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Schluss mit den Eiweißmythen: Die 10 häufigsten Irrtümer rund um Eiweiß

Eiweißschock, Alzheimer durch Eiweiß, ungesundes tierisches Eiweiß, eiweißüberladene Nahrung – all das sind Themen, auf die Sie mich und mein Redaktionsteam immer wieder ansprechen. Da ich weiß, wie wichtig Eiweiß für Ihren Körper ist, möchte ich mit den Eiweißmythen endlich aufräumen – und Ihnen zeigen, wie Sie sich richtig eiweißreich ernähren.

Ein Haufen zerbrochener Eier© indigolotos - Fotolia

Mythos 1: Wir essen alle zu viel Eiweiß

Ein Satz, der mir ständig begegnet – und der nicht stimmt. Wenn Sie ausreichend Eiweiß im Körper hätten, würden Sie jubeln, springen, gut gelaunt jeden Tag begrüßen, hoch kreativ sein und nie unter schlechter Laune leiden. Sie wissen aber sicherlich, dass die Realität anders aussieht. Ich kann es sogar messen. Bei jedem meiner Patienten, die eine Blutuntersuchung machen lassen, messe ich den Eiweißspiegel. Er sollte bei 8,6 g/dl Blut liegen. Dann sind Sie nicht nur ausreichend versorgt, sondern das Leben läuft wieder rund für Sie. Solche Werte finde ich aber fast nie. Die meisten liegen unter 6 g/dl. Daher kann die Mär über das Zuviel an Eiweiß gar nicht stimmen.

Mythos 2: Zu viel Eiweiß führt zu einem Eiweißschock und kann sogar tödlich sein

Ein Satz, den ich nicht glauben kann und will. Er ist wissenschaftlich nicht bewiesen – bis heute ist es nicht gelungen nachzuweisen, dass zu viel Eiweiß schädlich ist. Um der Sache auf den Grund zu gehen, habe ich selbst die Wirkung von übermäßig viel Eiweiß ausprobiert. Ich habe unzählige Austern gegessen, die zu den eiweißreichsten Lebensmitteln gehören, die es gibt. 100 g Austern enthalten 45 g Eiweiß. Gäbe es wirklich den Eiweißschock, ausgelöst durch zu viel Eiweiß, könnte ich Ihnen diesen Artikel gar nicht mehr schreiben. Aber ich erfreue mich immer noch bester Gesundheit.

Mythos 3: Tierisches Eiweiß ist ungesund

22 % der täglichen Eiweißzufuhr werden in Deutschland durch fette Wurst und fetten Käse gedeckt. Natürlich, dieser Weg der Eiweißaufnahme ist absolut ungesund. Es gelangt in Verbindung mit Fett in Ihren Körper, das die Arterien verkalkt, die Fettzellen füllt sowie auf Dauer zu Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führt. Heißt das für Sie jetzt: „Finger weg von tierischem Eiweiß“? Meine Antwort ist ein entschiedenes Nein. Denn tierisches Eiweiß ist das hochwertigste Eiweiß, das es gibt. Nur kommt es nicht ausschließlich im fetten Sonntagsbraten und im dick bestrichenen Butterbrot vor. Sie nehmen es auch zu sich, wenn Sie fettarme Milchprodukte wie Molke, Hüttenkäse oder Jogurt essen. Auch in magerem Geflügel und Fisch steckt jede Menge Eiweiß.

Mythos 4: Eiweiß belastet die Nieren

Fakt ist: In der Steinzeit nahmen die Menschen 35 % ihrer Gesamtkalorienmenge als Eiweiß zu sich – und die Steinzeitmenschen sind nicht an Nierenschäden gestorben. Heute macht Eiweiß im Schnitt nur noch 10 % unserer Nahrung aus. Bis heute hat sich der genetische Bauplan des Menschen jedoch nicht verändert. Daher können Sie als gesunder Mensch weiterhin Eiweiß essen, ohne sich um Ihre Nieren sorgen zu müssen. Allerdings sollten Sie Ihre Eiweißaufnahme drosseln, wenn Sie bereits Nierenschäden haben.

Mythos 5: Eiweiß verursacht Alzheimer

Alzheimer entsteht, wenn Eiweiß-Abbauprodukte, die so genannten Beta-Amyloiden, nicht mehr aus dem Gehirn abtransportiert werden. Aus diesen Resten bilden sich dann Plaques, die die Nervenenden im Gehirn erst verkleben und dann zerstören. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um Eiweiß, das Sie mit Ihrer Nahrung aufnehmen. Vielmehr sind es ganz normale Abbauprodukte, die in jedem Körper entstehen. Sie können sich aber vor Alzheimer schützen: Ihr Gehirn braucht Acetylcholin, um die Nervensignale im Gehirn richtig weiterzuleiten. Dieses wird unter anderem aus dem Stoff Cholin gebildet. Und der wiederum ist beispielsweise in Eiern oder Fischen enthalten – eiweißreichen Lebensmitteln.

Mythos 6: Hühnereiweiß hat die höchste biologische Wertigkeit

Das Weiße vom Ei ist zwar theoretisch das reinste Eiweiß, Hühnereiweiß hat eine biologische Wertigkeit von 100. Kombinieren Sie pflanzliches und tierisches Eiweiß jedoch miteinander, dann erhöhen Sie dessen Wertigkeit – sogar über 100 % hinaus. Die Kombination aus Kartoffeln und Ei liegt bei 136, Kartoffeln und Quark haben eine biologische Wertigkeit von 113, Mais und Eier von 114, Bohnen mit Ei immer noch eine Wertigkeit von 108.

Mythos 7: Eiweiß führt zur Übersäuerung

Eiweiß soll angeblich das Säure-Basen-Gewicht durcheinanderbringen. Natürlich tut Eiweiß das – wenn Sie ausschließlich tierisches Eiweiß essen. Wenn Sie aber pflanzliches Eiweiß, zum Beispiel aus Hülsenfrüchten, dazu reichlich Obst und Gemüse verzehren, bilden sich in Ihrem Körper viele Basen, die das saure Milieu ausgleichen und neutralisieren.

Mythos 8: Eiweiß macht dick

Das stimmt – wenn Sie das Eiweiß über die fette Wurst oder den leckeren Braten zu sich nehmen. Aber das richtige Eiweiß kann Sie sogar schlank machen. Anders gesagt: Ohne Eiweiß funktioniert keine Diät. Denn geschickt eingesetztes Eiweiß aus Fisch und Geflügel, Hülsenfrüchten und mageren Milchprodukten macht Sie nicht nur satt, es hält auch den Blutzucker stabil. So sind Sie vor plötzlichen Heißhungerattacken geschützt. Und Eiweiß macht warm. Das Prinzip heißt Thermogenese: Eiweiß sorgt im Körper dafür, dass Kalorien als Wärme über die Haut abgegeben werden. So verbrennen Sie pro Tag 100 Kalorien extra. Das klingt nicht viel – ergibt aber im Jahr 36.500 Kalorien oder auch 5,2 Kilogramm Fett.

Mythos 9: Hydrolysate sind das beste Eiweiß

Gerne versucht man Ihnen so genannte Aminosäurehydrolysate zu verkaufen, wenn Sie nach einem Eiweißpulver fragen. Es handelt sich dabei um vorverdautes Eiweiß. Dieses soll viel besser verwertbar sein. Das stimmt – wenn Sie Hochleis­tungssportler sind und viele Muskeln haben, die als Eiweißspeicher dienen. Als „Normalmensch“ brauchen Sie dieses besondere Eiweiß nicht. Ich empfehle Ihnen nur dann ein Eiweißpulver, wenn Ihre Werte sehr niedrig liegen und Sie einen Eiweißmangel haben. Langfristig aber sollten Sie Eiweiß über Ihre Nahrung zu sich nehmen.

Mythos 10: Eiweißmangel ist relativ ungefährlich

Die Bedeutung von Eiweiß für unseren Körper wird immer noch unterschätzt – ebenso unterschätzt wird der Eiweißmangel. „Ihr Eiweißspiegel ist halt nicht so hoch, aber das ist nicht schlimm“ ist ein Satz, wie er gerne von Ärzten verwendet wird. Aber Eiweißmangel kann gravierende Folgen haben. Erst einmal lässt Ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nach. Eine Tatsache, die viele Menschen auf andere Faktoren, wie zum Beispiel Stress, schlechten Schlaf oder auch auf das Wetter schieben. Wird der Mangel dann nicht behoben, kommt es zu Ausfallerscheinungen im Körper: Ihre Knochen werden brüchig, Ihr Immunsystem so schwach, dass Sie vermehrt unter Infekten leiden. Zudem setzt Eiweißmangel Ihre Fruchtbarkeit herab. Ein eklatanter Eiweißmangel schließlich beschleunigt das Altern und hat starke Flüssigkeitseinlagerung im Körpergewebe zur Folge.

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Dr. Michael Spitzbart
Über den AutorDr. med. Michael Spitzbart

Dies ist das Profil von Dr. med. Michael Spitzbart, dem Chefredakteur von "Dr. Spitzbart´s Gesundheits-Praxis". Hier gibt‘s alle Infos.

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