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Wie viel Gift steckt in Ihrem Gemüse?

Immer wieder liest man in der Zeitung von Gift in Paprika aus Spanien. Darüber hinaus fand die Stiftung Warentest Pestizide in den Schoten. Welches Obst und Gemüse können Sie bedenkenlos essen und genießen?

Wer zu jeder Jahreszeit jedes Obst und Gemüse zu erträglichen Preisen erwartet, muss mit intensiv gedüngter und gespritzter Ware rechnen. Anders erreicht niemand rentable Ernten in den Gewächshäusern. Hinzu kommt in den meisten Fällen eine chemische Behandlung für den Transport. Etwa 80 Prozent des Obstes und Gemüses in unserem Handel sind mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln belastet.

Lieber belastet als gar nicht!

So weit, so schlecht. Dennoch geben die Experten Entwarnung: Sie sollten auf alle Fälle bei der Regel bleiben, möglichst viel Obst und Gemüse auf den Tisch zu bringen. Die Vorteile überwiegen die Nachteile bei Weitem. Selbst wenn nach dem Waschen chemische Rückstände am Gemüse kleben, hält sich die Gefährdung Ihrer Gesundheit in Grenzen. Die durch die Behandlung mit Chemikalien vernichteten Schimmelpilze, Salmonellen und Kolibakterien wären riskanter für Sie.

Zudem liegen die in den meisten Stichproben festgestellten Mengen weit unter den Grenzwerten für die zulässige Höchstbelastung. So fand die Stiftung Warentest zwar in jeder der von ihr untersuchten Paprikaschote Rückstände von Pestiziden, aber in der Regel keine gesundheitskritischen Mengen. Besonders enttäuschend war, dass die getestete italienische Bio-Paprika zu den am höchsten belasteten Proben zählte. Das als besonders gefährlich geltende Insektizid Methamidophos, das man vor einiger Zeit in der Paprika aus der Türkei entdeckte, fand sich in keinem Fall.

Industriell angebautes Gemüse braucht Spritzmittel

Die bei uns verkaufte Gemüsepaprika kommt vor allem aus Spanien zu uns, aber auch aus der Türkei und Israel. Der großflächige Anbau (unter Folie) kommt ohne Spritzmittel gegen Wurzelfäule, Fraßfeinde und Schimmel nicht aus. Reife und weniger belastete Freilandpaprika kaufen Sie zwischen Juni und November. Fragen Sie Ihren Händler danach.

Darüber hinaus finden Forscher in Erdbeeren, Äpfeln, Trauben, Karotten und Tomaten bei Untersuchungen immer wieder Rückstände von Umweltgiften. Das betrifft nicht nur die Ware aus dem Ausland: Auch in einheimischer Ware fand man Spuren – allerdings wesentlich seltener. Als besonders gefährlich gelten dabei nicht die Rückstände einzelner Gifte. Vielmehr schadet der Mix aus verschiedenen Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln, weil sie sich gegenseitig verändern und verstärken. „Dies kann ganze Kaskaden von Wirkungen auslösen“, erklärt die Biochemikerin Professor Ingeborg Witte von der Universität Oldenburg. Sie beschäftigt sich seit 20 Jahren mit der Auswirkung von Pflanzenschutzmitteln auf Zellen.

Gesundheitliche Auswirkungen nicht feststellbar

Welche Auswirkungen diese Rückstände nun wirklich auf den Menschen haben, kann keiner genau sagen. Das ist „selten nachweisbar“, gibt sogar die Umweltschutzorganisation Greenpeace zu. Gefährdet scheinen in erster Linie die Landarbeiter oder Bauern zu sein, die die Pflanzen anbauen und die Mittel direkt verwenden. Denn dort sind sie am giftigsten.

Die modernen Schädlingsbekämpfungsmittel für Obst und Gemüse sind überdies inzwischen so weit entwickelt, dass sie sich während der Reifezeit wieder abbauen. Zumindest bei richtiger Anwendung. Doch daran scheint es immer wieder zu hapern.

So setzen Sie diese Erkenntnisse für sich um

  • Essen Sie möglichst viel verschiedenes Obst und Gemüse. Nutzen Sie die gesamte Bandbreite der Gottesgaben.
  • Essen Sie Obst und Gemüse der Saison. Verzichten Sie auf Spargel im Dezember und Erdbeeren im März.
  • Bringen Sie genügend einheimischen Kohl, Spinat und Sellerie auf den Tisch. Diese Gemüse bringen eine Vielzahl gesunder Stoffe mit.
  • Lassen Sie sich nicht von Schleuderpreisen erweichen, ausländische Ware zu essen. Die zulässigen Grenzwerte für Pestizidreste sind bei uns wesentlich niedriger als in den südeuropäischen Anbauländern. Beispiel Andalusien: Hier verwendet man wegen des Klimas mehr Pestizide als bei uns. Entsprechend höher legte man die spanischen Grenzwerte fest. Das heißt, sie dürfen offiziell stärker belastet sein. In Obst und Gemüse aus Spanien und der Türkei finden unsere Lebensmittelkontrolleure in den meisten Fällen Schadstoffe.
  • Kaufen Sie deutsche Bio-Ware. Sie ist zu 95 Prozent pestizidfrei.
  • Kaufen sie keine ausländischen Früh-Erdbeeren, denn sie sind besonders stark belastet. Warten Sie auf heimische Ware.
  • Waschen Sie Obst und Gemüse besonders gründlich. Schälen Sie es nach Möglichkeit dünn (das gilt besonders für Salatgurken), selbst wenn direkt unter der Schale besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe sitzen.
  • Bei Salaten entfernen Sie die äußeren Blätter vor dem Waschen.
  • Äpfel von Streuobstwiesen reifen ohne chemisches Zutun.
  • Johannis-, Stachel-, Heidel- und Himbeeren sind nicht oder selten belastet.
  • Kaufen Sie Kopfsalat, der nicht aus dem Treibhaus kommt und abends geerntet wird. Fragen Sie Ihren Gemüsehändler nach der Erntezeit: Nachts reichert sich Dünger im Kopfsalat an, der sich unter Sonneneinfluss wieder abbaut. Für den Verkauf ernten die meisten Menschen jedoch morgens.

Gründliches Waschen von Salat und Gemüse

Um einen Salat mit Genuss und ohne unerwartete „Extras“ zu genießen, sollten Sie ihn immer waschen. Auch dann, wenn Sie ab und an zu den Fertigsalaten greifen, wenn es einmal schnell gehen muss.

Dazu folgende Tipps:

  1. Bevor Sie an das Gemüse oder den Salat gehen, waschen Sie Ihre Hände mit Seife.
  2. Mit Ausnahme von grünem Blattsalat waschen Sie Salat und Gemüse, bevor Sie es ins Kühlfach oder in Ihr Gemüsefach legen.
  3. Achten Sie darauf, dass in Ihrer Spüle keine Rückstände von Chlorreinigern ablagern und dass der Abfluss keine chemischen Mittel mehr versteckt.
  4. Lassen Sie frisch gekochtes Gemüse nicht länger als zwei Stunden offen stehen. Entweder Sie frieren es ein oder aber Sie stellen es abgedeckt an einen kühlen Ort.
  5. Achten Sie darauf, Gemüse und Fleisch mit viel Abstand zueinander in Ihrem Kühlschrank zu lagern.
  6. Bearbeiten Sie niemals mit dem gleichen Messer nacheinander Fleisch, Fisch und Gemüse. Wechseln Sie zu einem anderen Messer.
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