatgurken –, selbst wenn direkt unter der Schale besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe sitzen.
  • Bei Salaten entfernen Sie die äußeren Blätter vor dem Waschen.
  • Äpfel von Streuobstwiesen reifen ohne chemisches Zutun.
  • Johannis-, Stachel-, Heidel- und Himbeeren sind nicht oder selten belastet (natur & kosmos, März 2004).
  • Kaufen Sie Kopfsalat, der nicht aus dem Treibhaus kommt und abends geerntet wird. Fragen Sie Ihren Gemüsehändler nach der Erntezeit: Nachts reichert sich Dünger im Kopfsalat an, der unter Sonneneinfluss wieder abgebaut wird. Geerntet wird für den Verkauf jedoch meist morgens.
Röntgenbild einer Lunge

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