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Eine kleine Geschichte des Eintopfs

Schon in der Bibel steht geschrieben, dass Esau das Recht des Erstgeborenen für einen Eintopf aus roten Linsen an seinen Bruder verkaufte. Das zusammengekochte Linsengericht war ihm mehr wert als seine brüderliche Vorrangstellung. Die Ursprünge des Eintopfs finden sich vermutlich in der Jungsteinzeit. Da es meist nur eine Feuerstelle gab, auf der gekocht wurde, war es naheliegend, mehrere Nahrungsmittel auf einmal zu garen. Zunächst wird das Zusammengekochte noch ziemlich rustikal gewesen sein. Gemahlenes Getreide, Hülsenfrüchte wurden mit Wasser gekocht. Später kam dann noch Fleisch dazu.

Seit Jahrtausenden werden unterschiedliche Zutaten in einem einzigen Topf miteinander gekocht. Es wurde hineingegeben, was gerade verfügbar war. Über oder auf der Feuerstelle hing stets ein Kessel, in dem es leise schmurgelte. Zu gehobenen Eintopfgenüssen brachten es die Ägypter, denn sie verwendeten bereits Kräuter und Gewürze wie Zwiebeln, Lauch, Dill, Koriander, Kümmel und Essig. Wie sehr Suppen und Eintöpfe geschätzt wurden, wiesen Archäologen anhand von Grabbeigaben nach. Sie fanden neben Schmuckstücken Reste von Gerstensuppe, Suppengefäße und Suppenlöffel.

Auch Griechen und Römer kannten Suppen und Eintöpfe. Legendär ist der Heringseintopf, der im antiken Ostia nahe Roms zubereitet wurde. Er stand tagelang herum, bis alles schön stank und galt erst dann als Delikatesse. Die Römer nannten ihre brühenähnlichen Suppen „potus“ (potare = trinken), woraus dann später in Frankreich „pot au feu“ wurde.

Die Germanen bereiteten sich zur gleichen Zeit „Mus“ aus Getreide, Gemüse und Fleisch zu. Noch heute ist die Bezeichnung Mus im Norden für Eintöpfe gebräuchlich. Im Mittelalter aß man mit Vorliebe Speck-, Wein- und Fischsuppen. Als dann Kolumbus von den Indianern Leckereien wie Tomaten, Kürbis, Mais und Kräuter mitbrachte, wurden Suppen und Eintöpfe schmackhafter und abwechslungsreicher. Marco Polo bereicherte die  Suppenküche, indem er von seinen Reisen die Kartoffel mitbrachte.

König Ludwig XIV (1638 – 1715) förderte den Anbau von Schwarzwurzeln, Spargel und Artischocken.

Mit dem Erwachsen des Bürgertums wurde der Eintopf mehr und mehr zur bäuerlichen Angelegenheit oder zur Arme-Leute-Küche. Bei diesen körperlich schwer arbeitenden Menschen wurde er vor allem geschätzt, weil er warm und nahrhaft war. Doch er war auch preiswert. Die Bauern gaben hinein, was Hof und Stall hergaben. Die armen Leute in der Stadt verwerteten damit ihre Reste. Alles, was weg musste, wanderte in den Topf. So wurde eine vollständige Mahlzeit daraus.

Viele Ofengerichte und Aufläufe entwickelten sich aus bäuerlichen Traditionen – wie etwa der elsässische Baeckaoffe (Eintopf aus verschiedenen Fleischsorten, Kartoffeln und Riesling) oder die griechische Moussaka, die überwiegend aus Auberginen und Käse hergestellt wird. Sie wurden zum Dorfbackhaus gebracht, wenn das Brot ausgebacken war und wurden in der Restglut ausgebacken.

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Alte Kommentare
  • Gabriele Mentzel schrieb am 19.01.2010, 09:21 Uhr

    Ich habe geglaubt Columbus brachte die Kartoffel aus Amerika nach Spanien?

  • Constantantin Kleist schrieb am 20.01.2010, 14:14 Uhr

    Marco Polo kann die Kartoffel nicht von Asien mitgebracht haben, denn sie ist urspruenglich von Peru, und wurde in Europa von den Spaniern eingefuehrt. Das ist das erste Mal, dass ich die Geschichte von der Kartoffel so gehoert habe! Beste Gruesse, Kleist aus Brasilien

  • Solveig schrieb am 22.01.2010, 14:00 Uhr

    die Kartoffel stammt aus dem Andenbereich Peru/Bolivien/Chile und wurde somit schwerlich von Marco Polo nach Europa eingeführt. Wenn ich mich recht an den Geschichtsunterricht erinnere, war es Pizarro. Tschüsschen Solveig